Bischofsweihe Die Kraft des Heiligen Geistes

09.12.2016

Das Bischofsamt ist mehr als nur ein reines Funktionsamt. Dafür braucht es viel Heiligen Geist. Wie der neue Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg den bekommt, lesen Sie hier.

Weihegebet mit ausgeklapptem Evangeliar

München – Domzeremoniar Bernhard Stürber sucht seine Bibel. Denn ohne die Heilige Schrift kann man nicht verstehen, was bei der Bischofsweihe von Rupert Graf zu Stolberg am Samstag im Münchner Dom genau vor sich geht. Schließlich wird er fündig und schlägt im Neuen Testament die Apostelgeschichte auf. Dort wird beschrieben, wie die Apostel für die Männer, die geweiht werden sollen, beten und ihnen die Hände auflegen. „Das gehört zum Ursprung des kirchlichen Weiheamtes“, erklärt der Diakon. Und bis heute ist dieser Ritus der Kern bei jeder Weihe von Diakonen, Priestern und Bischöfen geblieben.

Im neuen Bischof ist der Heilige Geist am Wirken

Auch am Samstag wird auf diese Weise von den anwesenden Bischöfen der Heilige Geist auf den neuen Weihbischof Graf zu Stolberg herab gerufen. Der sei zwar schon von Papst Franziskus ernannt worden, so Stürber. Das reiche aber noch nicht aus. Die Kirche glaube, dass gerade in den geweihten Personen der Heilige Geist am Wirken ist. Handauflegung und Gebet seien deshalb „die wichtigsten Handlungen, die gehören sozusagen zusammen wie die zwei Seiten einer Medaille“, erklärt Stürber. Während des Weihegebetes gibt es noch eine Besonderheit. Zwei Diakone halten über dem neuen Bischof ein geöffnetes Evangelienbuch. Damit werde gezeigt, dass die bischöfliche Existenz ganz vom Evangelium her bestimmt und ausgefüllt ist.

Hintergrund: Bischof
In der katholischen Kirche ist die Bischofsweihe die höchste Stufe des Weihesakraments. Das Wort Bischof ist abgeleitet von dem altgriechischen Begriff "episkopos" (Statthalter, Aufseher, Hüter). Die Bischofsweihe verleiht nach katholischem Verständnis die Vollmacht, das Wort Gottes verbindlich zu lehren und gegen Verfälschungen des Glaubens vorzugehen. Nach katholischer Auffassung setzt sich in den Bischöfen der den Aposteln von Jesus erteilte und mit Vollmacht ausgestattete Sendungsauftrag bis in die Gegenwart kontinuierlich fort. Die apostolische Nachfolge findet Ausdruck darin, dass ein Geistlicher nur durch einen Bischof zum Bischof geweiht werden kann, der seinerseits durch einen Bischof geweiht wurde. (ph/kna)

Auch bei der anschließenden Salbung mit dem Chrisam-Öl ist der Geist Gottes im Spiel. Dabei vollzieht sich eine weitere „Bestärkung durch den Heiligen Geist“, wenn der Bischof das Haupt des neuen Weihbischofs salbt. Fehlen nur noch die äußerlichen Zeichen: die Mitra als Kopfbedeckung und der Hirtenstab. Außerdem bekommt der Weihbischof seinen Bischofsring. Der Ring ist „im Grunde das gleiche Symbol wie bei der Trauung von Eheleuten“, erklärt Stürber. Was bei den Eheleuten die gegenseitige Treue ist, ist beim Bischof die Treue zur Kirche, die die Braut Christi ist. Mitra, Ring und Bischofsstab sind extra für Graf zu Stolberg neu angefertigt worden. Auf den neuen Hirtenstab müssen die Gläubigen allerdings noch etwas warten. Der sei nicht rechtzeitig fertig geworden, erzählt der Domzeremoniar. Was für den Ablauf der Weihe aber nicht weiter schlimm ist: Graf zu Stolberg wird im Weihegottesdienst einfach den Hirtenstab eines bereits verstorbenen Weihbischofs in Empfang nehmen. (Paul Hasel)


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