Glaube ist Geschenk Die Lebenswende des Fotografen Hans-Günther Kaufmann

20.10.2019

Schnelle Autos und schöne Frauen gehörten eine Zeit lang fest zum Leben des Hans-Günther Kaufmann. Doch dann kam der Motofotograf durch ein Buchprojekt mit dem Benediktiner Odilo Lechner zum Glauben.

Zunächst arbeitete Hans-Günther Kaufmann mit Models, später mit Abt Odilo Lechner zusammen.
Zunächst arbeitete Hans-Günther Kaufmann mit Models, später mit Abt Odilo Lechner zusammen. © Kaufmann

Wenn Hans-Günther Kaufmann beginnt, von seinem Leben zu erzählen, dann richten sich seine tiefblauen Augen in die Ferne. So als stünde er auf einem hohen Berg, um auf 75 Jahre zurückzuschauen. Er nimmt sich Zeit, viel Zeit, und erzählt nicht nach Jahreszahlen, sondern nach Epochen, die entscheidend waren.

Da ist die unruhige Kindheit bei den Eltern, die sich im französischen Tours kennengelernt hatten – der Vater war deutscher Luftwaffenoffizier, die französische Mutter Medizinstudentin, mitten im Zweiten Weltkrieg. Seine Kindheit verbringt er mit seinen Verwandten in Oberbayern, als Flüchtlinge sind sie an verschiedenen Orten einquartiert – Mutter, Vater, Großmutter, Hans-Günther und seine ein Jahr jüngere Schwester Christine, fünf Personen in einem Zimmer.

Als Kaufmann rund dreißig Jahre später Vater seines ersten Sohnes Benjamin wird, wird er denken: „Der soll nicht aus einem Koffer leben wie ich!“ Seither ist er mit seiner Frau Sylvia sesshaft in Miesbach und zu ihrer Familie gehören neben Benjamin (heute 44 Jahre alt) Tochter Alexandra (38) und schließlich Johannes (33). Diesem Jüngsten, der bei ihm zu Hause lebt, gehören die Wochenenden des Papas – er ist durch einen Sauerstoffmangel seit der Geburt behindert. Vor kurzem machten Vater und Sohn eine Spritztour mit einem geliehenen Porsche, aber das war ernüchternd, denn ein Auto mit dieser hochwertigen Technik „kann man nicht mehr ausfahren – was früher ging“ – so viele Baustellen und Geschwindigkeitsbeschränkungen gebe es auf deutschen Autobahnen.

Ein Leben „wie im Rausch“

Dabei gab es eine Zeit, in der gehörten schnelle Autos und schöne Frauen fest zum Leben des Hans-Günther Kaufmann. Im Rom der 1960er Jahre tauchte er bereits als 16-Jähriger ein in die Welt der Filmsternchen und Diven. Seine Schwester Christine war bereits ein Filmstar („Rosen-Resli“, „Der schweigende Engel“), als sie 1961 mit Tony Curtis und Yul Brynner den Film „Taras Bulba“ drehte. Währenddessen lebte Hans-Günther in der römischen Wohnung der Familie und genoss das Leben in vollen Zügen.

Heute ist er selbst fast ungläubig, wie viel Erfolg er als Jugendlicher schon hatte – auch in New York und Los Angeles. „Ich fotografierte Schönheiten, die dann in deutschen Illustrierten auf die Titelblätter kamen.“ Und die Karriere setzt sich fort, als er mit 18 Jahren ein Fotostudio in München eröffnet und Models für große Firmen und Modehäuser fotografiert. Er jettet rund um den Globus und lebt sein Leben „wie im Rausch“: ungestüm, wild und atemlos.

Die Gegensätze, die Kaufmann erlebte, prägten ihn. „Damals, nach dem Krieg, waren alle arm. Wer heute arm ist, hat die Pest“, ist so ein Satz seiner Lebenserfahrung. Und die Zeit seines Erfolges beschreibt er stolz: „Elf Porsche 911 bin ich gefahren – alle selbst finanziert!“

„Wie lange willst du das noch machen?“

Der Bruch kommt, als er dreißig Jahre alt ist und auf der Insel Barbados in der Karibik Bademoden fotografiert. „Wie lange willst du das noch machen?“, fragt eine innere Stimme, die ihn nicht mehr in Ruhe lässt. Er steckt in der Krise: „Ich war so dumm – oder so ehrlich, mit den Kunden über den Sinn der Werbung und der Produkte zu diskutieren.“

Zwei entscheidende Ereignisse werfen das Ruder schließlich herum: Sein Sohn Benjamin kommt auf die Welt, und für ein Buchprojekt wird ihm als Autor der Benediktiner Odilo Lechner (1931?–?2017) empfohlen. „Das war Liebe auf den ersten Blick. Wir haben uns gleich gemocht. Damals war ich ihm zu oberflächlich, aber er hat die Tür offen gelassen.“

Mit einem Heiligen befreundet

Von der Mode, die ihn letztlich nie interessiert hat, wendet sich Kaufmann ab – hin zu Buchveröffentlichungen, Filmen und Ausstellungsprojekten. Mit Abt Odilo macht er viele Bücher – unter anderem über den Jakobsweg. Wer Kaufmann heute nach Gott und seinen Heiligen fragt, der bekommt spontan zur Antwort: „Ich glaube, dass ich mit einem Heiligen befreundet war.“ Er schweigt. Dann beginnt er zu erzählen von den letzten Besuchen bei Abt Odilo, der ihn immer gesegnet habe und nun zu ihm sagte: „Jetzt musst du mich segnen. Sei doch nicht so traurig, ich verlasse nur meinen Körper.“ Die Erinnerungen überfluten ihn. Und dann sagt er mit fester Stimme: „Odilo ist nie gegangen. Er ist mir näher als je zuvor.“

Glaube ist Geschenk, das ist seine feste Überzeugung. „Zwei meiner Freunde möchten glauben, aber sie schaffen es nicht“, erzählt er und faltet dabei unwillkürlich seine Hände. „Ich rate ihnen: Vertraut euch Gott an.“ Aber Kaufmann weiß auch, dass ihm nicht alles aus eigener Kraft gelungen ist. „Gott hat sich auf den Weg zu mir gemacht“, sagt er lächelnd, und „im Dank entsteht Glück“.

Irdischen Genüssen ist er dennoch nicht abgeneigt. Er schätzt die französische Küche sehr – am Wochenende kocht er gerne für seinen Sohn Johannes. Und mit Blick auf seine drei Kinder sagt er: „Wenn ein Mensch das Wunder des Lebens erkennt, dann verändert er sich. Und aus dem Staunen und der Ehrfurcht entsteht dann richtiges Handeln.“ Der Fotograf und Dokumentarfilmer Kaufmann ist heute gerne allein in der Natur. „Ich liebe die Stille im Wald, wenn ich fotografiere.“ Dann verbringe er Zeit mit Gott. (Annette Krauß)

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