Seelsorger über 1860-Aufstieg Die Löwen und das Prinzip Hoffnung

28.05.2018

1860 ist endlich wieder einmal auf- und nicht nur abgestiegen. Auch für den Tölzer Tourismusseelsorger Herbert Konrad war das ein besonderer Tag, denn der Theologe ist Fan und Vereinsmitglied.

Aufstiegsfeier der Löwen im Grünwalder Stadion.
Aufstiegsfeier der Löwen im Grünwalder Stadion. © TSV 1860

München/Odessa – Herbert Konrad ist am Handy ein bisschen aufgekratzt. Er ist auf Dienstreise in der Ukraine, aber für den TSV 1860 hat er immer Zeit und wenn die Leitung schlecht ist oder gar abbricht wird, lässt er sich gerne nochmals anrufen. Der Tourismusseelsorger und theologische Referent beim Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen ist schließlich Vereinsmitglied bei den Löwen. Das Aufstiegsdrama hat er gestern im Zug von Lemberg nach Odessa mit verfolgt. Über das Smartphone haben ihn Freund aus Bayern auf dem Laufenden gehalten und ihn mit den aktuellsten Nachrichten versorgt: „Nach dem 0:2 waren wir schon am Boden zerstört.“ Der Ausgleich und der Schlusspfiff waren dann eine „emotionale Explosion“. Im Zug waren auch noch Liverpool-Fans, die vom Champions-League-Endspiel in Kiew kamen, und „es gab eine wunderbare Verbrüderung“. Ein bisschen traurig war Herbert Konrad aber doch, denn er hätte das Spiel eben gerne daheim mit verfolgt.

Stärkung nach Spott und Häme

Trotzdem: „Der Aufstieg bedeutet mir schon sehr viel nach dem Chaos, den Demütigungen und der Misswirtschaft, wo es viel Spott und Häme gab.“ Jetzt habe er endlich wieder einmal „eine Stärkung“ erfahren.

Herbert Konrad, Seelsorger und Sechz´ger-Fan.
Herbert Konrad, Seelsorger und Sechz´ger-Fan. © Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen

Seit 2004 ist der Theologe Vereinsmitglied. Damals spielte der Klub noch in der 1. Bundesliga und stand im Abstiegskampf: „Da wollte ich ein Zeichen setzen durch meine Mitgliedschaft, das hat die Mannschaft leider nicht verstanden und ist trotzdem abgestiegen.“ Sechzig-Fan war er aber schon lange vorher. Angesichts der vielen Nackenschläge, die der Verein schon seit Jahren hinnehmen muss, zieht er einen Vergleich zu seiner Arbeit als Tourismus-Seelsorger, in der er auch Pilger begleitet.

Der Sechzig-Fan ist Pilger in der Wüste

Auch da brechen die Gruppen immer „voller Freude“ auf und erleben „dann aber unheimlich viele Schmerzen, Wüstenstrecken und Krisen“, sagt Konrad. „Dann heißt es dran zu bleiben und treu zu bleiben, immer mit dem Optimismus, dass das Leben noch mehr als diese Krisensituation kennt.“ Da kann der Fan vom Pilger lernen: „Das Prinzip Hoffnung, das dem Theologen ja wichtig ist, ist bei diesem Verein jedenfalls unumgänglich.“ Das wird auch in der nächsten Saison so bleiben, seufzt Konrad.
Für den TSV 1860 werde es schwierig, den Klassenerhalt in der 3. Liga zu sichern. Die Kämpfe zwischen Vereinsführung und dem Mehrheits-Eigentümer, dem jordanischen Geschäftsmann Hasan Ismaik sieht er jedenfalls mit Sorge: „Ich vertraue aber auf den Trainer und die Mannschaft, dass die Substanz haben und nicht gleich wieder absteigen.“ Es gilt das Prinzip Hoffnung.

Der Autor
Alois Bierl
Radio-Redaktion
a.bierl@st-michaelsbund.de


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