Lauftreff für Männer Die Mitte finden

09.11.2018

Seelsorger müssen dahin gehen – oder laufen – wo die Leute sind. So etwa denkt sich das auch der Rosenheimer Pfarrer Sebastian Heindl. Deshalb will er einen Lauftreff für Männer gründen.

Pfarrer Heindl begeistert sich seit 25 jahren für das Laufen © MB/Witte

Rosenheim – Mindestens einmal pro Woche schnürt sich Pfarrer Heindl die Laufschuhe. Eine halbe Stunde ist er dann unterwegs, lieber noch eine Stunde, sagt er. Seit 25 Jahren joggt der Seelsorger, für ihn ist das fast wie eine Therapie: entlastend und entspannend. Manchmal geht es auch weit darüber hinaus. Dann geht das Laufen in ein „Sich-Laufen“ über - Heindl spürt dann die Anstrengung nicht mehr, nimmt nicht mehr wahr, dass er überhaupt läuft. Außerdem spült es automatisch Themen in seinem Bewusstsein nach oben, die ihn gerade bewegen, ohne dass er aktiv darüber nachdenkt. Ein Zustand, der einer Meditation sehr ähnelt. Vergleichbare Erfahrungen hat der Pfarrer gemacht, wenn er mit Bekannten zu zweit gelaufen ist: beim Laufen entstehen intensive Gespräche, mit viel tiefschürfenderen Themen, als das vielleicht bei einem Seelsorgsgespräch im Pfarramt der Fall gewesen wäre. „Man ist dann sofort sozusagen „auf Du und Du“, wenn man dasselbe Tempo hat. Man nimmt aufeinander Rücksicht, stellt sich auf den anderen ein.“

Vor Jahren hatte Sebastian Heindl deshalb die Idee, einen Lauftreff für Männer zu gründen. Aber das Projekt verlief im Sand. Jetzt startet der sportliche 65- jährige einen neuen Versuch.

Wie ein Lauftreff konkret aussehen soll, ist noch unklar. Zu den Vorbereitungen für dieses Angebot gehören auch einige Impulse, die Pfarrer Heindl bereits geschrieben hat. Sie enthalten Beobachtungen und Gedanken, die sich dem sportlichen Seelsorger beim Laufen eingeprägt haben: „Ich fühle mich als Teil der Natur, der Schöpfung und fühle mich so verbunden mit der Natur: sich aus Freude in der Natur bewegen, als Teil dieser lebendigen Welt – wie im Flow, ja ein Moment des Glücks.“

Aus den Impulsen soll bald eine Broschüre entstehen. Wie die in den Lauftreff integriert werden kann – auch das ist noch unklar.

Pfarrer Heindl könnte sich vorstellen, vor dem gemeinsamen Joggen einen der Texte zu lesen, miteinander zu laufen und abschließend eine kleine Betrachtung abzuhalten, was man während des Laufens gefühlt und erlebt hat. Der eigene Glaube oder die Lebensphilosophie könnten dann Stichpunkte sein. Oder aber: die Teilnehmer laufen miteinander, treffen sich dann einmal im Monat für etwa eine halbe Stunde und diskutieren, ob sie die Erfahrungen, die sich in den Impulsen niedergeschlagen haben, teilen können, oder auch nicht.

Wie schnell Sebastian Heindl begeisterte Läufer findet, die bereit sind, ihrem Hobby mehr abzugewinnen als die sportliche Bestätigung, bleibt abzuwarten. Dass der Lauftreff eine Bereicherung für eine sich langsam etablierende Männerseelsorge werden könnte, ist anzunehmen.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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