Corona-Pandemie Die Oberammergauer Passionsspiele werden verschoben

19.03.2020

Zehn Jahre haben die Besucher auf das Ereignis gewartet. Jetzt müssen sie sich noch ein bisschen länger in Geduld üben.

Das Passionstheater in Oberammergau: Blick auf die Bühne, vorne sitzt das Publikum
Das Passionstheater in Oberammergau ist die größte Freiluftbühne mit überdachtem Zuschauerraum weltweit. © Franziska Zankl

Oberammergau –  Die Oberammergauer Passionsspiele werden auf 2022 verschoben. Grund dafür ist ein Bescheid des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen, der die Durchführung der 42. Spiele untersagt. Die Entscheidung wurde zusammen mit dem zuständigen Gesundheitsamt getroffen. Ursache ist die aktuelle Situation durch die Corona-Pandemie. Das Gesundheitsamt habe eine Risikoeinschätzung vorgenommen, heißt es in der Pressmitteilung der Passionsspiele. Eine Durchführung der Passion sei danach bis in den Herbst hinein nicht möglich. Selbst wenn bis dahin die exponentielle Zunahme an Infizierten unterbrochen werden könnte , sei das Risiko zu hoch, dass neue Infektionsketten entstünden. Aus gesundheitspräventiver Sicht sei die Veranstaltung daher zu untersagen, wird der Bescheid zitiert.

Für die Oberammergauer Passionsspiele 2020 waren insgesamt 103 Vorstellungen vom 16. Mai bis 4. Oktober geplant. Das Passionstheater in Oberammergau umfasst – laut Pressemitteilung - knapp 4.500 Sitzplätze und sei damit die größte Freiluftbühne mit überdachtem Zuschauerraum weltweit. Erwartet wurden rund 450.000 Zuschauer aus aller Welt. Die Premiere ist nun für den 21. Mai 2022 vorgesehen, weitere Spieltermine werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Absagen in der Vergangenheit

Anfang der Woche wurden die Proben bereits wegen Corona bis 29. März unterbrochen. Die Passionsspiele gehen auf ein Gelübde aus dem Jahr 1633 zurück. Damals gelobten die Oberammergauer, in jedem zehnten Jahr das Leiden und Sterben Christi aufzuführen, insofern niemand mehr an der Pest sterben sollte. Auch in der Vergangenheit kam es zu Verschiebungen oder gar Absagen der Passionsspiele. 1770 konnten die Passionsspiele aufgrund eines Generalverbotes nicht stattfinden, 1940 verhinderte der Zweite Weltkrieg eine Aufführung. Zum Passionsspiel 1920 beschloss der Gemeinderat, die Vorbereitungen für die Passion angesichts der hohen Zahl an Gefallenen des 1. Weltkrieges nicht voranzutreiben, jedoch konnten die Passionsspiele 1922 nachgeholt werden. Zuschauer aus aller Welt. (pm/kas)

Corona-Pandemie

Corona-Pandemie

Für die Rückerstattung der bereits erworbenen Karten und Arrangements gibt es zwei Möglichkeiten: Voraussichtlich ab dem 6. April können Reservierungen für die diesjährigen Vorstellungen in eine Reservierung für 2022 umgewandelt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Stornierung der Karten und Arrangements, hierbei erhalten Sie eine Rückerstattung des Kaufpreises. Informationen und Rückerstattungs-Formulare finden Sie zeitnah auf der Websitehttps://www.passionsspiele-oberammergau.de/de/startseite. (pm)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Passions spiele Corona - Pandemie

Das könnte Sie auch interessieren

Leeres Theater
© aerogondo - stock.adobe.com

Wenn das Theater nicht mehr länger auf Godot warten will

Museen dürfen bald öffnen, doch Schauspieler, Sänger und Musiker werden derzeit weiter vertröstet. "Wir müssen zurück", ist Christian Stückl überzeugt. Für sein Münchner Volkstheater plant er deshalb...

07.05.2020

© SMB/ br

Jesus-Darsteller: Auferstehung ist nicht leicht zu spielen

Jesus sei durch die Auferstehung ein anderer, erklärt Frederick Mayet. Aber auch ansonsten stellen seine zweiten, verschobenen Passionsspiele den Schauspieler vor neue Herausforderungen.

13.04.2020

katholische Pfarrkirche von Oberammergau St. Peter und Paul
© imago images / CHROMORANGE

Passionsmusik vom Kirchturm

Traditionell feiern die Oberammergauer die Kar- und Ostertage mit Musikstücken aus dem Passionsspiel. In diesem Jahr dürfen die Gläubigen nicht in die Kirche, trotzdem bekommen sie etwas zu hören.

09.04.2020

© Harald Oppitz/KNA
© Harald Opitz/ kna

Regisseur Stückl: Papst muss an Ostern die Stellung halten

Christoph Stückl zeigt sich beeindruckt von den Bildern des Heiligen Vaters allein auf dem Petersplatz. Zu Online-Gottesdiensten hat er ein gespaltenes Verhältnis.

31.03.2020

© Gabriela Neeb
© Gabriela Neeb

"Kann das Wort Corona nicht mehr hören"

Christian Stückl, Regiesseur der Passionsspiele in Oberammergau, kann der Terminverschiebung der Aufführung auch etwas Gutes abgewinnen: Nämlich Zeit alles noch besser zu machen.

23.03.2020

Christian Stückl bei den ersten Leseproben zu den Passionsspielen im Herbst 2019
© Kiderle

Bravo Oberammergau!

Die Passionsspiele entschlossen abzusagen war ein mutiger Schritt. Auch die Kirche macht im Ausnahmezustand eine gute Figur, im Gegensatz zu anderen Institutionen.

22.03.2020

Kostüme der Oberammergauer Passionsspiele
© imago images / Manngold

Corona erzwingt Proben-Stopp

Gerade wurde noch fleißig geprobt, jetzt müssen auch die Oberammergauer wegen der Corona-Pandemie auf Abstand gehen. Im Dorf würde schon gemunkelt, ob es nicht Zeit für ein neues Gelübde sei.

18.03.2020

Das Heilige Grab in Höglwörth: Jesus Figur liegend, um ihn herum viele bunte leuchtenden Kugeln.
© EOM

Heiliges Grab in Höglwörth wird nicht aufgebaut

Es ist nur alle drei Jahre zu sehen und heuer sollte es wieder aufgebaut werden: das Heilige Grab in Höglwörth. Daraus wird aber leider nichts. Der Verein, der sich um das Heilige Grab kümmert, hat...

17.03.2020

© SMB/br

Der Jesus von Oberammergau Jesusdarsteller, Familienvater und Theatermensch

Der 37-jährige Frederik Mayet spielt heuer zum zweiten Mal den Jesus bei den weltberühmten Oberammergauer Passionsspielen.

04.02.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren