Buchbesprechung „Die Päpste liebten sie“

13.03.2019

Im Petersdom sind vier Herrscherinnen bestattet. Die Historikerin Martha Schad hat sie in ihrem neuen Buch portraitiert.

Mathilde von Tuszien, Charlotte von Zypern, Christine von Schweden und Maria Clementina Stuart fanden im Petersdom ihre letzte Ruhestätte.
Mathilde von Tuszien, Charlotte von Zypern, Christine von Schweden und Maria Clementina Stuart fanden im Petersdom ihre letzte Ruhestätte. © adisa – stock.adobe.com

Rom – Im Petersdom in Rom haben vier Herrscherinnen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die Historikerin Martha Schad hat ihnen ihr neuestes Buch mit dem Titel „Die Päpste liebten sie“ gewidmet. Die darin porträtierten Frauen besaßen höchst unterschiedliche Persönlichkeiten.

Mathilde von Tuszien (1046?–?1115) ist die älteste der in St. Peter bestatteten Frauen. Ihre Gebeine wurden allerdings erst über 500 Jahre nach ihrem Tod hierher umgebettet. Die Markgräfin Mathilde war eine der mächtigsten Frauen des Hochmittelalters und wichtige Verbündete der Päpste im Investiturstreit, bei dem sich der Kaiser und der Papst darum stritten, wer Bischöfe ernennen darf. Ihr Name ist untrennbar mit dem „Gang nach Canossa“ verbunden, das zu ihrem Herrschaftsbereich gehörte. Dort wartete bekanntlich Kaiser Heinrich IV. im Winter drei Tage im Büßergewand, um zum Papst vorgelassen zu werden, der ihn dann von seinem Bann befreite. Mathilde war eine durchaus erfolgreiche Herrscherin mit zwei unglücklichen Ehen. Papst Urban VIII. holte ihre sterblichen Überreste in den Petersdom.

Charlotte von Zypern (1444?–?87) ist die erste Frau, die direkt in St. Peter beigesetzt wurde. Die katholische Königin von Zypern konnte ihr rechtmäßiges Erbe nicht dauerhaft antreten, weil auch ihr Halbbruder Jakob herrschen wollte. Sie verlor den Kampf und lebte auf Rhodos, in Savoyen und Rom im Exil. Sie gab den Anspruch auf ihren Titel nie auf, verarmte dabei und war dankbar für die Hilfe gleich dreier Päpste. Innozenz VIII. ließ sie schließlich mit königlichen Würden im Petersdom bestatten.

Königin Christine von Schweden

Auch Königin Christine von Schweden (1626?–?89) hat dort ihre letzte Ruhestätte gefunden. Christine wurde wie ein Junge erzogen und zur Herrschaft bestimmt. Als sie noch nicht einmal sechs Jahre alt war, fiel ihr Vater Gustav Adolf II. während des Dreißigjährigen Kriegs. 1644 wurde sie zur Königin gekrönt. Die bewusst unverheiratet Gebliebene herrschte zehn Jahre lang. Während ihrer Regentschaft holte sie Künstler und Philosophen wie den Franzosen René Descartes an den Hof nach Stockholm. Christine fühlte sich insgeheim dem katholischen Glauben verbunden und konvertierte schließlich. Sie dankte 1654 ab und zog nach Rom um. Über 30 Jahre lang wurde sie von den jeweiligen Päpsten unterstützt. Aber nicht alle liebten die umstrittene Königin, die intime Beziehungen mit Menschen beiderlei Geschlechts pflegte und sogar einen Mord in Auftrag gegeben hatte.

Die vierte Frau aus königlichem Blut, die im Petersdom begraben liegt, ist Maria Clementina Stuart (1702?–?35). Die gebürtige Prinzessin aus dem Haus der Sobieski in Polen heiratete James III. aus dem Haus der Stuarts. Sie lebten damals bereits im Exil in Frankreich und wollten Britannien zurückerobern. Die junge Königin bekam ihren Herrschaftsbereich nie selbst zu sehen und lebte mit ihrem Mann schließlich in Rom. Die gut aussehende Mutter zweier Söhne war in ihrer Ehe unglücklich und starb sehr früh. (Gabriele Riffert)


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