Die Arbeit von Kirchenrestauratoren Die Reparatur des Himmels

29.05.2019

Noch sieht es im Inneren der Kirche von Weihmichl bei Landshut aus wie in einer Lagerhalle. Kirchenmaler Armin Funk ist gerade dabei ein Deckenfresko zu restaurieren.

Kirchenmaler Armin Funk reinigt gerade eine Himmelsdarstellung
Kirchenmaler Armin Funk reinigt gerade eine Himmelsdarstellung. © SMB/Fleischmann

Landshut – Wer ins Innere der Kirche von Weihmichl bei Landshut tritt, könnte das Gotteshaus fast mit einer Lagerhalle verwechseln. Derzeit ist sie vollgepackt mit Gerüsten. Der Boden ist mit Holzplatten überbaut. Allerlei Gerätschaften und Werkzeuge stehen unter oder auf einem Gerüst, das bis zur Kirchendecke emporragt. In einer Ecke surrt sogar ein Kühlschrank, auf dem eine Mikrowelle steht. „Man ist ja manchmal über Monate in einer Kirche, da kann man sich’s schon auch ein bisschen bequemer machen“, erklärt Stefanie Stolzlechner. Sie ist in dritter Generation Geschäftsführerin einer Kirchenrestaurationsfirma aus Regensburg.

Größer und prächtiger

Die Kirchendecke ist von unten nicht zu sehen. Das Gerüst verdeckt sie. Also gehen wir über Leitern auf selbiges und treffen oben auf Kirchenmaler Armin Funk. Lässig hat er sich seine Kappe verkehrt herum aufgesetzt. Seine Kleidung ist voller kleiner Farbklekse. Er blickt auf das Bild an der Decke. „Das ist eine Himmelsdarstellung aus dem Jahr 1950“, informiert er mich, „auch wenn das Fresko jetzt nicht so hochwertig ist, ist es genauso zu schätzen wie das Werk eines Meisters.“

Blumenförmig ist die in die Jahre gekommene Darstellung um eine Aussparung in der Decke der barocken Kirche gemalt. Das Bild zeigt Putten, die sich ganz barock an den Stuck lehnen. Im Hintergrund sollte eigentlich ein Himmel sein. Doch der ist aktuell so ergraut, dass er eher an eine Nebelbank erinnert. Himmelsdarstellungen in Kirchen – gerade im barock geprägten südbayerischen Raum – sind keine Seltenheit. Meistens sollen sie die Kirche größer und prächtiger aussehen lassen. Oft kommt zusätzlich zum Himmel noch eine Scheinarchitektur hinzu, die die Säulen der Kirche bis ins Unendliche gehen lässt.

Eine Himmelsdarstellung aus dem Jahr 1950 in der Kirche von Weihmichl bei Landshut.
Eine Himmelsdarstellung aus dem Jahr 1950 in der Kirche von Weihmichl bei Landshut. © Firma Kallinger Kirchenrestauration

Äußerst vorsichtig

So in der Art ist das auch in Weihmichl, nur dass das Bild mehr als zweihundert Jahre nach der Barockära auf die Kirchendecke von St. Willibald aufgetragen wurde.„Es sind viele Risse im Bild und alte Kittungen, die verschmutzt sind“, beschreibt Funk und zeigt auf die Stellen im Fresko, „da müssen wir mal schauen, ob wir die rausnehmen müssen oder ob wir sie reinigen können.“ Auf dem Gerüst stehen wir direkt unter dem Werk. Gleich unterhalb dieser Darstellung liegen auf einem kleinen Wägelchen zahlreiche Pinsel und Schwämme. Funk nimmt einen Pinsel in die Hand und zeigt mir, wie fein die Härchen sind. „Damit entfernen wir den Schmutz, denn übermalt wird hier erst mal nichts. Das ist ja ein Original.“

Generell gelte bei der Kirchenrestauration das berühmte „weniger ist mehr“. Denn die Handwerker könnten leicht wertvolle Kunstgegenstände beeinträchtigen oder im schlimmsten Falle sogar dauerhafte Schäden anrichten. „Man sieht leider immer wieder, dass es genauso wie schlechte Künstler auch schlechte Handwerker gibt“, bedauert Funk. „Man muss bei jeder Restauration mit äußerster Vorsicht vorgehen.“

Nackenschmerzen gehören dazu

Auf die Frage, ob es nicht ziemlich anstrengend sei, die ganze Zeit an die Decke zu starren, antwortet der sportliche Kirchenmaler lächelnd: „Ich kriege regelmäßig Physiotherapie für den Nacken verschrieben. Aber es ist klar, dass man keine zehn Stunden über Kopf arbeiten kann. Am besten ist es immer, wenn man zwei Bilder parallel zu bearbeiten hat. Eines an der Decke und eines an der Wand. Dann versteift der Nacken nicht.“

Doch trotz der Nackenschmerzen ist das Restaurieren von Kirchen der absolute Traumjob von Armin Funk. „Ich mache das jetzt seit über 35 Jahren und es ist wahnsinnig vielfältig. Klar, manchmal zieht’s ein bisschen auf der Baustelle, vor allem dann, wenn der Glaser die Kirchenfenster rausnimmt. Aber es ist einfach eine schöne und anspruchsvolle Arbeit“, meint der Niederbayer. „Die Voraussetzungen für diesen Beruf sind Geduld und ein Gespür für Farbe und Beschaffenheit der Kirche“, erläutert mir

Zurzeit ähnelt die Kirche St. Willibald in Weihmichl bei Landshut einer Lagerhalle
Zurzeit ähnelt die Kirche St. Willibald in Weihmichl bei Landshut einer Lagerhalle © SMB/Fleischmann

Geplagt von Nachwuchssorgen

Firmenchefin Stefanie Stolzlechner, „außerdem muss man sich immer wieder auf neue Orte einstellen, weil man ja ständig an anderen Kirchen arbeitet.“ Die sympathisch- quirlige Frau plagen aktuell allerdings Nachwuchssorgen. „Unser jetziger Azubi wird in diesem Sommer seine Ausbildung beenden. Für das kommende Ausbildungsjahr habe ich noch keinen Lehrling gefunden.“ Damit stehen die Kirchenmaler nicht alleine da. In vielen Handwerksberufen mangelt es an Auszubildenden.

Genauso wie die handwerklichen Fähigkeiten gehört für Stolzlechner eine gewisse Identifikation mit dem Glauben zum Beruf dazu. „Es ist natürlich keine Pflicht, aber in der Regel sollte man schon auch hinter dem stehen, was man da restauriert. Man hat die ganze Zeit mit Pfarrern zu tun und natürlich gehört auch ein gewisses Grundwissen, was zum Beispiel Heilige betrifft, mit dazu.“ Besonders schön sei die feierliche Wiedereröffnung nach Ende der Arbeiten, sagt sie. „Das ist dann schon immer eine große Freude.“

Bis es in St. Willibald in Weihmichl so weit ist, vergeht noch ein bisschen Zeit. Die Reinigung der Himmelsdarstellung ist da nur eine kleine Aufgabe. Ungefähr einen Tag brauche man dafür, schätzt Kirchenmaler Funk. Dann geht’s weiter, denn die Himmelsdarstellung ist nicht das einzige Bild in der Kirche, und auch die Altäre benötigen eine Rundumkur. Ein paar Wochen sieht die Kirche also noch nach Lagerhalle aus, bevor sie in neuem Glanz erstrahlt.

Der Autor
Lukas Fleischman
Radio-Redaktion
l.fleischmann@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Christi Himmelfahrt

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