Papst Franziskus besucht Assisi Die Rolle der Armen übernehmen

01.10.2013

Kapuzinerprovinzial Marinus Parzinger hat Papst Franziskus noch nicht persönlich kennengelernt. Die Geste des gemeinsamen Mahles mit den Armen einer Caritas-Station in Assisi sagt ihm trotzdem mehr als eine lange Predigt: Wir müssen die Menschen im Blick haben, besonders die Bedürftigen.

Pater Marinus Parzinger ist Provinzial der Deutschen Kapuziner mit Sitz in München (Bild: privat)

Den Besuch von Papst Benedikt XVI. 2006 in Altötting habe ich aus der Nähe erleben dürfen. Die Sicherheitsvorkehrungen bei einem solchen Großereignis und das Medieninteresse sind enorm. Was in Erinnerung bleibt und weiterwirkt, ist die unmittelbare Begegnung: Er hat mir die Hand gegeben und mit mir gesprochen. Oft werde ich gefragt, was ich vom neuen Papst halte. Meine Antwort: Ich weiß auch nur, was ich aus den Medien erfahre. Papst Franziskus hat mit seiner Namenswahl Erwartungen geweckt. Er setzt Zeichen, die überraschen. Er spricht die Zuhörer direkt an wie ein Seelsorger. Sein Auftreten ist schlicht. Nun besucht Franziskus am 4. Oktober die Geburtsstadt des heiligen Franziskus. Das Programm ist dicht.

Nach der Messe wird Papst Franziskus mit „Gästen“ einer Erstaufnahmeeinrichtung der Caritas am Bahnhof nahe der Basilika „Santa Maria degli Angeli“ zu Mittag essen. Der Papst isst, was auch sie essen. Mit dieser schönen Geste sagt er mehr als in einer langen Predigt. Er schenkt Zeit und Aufmerksamkeit denen, die in offiziellen Programmen selten vorkommen. Er ist damit ganz in der Spur von Bruder Franz. Der war ein Liebhaber der Armen. Er ging mit ihnen auf Augenhöhe. Es wird erzählt, dass Franziskus anlässlich einer Wallfahrt nach Rom mit einem Bettler seine Kleider tauschte und die Rolle des Armen übernahm. Er wollte selbst erleben, wie es ist, abhängig von anderen zu sein. Gerade die Armen haben in ihrer Bedürftigkeit oft ein waches Gespür für die Wahrheit, dass die wirklich großen Dinge im Leben nicht gemacht, sondern nur empfangen werden können. Wir sind Beschenkte. Eben das können wir im Kontakt mit Armen lernen.

Die Kirche darf nicht nur eindrucksvolle Gottesdienste feiern, sie muss die Menschen im Blick haben, besonders die Armen. Das Mahl mit den Armen ist eine Geste ganz im Sinn des Heiligen von Assisi.

Pater Marinus Parzinger ist Provinzial der Deutschen Kapuziner mit Sitz
in München


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