Oberammergau-Darsteller Mayet "Die Rolle des Jesus ist ein Geschenk"

04.04.2021

Frederik Mayet war 2010 der Jesus bei den Oberammergauer Passionsspielen und wird es auch in der nächsten Passion wieder sein. Für ihn war und ist die Rolle prägend.

Frederik Mayet, Jesus-Darsteller bei den Oberammergauer Passionsspielen 2010 und 2022.
Frederik Mayet, Jesus-Darsteller bei den Oberammergauer Passionsspielen 2010 und 2022. © SMB/br

Oberammergau – Jubelnde Kinder begrüßen Jesus, der auf einem Esel in Jerusalem einzieht. Stunden später bricht Jesus unter dem Kreuz zusammen. Über sechs Stunden ziehen sich die Oberammergauer Passionsspiele hin. Einer, der eigentlich permanent gefordert ist und im Mittelpunkt steht, ist Jesus. Eine Rolle, die nicht nur wegen ihres Textumfangs und der Bühnenpräsenz etwas Besonderes ist.

Frederik Mayet stand bereits 2010 als Jesus in Oberammergau auf der Bühne und wird es auch im nächsten Jahr, sollte die Passion wie geplant stattfinden, wieder tun. Noch heute erinnert er sich an den Moment der Spielerbekanntgabe 2009, als es hieß: Du bist einer unserer beiden Jesus-Darsteller. „Wie stellt man Gott auf der Bühne dar – diese Frage habe ich mir gestellt“, erinnert sich Mayet. „Es hat einige Zeit gedauert, bis ich lockerer geworden bin und mich an den Gedanken gewöhnt habe, den Jesus auf die Bühne zu bringen.“

Intensive Vorbereitung

So wurde die Vorbereitung für diese besondere Rolle auch besonders intensiv. Viele Gespräche mit Spielleiter Christian Stückl folgten der Spielerbekanntgabe. Aber auch über Biographien und Filme versuchte Mayet, sich der Figur „Jesus“ anzunähern. Ein Schlüsselmoment war dann die Reise ins Heilige Land, die alle Darsteller tragender Rollen im Jahr vor der Passion traditionell unternehmen. „Sich Hineinfühlen – das ist etwas, das einem auch heute noch im Heiligen Land wahnsinnig gut gelingen kann“, erzählt Mayet. „Am See Genezareth, da schaut die Landschaft wahrscheinlich noch genauso aus wie vor 2000 Jahren. Hier hat man das Gefühl, man kommt allem näher, man spürt der Geschichte anders nach. Das war prägend.“

Sich hineinzuversetzen und trotzdem Distanz zu wahren, diese Gratwanderung zieht sich in der Oberammergauer Passion für Jesusdarsteller Frederik Mayet über sechs Stunden hin. Ein Kraftakt, gibt er zu. „Man will diese Bandbreite der Emotionen auf die Bühne bringen, sich möglichst gut in jede Szene hineinfühlen“, erklärt Mayet. „Das ist eine psychische Herausforderung, weil es einen einfach auch selbst berührt, wenn man es auf der Bühne spielt. Momente, wie der, wenn man das Kreuz über die Bühne schleppt, die lassen einen nicht kalt.“

Viel über sich gelernt

Doch egal, wie groß die Herausforderung, die die Rolle des Jesus mit sich bringt, ist und bleibt - für Frederik Mayet ist die Rolle ein Geschenk. „Jesus spielen zu dürfen – nun sogar zum zweiten Mal – ist eine absolute Bereicherung für mich“, freut sich Mayet mit Ausblick auf die nächste Passion. „Ich habe dadurch viel über mich, über Jesus und über die Religion gelernt. Die Rolle des Jesus hat mich gestärkt und reifen lassen.“ (Maria Ertl)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern

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