Symbolkräftiger Startpunkt des synodalen Wegs Die Rolle Frankfurts als "Austragungsort"

28.01.2020

Frankfurt am Main ist als Bankenmetropole und internationale Börsen- und Messestadt bekannt. Doch in wenigen Tagen stehen die Stadt und ihr geschichtsträchtiger Dom im Zentrum eines kirchlichen Geschehens.

Der Dom Sankt Bartholomäus zwischen Hochhäusern hinter einer Brücke über dem Main in Frankfurt.
In Frankfurt treffen sich die Beteiligten zum Synodalen Weg. © Bert Bostelmann/KNA

Frankfurt – Bischöfe und katholische Laien in Deutschland stehen vor wegweisenden Beratungen zur Zukunft der Kirche. Eine markante Entscheidung haben sie bereits getroffen: Die Wahl von Frankfurt am Main als "Austragungsort" der Plenarversammlungen für den Reformprozess des Synodalen Weges. Denn die weltoffene 750.000 Einwohner-Stadt im Herzen Deutschlands, die Bürger aus rund 170 Nationen beherbergt, ist weit mehr als eine Bankenmetropole und "Stadt des Geldes".

Unvermutete Ortswahl

In ihr herrsche ein geschichtlich begründetes, besonders "freiheitliches Verhältnis" zwischen Bürgerschaft und Kirche, so Frankfurts katholischer Stadtdekan Johannes zu Eltz (62). Frankfurt berge "im positiven Sinne das Risiko, dass der Geist der Stadt einen vorantreibt, weiter als man selbst es für möglich gehalten hätte", sagte zu Eltz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der reformorientierte Stadtdekan, der selbst an der Synodalversammlung teilnimmt, war jedenfalls nach eigenen Worten freudig überrascht über die "unvermutete" Ortswahl.

Dabei spielten allerdings auch ganz praktische Erwägungen eine Rolle, etwa die verkehrsgünstige Lage des Domes in der Innenstadt mit der U-Bahnhaltestelle "Dom/Römer", außerdem die hervorragende Anbindung über Flughafen und Hauptbahnhof. Dazu kam, dass Frankfurt keine Bischofsstadt ist - anders als etwa München oder Köln.

Zum besonderen Geist der Synodalversammlung könne "unweigerlich" auch der geschichtsträchtige Kaiserdom Sankt Bartholomäus beitragen, ist der Stadtdekan und Dompfarrer zu Eltz überzeugt. Im Dom wird am Donnerstag um 17.00 Uhr der Eröffnungsgottesdienst für die erste Synodalversammlung beginnen.

Zeichen der Gastfreundschaft

Eigentlich war geplant, dass die rund 230 Mitglieder des Gremiums - Bischöfe und Vertreter des Laienkatholizismus - dann bis 1. Februar auch im Dom tagen und beraten würden. Dies sollte das Anliegen unterstreichen, den Synodalen Weg "als geistliches Geschehen zu verstehen, das bewusst in einer Kirche und nicht in einem Konferenzzentrum stattfindet". Das hatten noch im September der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, erklärt.

Doch dann stellte man fest, dass wegen andauernder Bauarbeiten im Dom schlicht der Platz nicht ausreichen würde. Deshalb disponierte man kurzerhand um: Die Sitzungen der ersten Versammlung finden nun im großen Saal des in Laufweite liegenden Tagungszentrums Dominikanerkloster des Evangelischen Regionalverbandes statt. Dass man bei den Protestanten Unterschlupf fand, sei "ein schönes Zeichen ökumenischer Gastfreundschaft", sagte der Bischof des gastgebenden Bistums Limburg, Georg Bätzing. Die Bauarbeiten im Dom sollen im April beendet werden, sodass bereits die zweite Synodalversammlung vom 3. bis 5. September dort tagen könnte, so Bätzing.

Kritisches Willkommen

Wenn die Teilnehmer der Premiere am Donnerstag in den Dom einziehen, müssen sie mit Kundgebungen rechnen; es werde wohl "ein kritisches Willkommen" für die Synodalen geben, so Stadtdekan zu Eltz. Er rechnet aber nicht mit Störaktionen oder Provokationen. Zu erwarten seien "fantasievolle und merkbare" Wortmeldungen etwa der Reformbewegung Maria 2.0. Auch Proteste von Seiten konservativer Katholiken sind laut dem Stadtdekan möglich und wären ebenso legitim.

Der Dom hat eine eminente geschichtliche Bedeutung. Bereits 794 tagte an diesem Ort die "Synode von Frankfurt", die Bischöfe und Priester aus dem Frankenreich in "Franconofurd" zusammenführte. Der "Kaiserdom" beherbergt auch die kürzlich sanierte "Wahlkapelle", in der seit 1438 die Könige, seit 1562 auch die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt wurden - bis zu dessen Auflösung 1806.

In der kleinen Domkapelle befindet sich zudem eine der bedeutendsten Reliquien in Europa - die Schädeldecke des Apostels Bartholomäus. Die Reliquie gelangte nach dem Jahr 1200 nach Frankfurt und gab dem Dom seinen Beinamen. Der Apostel wird in der Bibel von Jesus als "Mann ohne Falschheit" bezeichnet. Dies, so zu Eltz, müsse auch der Anspruch an die Synodalen in Frankfurt sein: "Sprecht freimütig. Sagt, was ihr denkt, und meint, was ihr sagt." (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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