Zum Ende des Schuljahrs Die Schüler sind stiller geworden

24.07.2020

Seit Ostern heißt es Home-Schooling für viele Schüler. Schulsozialarbeiter Wolfgang Goß von der Caritas hat dennoch versucht Kontakt zu halten. Ob das gut funktioniert hat?

Kind setzt vor einem Computer auf dessen Bildschirm weitere Kidner zu sehen sind
Seit Ostern sind viele Schüler im Home-Schooling. © famveldman - stock.adobe.com

München – Seit Ostern hat das Home-Schooling Kinder und Eltern auf Trab gehalten. Aber auch Lehrer und andere Schulmitarbeiter waren aktiv. Zum Beispiel die Schulsozialarbeiter der Caritas. Die gibt es an vielen Schulen in Bayern, nämlich immer dann, wenn es eine große Anzahl an benachteiligten Schülern gibt. Wolfgang Goß arbeitet an der Mittelschule an der Implerstraße in München. Er hat in der Zeit des Lockdowns versucht, zu den Schülerinnen und Schülern Kontakt zu halten. Aber das hat nicht immer geklappt: „Zu gerade manch ganz Schwierigen ist der Kontakt total abgebrochen, weil sie nicht erreichbar waren. Andere waren sehr wortkarg, wenn man angerufen hat. Die sind regelrecht verstummt. Er war gar nicht so leicht, herauszufinden, wie es ihnen geht“, fasst er seine Erfahrungen zusammen.

Probleme haben sich verschlimmert

Als die Schüler dann zumindest zeitweise zurück waren, hat er festgestellt, dass sie jetzt viel stiller sind als vorher. Woran das liegt, darüber kann er nur spekulieren. Er vermutet, dass es Verunsicherung ist. Außerdem hat er festgestellt: Die Probleme, die es vorher schon gab, sind während des Lockdowns schlimmer geworden.

Aber es gibt auch ein paar Gewinner der Situation: Diejenigen zum Beispiel, die zappelig waren, sind jetzt ruhiger. Und dann gab´s einige, bei denen der Vater Kurzarbeit hatte und deshalb zu Hause war. „Ein Lehrer hat mir von einem Jungen erzählt, der jetzt plötzlich alle Hausaufgaben gemacht hatte. Das hatte er vor Corona nie getan. Und auch in Mathe beteiligt er sich jetzt am Unterricht.“

Nötige Ausstattung war nicht vorhanden

Insgesamt ist der Wissensstand bei den Schülern jetzt so unterschiedlich wie nie zuvor. Denn nicht alle hatten die gleichen Chancen, im Home-Schooling gut zu lernen. Die Lehrer waren zwar sehr engagiert. Sie haben morgens Aufgaben per Mail verschickt und nachmittags um 17 Uhr konnten die Schülerinnen und Schüler in Videokonferenzen mit ihnen die Ergebnisse besprechen. Im Prinzip gut, aber eben nicht für alle: „Unsere Kinder sind oft nicht mit den nötigen Geräten ausgestattet, um virtuellem Unterricht zu folgen. Oder sie haben Prepaid-Guthaben und kein W-Lan. Wenn jemand Videokonferenzen macht, ist eine Prepaidkarte sehr schnell leer.“

Podcast-Tipp

Total Sozial Ein vollständiges Interview mit Wolfgang Goß können sie in dem Podcast Total Sozial hören. > zur Sendung

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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