Mariä Himmelfahrt Die Spitzenpatronin Maria

12.08.2020

Die Gottesmutter und ihre Himmelfahrt hat vielen Kirchen im Erzbistum den Namen gegeben. Andere Heilige können da nicht mithalten.

Wallfahrtskapelle Birkenstein
Die Wallfahrtskapelle Birkenstein steht unter dem Patronat "Maria Himmelfahrt". © Kiderle

München – Im Erzbistum München und Freising steht Maria eindeutig an erster Stelle. 414 Kirchen und Kapellen von insgesamt 3394 sind ihr hier geweiht. Das lässt sich über die Geoinformationssysteme der Erzdiözese schnell herausfinden. Da kommen keine anderen Heiligen mit. 102 Pfarr-, Filial-, Neben- oder Klosterkirchen tragen ausdrücklich den Namen Maria oder Mariä Himmelfahrt, das damit wiederum Spitzenreiter unter den Marienpatrozinien ist.  Den Kirchenhistoriker und Diözesanarchivar Roland Götz überrascht das keineswegs: „Maria hat unter allen Heiligen eben eine ganz unvergleichliche Stellung, durch ihre einmalige Beziehung zu ihrem Sohn Jesus Christus.“ Und dass die Kirche ihre Himmelfahrt besonders feiert, ist da nur logisch: „Weil es das Fest ist, in dem die Glorie und die Verherrlichung Marias am sichtbarsten und deutlichsten zum Ausdruck kommt.“

Bereits 716 Marienpatrozinium auf dem Freisinger Domberg

Wann zum ersten Mal das Patrozinium Mariä Himmelfahrt im heutigen Münchner Erzbistum vorkommt, das lässt sich nicht bestimmen. Möglicherweise gäbe sogar eine umfassende wissenschaftliche Arbeit darüber keine Auskunft. Roland Götz greift im Archiv zu einer Bistumsbeschreibung aus dem Jahr 1524, die bei allen Pfarrkirchen zum ersten Mal die Patrozinien aufführt. Oft ist das nicht einmal in den ältesten Urkunden zu den Pfarreien genannt: „Denn da wird die Kirche oft nur im Zusammenhang mit dem Ortsnamen beschrieben und kein Patron oder keine Patronin genannt.“ Und selbst in dem dicken Buch von 1524 sind viele Kirchen nur ganz pauschal der Gottesmutter zugeordnet: Da heißt es dann oft nur, Beatae Mariae Virginis, der seligen Jungfrau Maria geweiht. In jedem Fall stand die Muttergottes als Namensgeberin für altbayerische Kirchen schon früh ganz oben auf der Liste. Der Bistumsgründer Korbinian fand bereits 716 auf dem Freisinger Domberg ein Marienpatrozinium vor. Es wird in der heutigen Konkathedrale allerdings am 8. September, dem Fest Mariä Geburt begangen, das nördlich der Alpen wohl schon etwas früher als Mariä Himmelfahrt verbindlich eingeführt wurde.

Papst Pius XII. und das Dogma

Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel wie der Feiertag am 15. August offiziell heißt, hat die Gläubigen und die Theologen aber schon sehr früh beschäftigt. Die Zeugnisse reichen bis ins dritte Jahrhundert zurück, ist im Lexikon für Theologie und Kirche zu lesen. Und schon um das Jahr 500 feiern die Christen in Jerusalem das Fest der Dormitio oder Entschlafung Mariens. Seitdem hat es sich immer mehr zur Glaubenswahrheit verdichtet, dass Maria als ganzer Mensch, sozusagen mit Haut und Haar, bei Gott angekommen ist. Zum Dogma erhoben hat das jedoch erst Papst Pius XII., der zuvor alle Bischöfe um eine Stellungnahme gebeten hatte. Das war 1950, fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Millionen von Körpern wie Material behandelt, missbraucht und verheizt wurden. In den Augen vieler Zeitgenossen bedeutete das neue Dogma auch eine Würdigung des menschlichen Leibes, dem durch den Schöpfer eine besondere Heiligkeit zukommt.

Vielleicht hat Pius XII. bei der Ausarbeitung auch gelegentlich an seine Jahre als Nuntius in Bayern gedacht, wo er Land und Leute sehr gründlich kennenlernte und auf Schritt und Tritt den vielen Mariä Himmelfahrtskirchen begegnete: „Dem gebürtigen Römer haben die Bayern aber wahrscheinlich nicht mehr viel über Marienfrömmigkeit erzählen müssen“, vermutet Diözesanarchivar Roland Götz. Möglicherweise haben die tiefen Eindrücke und die Bilder, die Pius XII. aus Bayern mitgenommen hat, trotzdem ein bisschen bestärkt, das Dogma zu verkünden. Auch wenn Darstellungen der Himmelfahrt zwischen Isar und Inn „erst um 1600 heimisch wurden“, wie der Kunst- und Bistumshistoriker Michael Hartig schreibt. Als prominentestes Bild nennt er das ehemalige Hochaltarbild im Münchner Dom, das heute über dem Eingang zur Sakristei hängt.

Beliebtes Motiv: die Himmelfahrt Marias

Im 18. Jahrhundert kommt es dann zu einem richtigen Boom und die Künstler rund um die bayerische Landeshauptstadt schöpfen das Motiv in allen Richtungen aus: auf Leinwänden, Kirchendecken oder in plastischen Arbeiten.  „Die Himmelfahrt hat eben eine enorme Bewegung und Dynamik, die Maler und Bildhauer im Barock natürlich besonders gereizt und herausgefordert hat“, erklärt Götz, der im Archiv viele Entwurfszeichnungen zu diesem Thema aufbewahrt.

 „Gerade das Auffahren der Madonna in den Himmel war optimal für die großen Deckenfresken, wo sich dann der Himmel auftut, von Engeln begleitet und von ihrem Sohn erwartet.“ Da sind im Erzbistum viele große und kleine Meisterwerke zu finden, etwa in Rattenkirchen, aber auch auf Altarblättern wie in Fürstenfeld oder Indersdorf. Es sind ekstatische Bilder, die von der Verzückung erzählen, die es auslöst, wenn ein Mensch bei Gott eintrifft. Die wohl eindrucksvollste Darstellung ist jedoch im Bistum Regensburg zu finden, in der ehemaligen Klosterkirche in Rohr. Aber die hat mit Egid Quirin Asam ja auch ein Münchner Bildhauer geschaffen, der in der damaligen Residenzstadt in einem europäischen Zentrum der Marienfrömmigkeit lebte. Die vielen ausdrücklichen Himmelfahrtspatrozinien vergegenwärtigen das bis heute.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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