Ölberg- und Passionsspiele Die Todesangst von Christus auf der Bühne

28.03.2018

Ölberg- und Passionsspiele haben eine lange Tradition. 1770 wurden sie abgeschafft. Heute wird an einigen Orten das geistliche Spiel wieder aufgeführt. Denn damals wie auch heute sprechen sie die Menschen an.

Die wohl bekanntesten Passionsspiele finden alle zehn Jahre in Oberammergau statt.
Die wohl bekanntesten Passionsspiele finden alle zehn Jahre in Oberammergau statt. © imago

Reischach/Dietfurt – In der Zeit der Gegenreformation, als an vielen Orten in Bayern und Tirol Passionsspiele entstanden, gehörten zum Gründonnerstag Ölbergspiele, mit denen die Todesangst Jesu auf dem Ölberg, die „agonia“, mit lebenden Personen veranschaulicht wurde. Im 18. Jahrhundert traten an ihre Stelle Figuren aus Holz. Angeregt und gefördert wurde diese Volksfrömmigkeit in der Fastenzeit durch die Kapuziner und Franziskaner, die die Gläubigen für diese theatralischen Darstellungen begeisterten.

Ölbergspiele 1770 abgeschafft

In der Aufklärung hatte die Obrigkeit kein Verständnis für derartige szenische Inszenierungen in den Kirchen, da es auch zu vielen Auswüchsen bei den Aufführungen gekommen war. So zogen viele Menschen von Ort zu Ort, um die Passions - „Komödien“ mitzuerleben, und das mitten in der Woche. Und oftmals waren mit den Spielen Jahrmärkte verbunden, durch die Menschen von der Arbeit abgehalten wurden. Angesichts dieser und vieler anderer Klagen wurden die Ölbergspiele ab 1770 von staatlicher Seite, aber auch von bischöflichen Stellen abgeschafft, trotz des heftigen Widerstandes der Gläubigen.

Anknüpfen an barocke Tradition

In der Mitte des 19. Jahrhunderts, da man religiösen Bräuchen wieder toleranter gegenüber stand, kam es zu einer Lockerung des Verbotes und vereinzelt zu einem neuen Erblühen dieser geistlichen Spiele. Vereinzelt entstanden auch wieder szenische Darstellungen bei Ölbergandachten, nun aber mit beweglichen Figuren, so in dem kleinen Ort Reischach bei Altötting und in Dietfurt im Altmühltal. Hier wird bis heute an die alte barocke Tradition angeknüpft und jeweils an den Donnerstagen der Fastenzeit, am „Fastenpfinsta“, ein Ölbergspiel in der Franziskanerkirche aufgeführt.

Jesu Ängste werden ausgedrückt

Die mit schwarzen Tüchern verhängten Fenster schaffen eine düstere, besinnliche Stimmung. Im Rahmen einer feierlichen Andacht mit Predigt und gefühlvollen Chorgesängen wird in drei Szenen die Todesangst Christi, sein Ringen mit sich selbst und Gottvater dargestellt. Das große, durch einen Vorhang verhängte Altarbild ist dabei die Bühne des geistlichen Schauspiels. Die Kulissen zeigen den Garten Getsemani mit der Stadt Jerusalem im Hintergrund. Auf beiden Seiten ruhen die schlafenden Apostel. In der Mitte kniet Jesus – eine bewegliche, bekleidete Figur aus Holz.

Geistliche Spiel spricht Menschen an

In den drei „Fällen“ schwebt ein Kreuz auf ihn herab und ruht eine Weile auf ihm. Ein Sänger und der Chor drücken in ihren Gesängen Jesu Ängste und Gefühle aus. Wenn sich die Christusfigur wieder erhebt, kommt ein Engel, dargestellt von einem Kind, mit einem Kelch und einem Kreuz in der Hand vom Himmel herab, um Jesus für das kommende Leiden und Sterben zu stärken. Das geistliche Spiel, das den Gläubigen helfen will, sich in die Leidens- und Todesszene zu vertiefen und sinnlich nachzuvollziehen, spricht auch heute wieder viele Menschen an. (Albert Bichler)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Passions spiele

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