"Immer noch eine unbequeme Wahrheit" Die Uhr tickt weiter

06.09.2017

Ein Dokumentarfilm zeigt den früheren US-Vizepräsidenten Al Gore wieder als Kämpfer gegen den Klimawandel. Ob sich der Kinobesuch lohnt, lesen Sie hier.

Al Gore vor einem Gletscher in Grönland.
Al Gore vor einem Gletscher in Grönland. © Paramount Pictures

Es ist eine Naturkatastrophe biblischen Ausmaßes: Der Sturm „Harvey“ hat in den vergangenen Tagen den Süden der USA heimgesucht, Teile der Millionenstadt Houston stehen unter Wasser. Haie schwimmen auf der Autobahn, tausende Menschen sind obdachlos geworden, der Wiederaufbau wird Milliarden Dollar verschlingen. Währenddessen braut sich über der Karibik der nächste Hurrikan zusammen.

Die Natur spielt verrückt, könnte man meinen. Doch vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass die Zunahme wetterbedingter Katastrophen ein Produkt des (menschengemachten) Klimawandels ist. Wissenschaftler unterstreichen diese These. Nur US-Präsident Donald Trump, der sich gerade mit eigenen Augen einen Eindruck von der Situation in Houston machen konnte, leugnet einen Zusammenhang. Unter seiner Führung wollen die USA auch aus dem Pariser Abkommen aussteigen, das die Begrenzung der globalen Erwärmung vorsieht.

Al Gore gedenkt der Opfer eines Tsunamis auf den Philippinen.
Gore gedenkt der Opfer eines Wirbelsturms auf den Philippinen. © Paramount Pictures

Widerstand gegen Trumps Umweltpolitik regt sich nun auch in Form eines Dokumentarfilms, der aktuell in den bayerischen Kinos läuft. „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ zeigt den Kampf des früheren US-Vizepräsidenten Al Gore gegen die Klimakrise. Der Film ist die Fortsetzung von „Eine unbequeme Wahrheit“, ebenfalls mit Al Gore in der „Hauptrolle“, der 2007 zwei Oscars gewann und als einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme aller Zeiten gilt.

Während das Original vor allem auf die drastischen Folgen des Klimawandels hinwies, zeigt die Fortsetzung nun auch, welche positiven Entwicklungen der Umweltschutz in den vergangenen zehn Jahren durchlaufen hat. So doziert Gore im Film etwa darüber, dass aktuell die globalen Investitionen in erneuerbare Energien größer sind als die in fossile Brennstoffe. Wind- und Solartechnik würden alle Erwartungen übertreffen und immer stärker wachsen. So sei im vergangenen Jahr 70 Mal mehr Energie aus Sonnenlicht gewonnen worden, als dies Experten zu Beginn des neuen Jahrtausends prognostiziert hätten.

Al Gore war von 1993 bis 2001 Vizepräsident der USA unter Bill Clinton.
Al Gore war von 1993 bis 2001 Vizepräsident der USA unter Bill Clinton. © Paramount Pictures

Wenn die Kamera Gore bei seinen Reisen durch Grönland, Indien oder die Philippinen folgt, wird aber auch deutlich, dass der Handlungsdruck in Sachen Umweltschutz nicht nachgelassen hat. Im nicht mehr so ewigen Eis von Grönland trifft der Ex-Politiker etwa auf Schweizer Wissenschaftler, denen mittlerweile der Eisboden unter ihrer Forschungsstation wegschmilzt. Und in den überfluteten Straßen der Florida-Metropole Miami bekommt Gore nicht nur nasse Socken, sondern auch einen kleinen Vorgeschmack dessen, was die Bewohner Houstons gerade erleben.

Trotzdem hätte der Dokumentarfilm fast mit einem Happy End geendet: Ein Lebenstraum Gores geht in Erfüllung, als die meisten Länder der Erde sich 2015 auf eben jenes Pariser Klima-Abkommen einigen. Doch dann kam Trump, der angekündigte Ausstieg der USA, und die Filmemacher mussten ihre Dokumentation umschneiden.

So wird der US-Präsident gegen Ende des Films als Gores Gegenspieler positioniert. Bei aller berechtigten Kritik an Trumps (Umwelt-)Politik gerät damit aber das eigentliche Anliegen des Films aus dem Fokus. Der sympathische Gore erscheint dann fast als jemand, der seine umstrittene Niederlage gegen George W. Bush bei den Wahlen im Jahr 2000 nie überwunden hat und sich mit dem Film als eine Art Ersatz-Präsident positioniert. Die Frage nach dem Klimawandel und seinen Folgen wird zur politischen Glaubensfrage, die je nach Parteibuch unterschiedlich ausfällt. Und das hat das Thema von „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ eigentlich nicht verdient.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de

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