Sommerrätsel der Münchner Kirchenzeitung Die Weiße Frau

11.08.2019

Das Sommerrätsel der Münchner Kirchenzeitung (MK) stellt heuer Kirchen und Kapellen im Erzbistum vor, um die sich so manche Legende rankt. In der fünften Folge suchen wir eine Kapelle im Ebersberger Forst, bei der ein rastloser Geist sein Unwesen treibt.

Eine weiße Geisterfrau soll angeblich nachts bei der gesuchten Kapelle erscheinen.
Eine weiße Geisterfrau soll angeblich nachts bei der gesuchten Kapelle erscheinen. © Kiderle

Ein Schatten ist sie, nicht mehr. Ein Schatten bei der verwunschenen Kapelle im Wald. Weiß wie die Wände des kleinen Gotteshauses ist ihr Gewand, ein Spiel des Windes. Wenn in dunkler Nacht ein Irrlicht in der Kapelle flackert, erscheint sie und streckt ihre kalten Arme aus nach ihrem Mörder. Nach ihm, der sie einst überfuhr, ihren leblosen Körper ins Gebüsch zerrte und mit Zweigen bedeckte, um seine Tat zu verbergen. Auf der Suche nach ihrem Peiniger bittet die „Weiße Frau“ die Fremden, die in eiliger Fahrt an ihr vorüberziehen, sie mitzunehmen. Wohl dem, der ihrer Bitte nachkommt. Ihm erweist sie sich als schweigsame Weggefährtin. Doch wehe, wer der rastlosen Toten die Hilfe verwehrt. Der findet sie plötzlich hinter sich im Wagen. Ihre knochigen Finger strecken sich nach vorn, Kälte breitet sich aus. Und schon ist es zu spät. Der Fahrer verliert die Kontrolle, prallt gegen einen der mächtigen Bäume.

Unfall ohne Spuren

Wer nachts durch den Ebersberger Forst fährt, braucht gute Nerven. Denn obwohl die Staatsstraße 2080 Tempo 100 erlaubt, läuft einem ein Schauer über den Rücken, wenn man an der diesmal gesuchten Kapelle vorbeifährt. Wohl seit Anfang des 19. Jahrhunderts steht sie hier, auf halber Strecke zwischen Forstinning und Ebers-berg. Die unheimliche Legende, die sich um das Kirchlein rankt, ist jedoch weit jünger. In den 1940er Jahren soll sich der Unfall ereignet haben, bei dem eine Frau ihr Leben ließ.

Anziehungspunkt für Geisterjäger

An dieser gefährlichen Kurve krachte es tatsächlich oft, bis die Streckenführung in den 1980er Jahren geändert wurde. Doch Aufzeichnungen über besagten Unfall gibt es keine. „Wir konnten auch keine Zeitzeugen finden, die die Geschichte schon in den 1940ern gehört haben“, berichtet Kreisheimatpfleger Thomas Warg. Er selbst kennt die Mär um die unruhige Seele seit 1975. „Zu Schulzeiten haben wir sie uns am Lagerfeuer erzählt“, erinnert sich der Historiker. „Einmal habe ich sie getroffen, die Weiße Frau“, erzählt er und gibt seiner Stimme einen dramatischen Unterton. Bei der Kapelle habe er die geisterhafte Gestalt nachts stehen sehen, hielt an, und – stellte fest, dass es sich um eine Verkleidete handelte von einer der vielen Gruppen, die hier Videos über die Spukfrau drehen. Darunter sind nicht nur selbsternannte Geisterjäger, deren Werke auf YouTube zu finden sind. Auch Wissensmagazine bekannter Sender waren dabei, Serienproduktionen und sogar ein Filmteam aus Japan.

Dass die Ebersberger selbst den Forst wegen der Weißen Frau nachts meiden würden, hält Warg für übertrieben, „schließlich liegt die Kapelle an einer wichtigen Verbindungsstraße“. Wie andere Bürger berichten, machen sich Jugendliche aber einen Spaß daraus, Autofahrer dort nachts zu erschrecken – ein sehr gefährlicher „Spaß“.

Patron der Jäger

Davon sollte man sich jedoch nicht abhalten lassen, das malerische Kapellchen zu besuchen. Unter einem majestätischen Ahornbaum lädt es zum Verweilen ein. Innen zeugen einfache Bildwerke von gelebter Volksfrömmigkeit. Ein rot gesticktes Bild zeigt den Patron des kleinen Gotteshauses, der traditionell mit einem Hirschen dargestellt wird. Ist er doch Fürsprecher der Jäger. Als einzige Frau ist die Gottesmutter zu sehen. Eine rote Wachsfigur, eine Holzstatue und eine Ikone zeigen sie, auch mit dem Jesuskind auf dem Arm. Maria möchte den Autofahrern, Radlern und Spaziergängern, die hier täglich vorbeikommen, sicher keinen Schaden zufügen, wie ihre weiße Genossin, sondern sie beschützen. Aber vielleicht ist es doch besser, das letzte Gebet zur Jungfrau zu sprechen, bevor die Dämmerung ihre langen Schatten über die Kapelle breitet.

Wem ist die gesuchte Kapelle geweiht?

Die Sommerzeit ist auch in diesem Jahr Rätselzeit in der Münchner Kirchenzeitung (MK). Heuer stellen wir Ihnen Kirchen und Kapellen im Erzbistum vor, um die sich so manche gruselige Begebenheit rankt. In insgesamt sechs Rätsel-Folgen werden wir Ihnen Sagen und Legenden rund um Gotteshäuser erzählen. Wer miträtselt, kann wie immer schöne Preise gewinnen. Pro Folge verlosen wir unser neues Dual-DAB+-Radio mit Münchner Kirchenradio (MKR)-Knopf sowie je einen Büchergutschein im Wert von 50 Euro und von 25 Euro für unsere Buchhandlung Michaelsbund. Außerdem gibt es viele weitere schöne Preise zu gewinnen. Am Ende wird aus allen richtigen Einsendungen der Hauptgewinn gezogen. Für den Glücklichen und eine Begleitperson spendiert unser bewährter Rätsel-Partner, das Bayerische Pilgerbüro (bp), eine viertägige Flugreise nach Lourdes.

Bitte schicken Sie die richtige Lösung an folgende Adresse:
Münchner Kirchenzeitung
Sommerrätsel
80326 München
Oder per E-Mail: redaktion@muenchner-kirchenzeitung.de
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Der Einsendeschluss für die fünfte Folge ist Donnerstag, 29. August (Poststempel).

Die Autorin
Karin Basso-Ricci
Münchner Kirchenzeitung
k.basso-ricci@st-michaelsbund.de

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