Wiederverheiratete Geschiedene Die Weisung Jesu respektieren

22.10.2013

Das Problem von Scheidung und Wiederheirat ist da, aber die Lösung kommt nicht aus Freiburg. Was die Handreichung des dortigen Seelsorgeamtes durchaus sensibel und differenziert vorlegt, scheitert am unmissverständlichen Wort Jesu: Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.

Andreas Wollbold ist Professor für Pastoraltheologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Bild: Münchner Kirchenzeitung)

Stellen wir uns das einmal bei einer kirchlichen Trauung vor. Da schaut der Zelebrant Zeugen und Gemeinde an und spricht mit ernsten Worten: „Sie, die Trauzeugen und alle, die zugegen sind, nehme ich zu Zeugen dieses heiligen Bundes. Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen (Matthäus 19,6).“ Wenn man die Freiburger Handreichung ernst nimmt, müsste der Priester jetzt sagen: „Nicht wahr, bei diesen Worten Jesu ist Ihnen ein wenig der Schreck in die Glieder gefahren? Aber lachen Sie doch einfach darüber, es ist nicht so gemeint. Das Eheband, das Gott verbunden hat, hat ein Verfallsdatum wie alles auf dieser Erde. Vielleicht hält die Ehe ja auch länger, das wäre schön. Aber wenn nicht, dann versöhnen Sie sich damit und werden Sie offen für neue Wege.“

Die Handreichung verwickelt sich in viele Widersprüche. Sie möchte von der ersten Ehe versöhnt scheiden, aber damit kann sie das Band nicht lösen, das Gott selbst geschaffen hat. Sie möchte die Gewissensentscheidung respektieren, übersieht aber, dass das Gewissen zuerst die Weisung Jesu respektieren muss. Sie möchte die einzelnen Situationen unterscheiden, vergisst aber, dass vor den Geboten Gottes alle gleich sind. Sie solidarisiert sich mit den Wiederverheirateten, entsolidarisiert sich aber von den Verlassenen. Sie spricht theologisch, meint aber Psychologie. Das Problem von Scheidung und Wiederheirat ist komplex und verlangt Sensibilität, Sachverstand und Glaubenstreue. Ein Versuch ist aller Ehre wert, aber manche Versuche scheitern. Dazu gehört auch die Freiburger Handreichung. Vielleicht sollte man im dortigen Seelsorgeamt nun für die Handreichung eine kleine interne Feier des Loslassens und Freigebens veranstalten und den Autoren dabei eine hübsche Kerze überreichen…

Andreas Wollbold ist Professor für Pastoraltheologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München


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