Oktoberfest 2018 Die Zehn Wiesn-Gebote

20.09.2018

Der Münchner Stadtjugendpfarrer Tobias Hartmann hat sich – nicht bierernst zu nehmende – Gedanken gemacht, welche Regeln beim Oktoberfest zu beachten sind.

Das größte Volksfest der Welt.
Das größte Volksfest der Welt. © Andreas Gerlach - stock.adobe.com

I. Gebot Du sollst nicht vorglühen!

„Du aber sei in allem nüchtern“ (2 Tim 4,5)

Gut, die Wiesn ist teuer, ob Bier, Wein oder Schnaps – alles kostet. Aber wer schon besoffen zur Wiesn kommt, beraubt sich damit ja des Reizes, sich dort in Anlehnung an eine 208-jährige Tradition gepflegt dem Rausch des Vergnügens hinzugeben. Vorglühen passt zum Frühlingsfest, aber nicht zur Wiesn.

II. Gebot Du sollst nichts Unnötiges mit dir tragen!

„Nehmt nichts mit auf den Weg ...“ (Lk 9,3)

Rucksäcke und Taschen sind sowieso verboten. Und mal ganz ehrlich: Je mehr du getrunken hast, desto weniger brauchst du noch zum Überleben. Geldbeutel, Handy und Taschentuch, das reicht. Und irgendwo sollte deine Adresse aufgeschrieben sein, dass der Taxifahrer weiß, wo er dich abliefern soll, wenn’s mit dem Reden nicht mehr so klappt.

III. Gebot Iss dein Hendl, bevor alle stehen!

„Esst es hastig!“ (Ex 12,11)

Auf der Wiesn mögen alle Hendl oder Fischsemmeln. Aber wenn du abends nicht schnell genug dein halbes Hendl verzehrst, dann wird das bald allzu sinnenfällig. Und wenn du erst zwei Schuhe von deinem Nachbarn auf deinem Abendessen hattest, dann ist dir auch schon wurscht, ob das Federvieh bio war.

IV. Gebot Du sollst nicht besoffen Karussell fahren!

„Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21)

Die Hemmschwelle sinkt nach der zweiten oder dritten Maß – nicht nur was den Mut betrifft. Nein, auch die Körperspannung, die es für manche Fahrgeschäfte braucht, lässt mit der Zeit nach. Bierdusche mag bei gewissen Partys zwar angesagt sein, aber weder im Kettenkarussell noch im Freefall-Tower.

V. Gebot Achte die bayerische Tracht!

„Trachtet zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,33)

Tennissocken machen dich nicht zum Sportler und eine 30-Euro-Lederhose vom Discounter mit Chucks und kariertem Hemd nicht zum Bayern. Sei doch einfach, wer du bist, und feier mit! Und wenn du nur ein billiges Landhausdirndl daheim im Schrank hängen hast: Da hängt es doch ganz gut.

Mit dem Maßkrug anstoßen.
Mit dem Maßkrug anstoßen. © Jürgen Fälchle - stock.adobe.com

VI. Gebot Du sollst keinen Maßkrug stehlen!

„Bleibt bescheiden und sucht das rechte Maß!“ (Röm 12,3)

Ein wundervolles Souvenir, so ein Maßkrug. Und dann noch original von der Wiesn. Aber man bedenke, dass das erstens verboten und strafbar und zweitens saublöd ist. So ein anständiger Wiesnmaßkrug hat nämlich auch ein anständiges Gewicht, und die meisten Menschen sind nach der Wiesn schon mit dem Tragen ihres eigenen Gewichtes überfordert.

VII. Gebot Du sollst nicht vom fremden Biere trinken!

„Bewahre dieses kostbare Gut, das dir anvertraut worden ist, mit aller Sorgfalt!“ (2 Tim 1,14)

Mit so vielen Menschen in einem Zelt, das kann schon irgendwann unübersichtlich und verwirrend werden. Deshalb sind ja die Maßkrüge auch so schwer, damit man sich immer problemlos an ihnen festhalten kann. Hast du dein Bier doch einmal verloren und weißt nicht mehr welcher Krug der deine ist, dann bestell lieber eine frische Maß. Und wenn dafür das Geld nicht mehr reicht, dann beachte zumindest die „HHZ“, die herpesfreie Henkelzone – du weißt ja nicht, wo der Maßkrug schon überall war.

VIII. Gebot Du sollst nicht auf der Kotzwiese schlafen!

„Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen, sondern wach und nüchtern sein.“ (1 Thess 5,6)

Je später der Abend, desto niedriger die Ansprüche. Aber es sollte schon Grenzen geben. Wie man sich bettet, so liegt man. Und auch wenn es schon irgendwie malerisch ist, sich zu Füßen der Bavaria zu betten, lass es! Besuch die große Frau doch einfach vor dem Zeltbesuch und lass ihr und den anderen bsuffanen Wagscheidln nach 21.30 Uhr ihre verdiente Ruhe!

IX. Gebot Du sollst nicht den Taxifahrer vollgrölen!

„Lasst uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!“ (Gen 11,7)

Der Taxifahrer ist für viele die letzte Rettung, wenn das Zelt zugemacht hat. In deinem Zustand würde dich niemand mehr abschleppen, aber er bringt dich heim. Dafür muss der Arme viel verlangen, aber auch viel ertragen. In vier verschiedenen Sprachen gebrüllte Befehle und Kommentare helfen auf dem Heimweg nicht weiter. Am besten übst du dich in Schweigen und Andacht. Über die letzten Stunden und was du so alles konsumiert hast, solltest du jedoch erst nachdenken, wenn du das Taxi wieder verlassen hast, sonst wird die Abendrevue schnell zum teuren Vergnügen!

X. Gebot Gedenke des Bremsfußes, halte ihn heilig!

„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zu Erde, von der du genommen!“ (Gen 3,19)

Wenn du den Wiesnabend dann erfolgreich und einigermaßen unbeschadet überstanden hast, gibt es eigentlich nur noch eines, was du tun kannst: ab ins Bett, am Rand von der Matratze hinlegen und einen Fuß neben dem Bett auf den Boden stellen. Wie großartig du dich heute auch gefühlt haben magst, am Ende sind wir Menschen doch nur einfache Geschöpfe, die einer gewissen Erdung bedürfen.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Wiesn

Das könnte Sie auch interessieren

Oktoberfest 60 Jahre Tradition: Der Wiesn-Gottesdienst

Schausteller, Wirte und Wiesn-Besucher haben im Marstall-Festzelt wieder den traditionellen Wiesn-Gottesdienst mitgefeiert.

28.09.2018

© fottoo – stock.adobe.com

München am Mittag O´zapft is!

Das 185. Oktoberfest ist eröffnet. Laut Veranstalter waren seit Samstagmittag bereits mehr als 800.000 Besucher auf dem größten Volkfest der Welt. Das bedeutet viel Arbeit für Wiesnwirte und...

24.09.2018

Wiggerl Hagn ist Wirt mit Leib und Seele.
© Kiderle

Der Wirt als Seelsorger Der Glaube gibt Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn eine Richtlinie

Sein Markenzeichen sind der gezwirbelte Bart und seine bayerische Herzlichkeit. Für Wiggerl Hagn ist es heuer die 63. Wiesn - damit ist der 78-Jährige der dienstälteste Wirt auf dem Oktoberfest. Ein...

21.09.2018

© Kiderle

München am Mittag Landtagskandidaten diskutieren Zukunft der Bildung

Vertreter der sieben umfragestärksten Parteien haben bei einer Podiumsdiskussion ihre bildungspolitischen Ambitionen erklärt. Wir fassen die Veranstaltung für Sie zusammen.

21.09.2018

Die Wiesn ist das größte Volksfest der Welt.
© allessuper_1979 - stock.adobe.com

Oktoberfest 2018 Kirchliche Hilfsdienste auf der Wiesn

München bereitet sich auf die Wiesn vor. Dazu gehören natürlich auch Hilfs-und Rettungsdienste wie die Malteser, die rund um das Fest im Einsatz sind.

17.09.2018

Sankt Paul in München
© imago

Oktoberfest 2018 Paulsturm zur Wiesn doch geöffnet

Die beliebte Aussicht vom Turm der Paulskirche auf das Oktoberfest bleibt den Besuchern in diesem Jahr doch nicht verwehrt.

16.09.2018

© Vintys

München am Mittag Trachtenmarkt im Vinty´s

Das Oktoberfest steht vor der Tür. Richtig Spaß macht die Wiesn aber eigentlich erst im passenden Outfit. Der Münchner Secondhand-Kleidermarkt Vinty´s bietet ab sofort hunderte gebrauchte...

29.08.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren