Kinderschutzzentrum zieht nach Rom Die Zeit des Wegduckens ist vorbei

27.11.2014

Alois Bierl ist Leiter der Radioredaktion beim Sankt Michaelsbund (Bild: Sankt Michaelsbund/Schmid)

Sexueller Missbrauch ist in Familien, in Schulen, in Sportvereinen und auch in der Kirche passiert und beschwiegen worden. Für gläubige Katholiken ist es besonders aufwühlend, wenn Seelsorger Seelen vergiften, jungen Menschen einen furchtbaren Ballast für ihr Leben aufladen. Es war ein Kirchenmann, der Jesuitenpater Klaus Mertes, der diesen Skandal öffentlich gemacht hat. Erst dadurch kam das Thema in eine breite gesellschaftliche Debatte. Es spricht für eine Institution, wenn sie sich einem solchen Skandal nicht nur stellt, sondern sogar bereit ist, ihn selbst loszutreten, weil sonst weiterhin Menschen zerstört werden. Es hat lange genug gedauert.

Natürlich war das auch ein Medienereignis und bisweilen ging unter, dass hier nicht ein ausschließlich kirchliches Problem aufgetaucht war. Im Schatten dieser Berichterstattung konnten sich andere Institutionen auch verstecken. Kardinal Reinhard Marx erlebte 2010, als die deutsche Kirche über Monate von immer neuen Missbrauchsfällen erschüttert wurde, die schlimmsten Monate seines Lebens, wie er selbst betonte. Trotzdem hat insbesondere das Erzbistum München und Freising Verantwortung übernommen. Es hat alle einschlägigen Akten von einer unabhängigen Kanzlei prüfen lassen. Die Erzdiözese hat aber auch nach vorne geblickt. Mit der Einrichtung eines Kinderschutzzentrums sollten junge Menschen vor sexuellem Missbrauch geschützt werden, Eltern und Erzieher schon erste Anzeichen einordnen können und Schlimmeres verhüten. Ein Programm, das vom Bundesbeauftragten für sexuellen Kindesmissbrauch als vorbildlich gewürdigt wurde.

Wenn das Kinderschutzzentrum nun von München nach Rom an die päpstliche Universität Gregoriana umzieht, dann bedeutet das auch eine große innerkirchliche Anerkennung. Aber es ist auch ein Signal: Missbrauch muss überall bekämpft werden, die Zeit des verdrucksten Verschweigens muss überall vorbei sein. Der Präsident des Zentrums, der Jesuitenpater Hans Zollner, hat bei der Pressekonferenz zum Umzug angedeutet, dass diese Einsicht in manchen Ortskirchen, nicht nur in Afrika, sondern auch in Europa noch nicht angekommen ist. Um so wichtiger, dass dieses Zentrum nun seinen Sitz in Rom hat.  Alois Bierl

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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