Katholische Universität Eichstätt Die Zukunftspläne der neuen Präsidentin

30.09.2016

Gabriele Gien wird am Samstag wird offiziell Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Im Interview äußerte sie sich Gien über die Perspektiven der Universität und worübe sie gerne mit Papst Franziskus sprechen würde.

Die Katholische Universität Eichstätt will den Bereich Forschung weiter ausbauen. © KU/Florian Haas

Eichstätt– Am Samstag (1. Oktober) wird Gabriele Gien (54) offiziell Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Sie wurde für zunächst fünf Jahre gewählt. Die Sprach- und Literaturwissenschaftlerin leitete die Hochschule bereits seit 2014 kommissarisch.

Frau Präsidentin, aus Ihrer Amtsbezeichnung fällt das "kommissarische" weg. Was ändert sich dadurch für Sie?

Gien: Vom Arbeitsrhythmus wenig, das ist ein fließender Übergang. Die strategischen Planungen sind nun aber nicht mehr auf zwei Jahre ausgerichtet, sondern auf einen längeren Zeitraum. Und natürlich hat man in der Uni und auch nach außen ein anderes Standing, wenn man gewählt ist.

Seit Ihrer Wahl im Juni wurden viele Erwartungen an Sie herangetragen. Können Sie die alle erfüllen?

Gien: Natürlich nicht, und vor allem nicht auf einmal. Die Erwartungen sind auch unterschiedlich. Von außen, von den kirchlichen Trägern, sind es Perspektiven hin zu einer stark forschungsorientierten, internationalen Universität, ohne unsere Schwerpunkte zu vernachlässigen. Das braucht Entwicklungszeit, dazu muss man viele mitnehmen. Es ist die Kunst, die Erwartungen in realistische Perspektiven überzuführen.

Welches sind die KU-Schwerpunkte für die nächsten Jahre?

Gien: Zum einen der gesamte Bereich Forschung. In einzelnen Fakultäten und Bereichen sind wir schon sehr forschungsstark. Das wollen wir noch ausbauen, ein Ziel dabei ist die Mitgliedschaft in der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Wir haben schon relativ viele DFG-Projekte. Aber damit einher geht die strategische Planung der Forschung. Ein Zentrum für Forschungsförderung haben wir bereits in der Interimszeit eingerichtet.Bei der Internationalisierung ist unter anderem das Netzwerk der katholischen Universitäten wichtig. Gerade fand in Rom ein großes Treffen statt, an dem ich - übrigens als eine von wenigen Präsidentinnen - teilnahm. Da wollen wir eine wichtige Rolle spielen. Die Hauptkunst ist es, Themen mit hoher gesellschaftlicher Relevanz in der Kombination Forschung, Lehre und Transfer zu verbinden. Darin sollte unsere Stärke liegen.

"Wir sind schon sehr forschungsstark. Ziel die Mitgliedschaft in der Deutschen Forschungsgemeinschaft."

Warum ist die DFG-Vollmitgliedschaft so wichtig und wie ist der Stand der Dinge?

Gien: Wir haben einen Projektmanagement-Plan, der bestimmte Bausteine vorschreibt. Diese sind wir in den vergangenen zwei Jahren angegangen. Jetzt installieren wir gerade größere Formate wie die European Council Research (ECR) Grants und Verbundforschungsprojekte. Das sind Meilensteine. DFG-Mitglied zu sein, ist gut für das Netzwerk und die Sichtbarkeit. Auch bei Neuberufungen ist das eine wichtige Frage.

Gabriele Gien ist ab Oktober neue Präsidentin der KU Eichstätt. © KU/ Constantin Schulte Strathaus

In jüngster Zeit konnte die KU Höchstwerte bei Studierendenzahlen, Neuberufungen und Drittmitteln vermelden. Gibt es auch "Grenzen des Wachstums"?

Gien: Die liegen zum einen in unserem Qualitätsanspruch, der uns gute Rankings in der Lehre beschert. Denn wir haben ein optimales, sehr persönliches Verhältnis von Professoren und Studierenden. Neben der Ausbildung braucht ein Studium auch viele Elemente, die eine persönlichkeitsentwickelnde Dimension haben. Wir sind keine Massenuniversität. Der zweite Punkt ist die Begrenzung durch die uns zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten. Nichtsdestotrotz wollen wir so attraktiv sein, dass wir möglichst viele Bewerber haben.

Die bayerischen Bischöfe haben ihr finanzielles Engagement für die KU jüngst noch einmal deutlich erhöht. Wie hat sich das Zusammenspiel zwischen Kirche und Universität entwickelt?

Gien: Die zusätzlichen 5,5 Millionen Euro im Jahr sind Ausdruck einer neuen Kommunikation und Zusammenarbeit. Wir berichten den Bischöfen regelmäßig, geben Einblick in unsere Entwicklungsperspektiven und den sich daraus ergebenden Bedarf. Eine große Erleichterung ist, dass wir in Weihbischof Anton Losinger einen Stiftungsratsvorsitzenden haben, der erneut Fürsprecher der KU in den entsprechenden Gremien ist. Umgekehrt werden wir jetzt zu vielen relevanten Themen eingeladen, etwa zum Flüchtlingsgipfel der Deutschen Bischofskonferenz, und sind mit Experten in Kommissionen der Bischofskonferenz vertreten. Die Kommunikation hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verbessert, obwohl jede Institution natürlich ihre Eigendynamik hat.

"Eine persönliche Begegnung mit dem Papst wäre natürlich ein Highlight."

Papst Franziskus hat sich sehr für die KU stark gemacht. Würden Sie dem Papst gerne einmal persönlich darstellen, was die Universität leisten kann und welche Perspektiven sie hat?

Gien: Ich bin dem Papst extrem dankbar und habe das auch zum Ausdruck gebracht, als die katholischen Universitäten vor kurzem in Rom bei einer Generalaudienz waren. Ich würde mich gerne mit Franziskus persönlich austauschen, denn ich sehe sehr viele Themen und Ansätze bei ihm, mit denen wir uns an der Universität beschäftigen. Ein Beispiel ist die Flüchtlingsfrage. Eine persönliche Begegnung mit dem Papst wäre natürlich ein Highlight.

Vor fünf Jahren stand die KU mitten in einer Führungskrise. Diese Zeiten sind vorbei. Wo sehen Sie die Universität in fünf Jahren?

Gien: Uns geht es um Forschung, Internationalisierung und Vernetzung. Wir wollen auch noch sichtbarer werden im Konzert der anderen bayerischen Universitäten und unterstreichen, wofür wir stehen. Wir haben einen anderen Blick auf bestimmte Themen, aus einer anderen Wertedimension heraus. Das wollen wir deutlich wahrgenommen wissen. In fünf Jahren sind wir hoffentlich DFG-Mitglied. Auf internationaler Ebene wollen wir im Netzwerk der katholischen Universitäten eine wichtigere Rolle spielen. Denn weil wir auch mit staatlichen Hochschulen konkurrieren, haben wir Themen, die an anderen kirchlichen Einrichtungen noch nicht so sehr im Blick sind, und durch unser Fächerspektrum die Möglichkeit interdisziplinärer Zugänge. (Das Interview führte die Katholische Nachrichtenagentur)


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