Guardini und Gerlich bald selig? Dieser Mann koordiniert die Seligsprechungen

12.12.2017

Am Wochenende werden die Seligsprechungsverfahren von Fritz Gerlich und Romano Guardini offiziell eröffnet. Johannes Modesto ist der Postulator des Erzbistums in den nun offiziell beginnenden beiden Prozessen.

Johannes Modesto in seinem Büro im Münchner Ordinariat.
Johannes Modesto in seinem Büro im Münchner Ordinariat. © SMB/Ertl

München – Auf seinem Schreibtisch im Ordinariat liegen Bücher über Fritz Gerlich (1883 – 1934) und Romano Guardini (1885 – 1968), daneben Gebetsbildchen und ein Plakat zum Gottesdienst zur Eröffnung der Seligsprechungsverfahren für beide sowie der Ablaufzettel der Messe. Hinter ihm hängt ein Gerlich-Gemälde an der Wand. Johannes Modesto (57) ist der Postulator des Erzbistums in den nun offiziell beginnenden beiden Prozessen. Der Pastoralreferent, klassische Philologe und promovierte Theologe war lange Jahre persönlicher Referent des damaligen Generalvikars Prälat Robert Simon. Modesto kennt die Abläufe in einem Komplex wie dem Ordinariat sehr gut. Zuletzt arbeitete er in der Abteilung für Priester, als im vergangenen Jahr von Seiten der Bistumsleitung die Bitte an ihn herangetragen wurde, die verantwortungsvolle und arbeitsintensive Aufgabe zu übernehmen.

Zur Vorbereitung die Studienbank gedrückt

Modesto wurde dafür nach Rom geschickt, um an der Päpstlichen Universität Urbaniana einen Kurs zur Schulung von Postulatoren zu besuchen. Zusammen mit 90 Frauen und Männern aus der ganzen Welt drückte Modesto fünf Monate lang die Studienbank, musste eine Hausarbeit schreiben und eine schriftliche Prüfung absolvieren, bestand schließlich mit „magna cum laude“.

So gerüstet sucht und spricht Modesto nun mit Zeugen, sammelt und wertet Dokumente aus, die für die zwei parallel verlaufenden Seligsprechungsverfahren in irgendeiner Weise bedeutsam sein könnten. Zugearbeitet wird ihm von Historikern, Archivaren und Theologen. Modesto selbst war bislang kein Experte für einen der beiden potenziellen Seligen: „Das ist aber von Vorteil, so gehe ich einigermaßen unvoreingenommen auf beide Personen zu.“

Alle Fakten zur Causa Gerlich und Guardini

Die diözesane Phase des Verfahrens dauert durch die sehr umfangreiche Dokumentenrecherche und die zahlreichen Zeugenvernehmungen voraussichtlich mehrere Jahre, im Anschluss beginnt die römische Phase bei der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Dort wird Modesto für beide Fälle eine „Positio“ verfassen, zwei umfangreiche Schriften, ähnlich einer wissenschaftlichen Arbeit, die alle Fakten, Pro und Contra, zur Causa Gerlich und Guardini in historisch-kritischer Weise auflisten „Ich hoffe, dass beide Verfahren in meinem aktiven Arbeitsleben positiv zum Abschluss kommen“, sagt Modesto.

Offizielle Eröffnung der Seligsprechungsverfahren

Den Gottesdienst zur offiziellen Eröffnung der Seligsprechungsverfahren feiert Kardinal Reinhard Marx am Samstag, 16. Dezember, um 17.30 Uhr im Münchner Liebfrauendom. Die Messe wird live im Videostream auf mk online und als Audiostream auf DAB+ (Münchner Kirchenradio) oder im Internet übertragen.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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