Freisinger Diözesanmuseum Dieses Denkmal ist ein Geschenk

13.09.2020

Bis 2022 wird das Freisinger Diözesanmuseum noch saniert. mk online hat einen exklusiven Einblick in die Baustelle bekommen.

Wie von Künstler Christo verhüllt: Die Fassade des Freisinger Diözesanmuseums
Wie von Künstler Christo verhüllt: Die Fassade des Freisinger Diözesanmuseums © Freisinger Diözesanmuseum/Thomas Dashuber

Freising – Einmal haben die Bauarbeiter mit einem Wanddurchbruch begonnen, den der neue Plan für das Freisinger Diözesanmuseum vorsieht. Nach den ersten Hammerschlägen bemerkten sie, dass fast an derselben Stelle schon einmal eine Bogenöffnung bestand, die irgendwann in den vergangenen Jahrzehnten zugemauert wurde.

In solchen Momenten geht das Architektenherz von Peter Brückner auf. Dann spürt er, dass seine Ideen mit denen des ursprünglichen Baumeisters im Einklang stehen. Matthias Berger hat das Gebäude 1870 ursprünglich als Knabenseminar, als kirchliche Internatsschule entworfen, in einem zurückhaltenden klassizistischen Stil. Er wollte ein helles Haus, was schon allein der verschwenderisch große Lichthof kurz hinter dem Eingang verdeutlicht, den heute wohl jeder Bauherr streichen würde, um mehr Nutzfläche zu gewinnen. Diese Idee, viel Licht einzulassen, ein großzügiges Gebäude mit vielen Durchblicken zu schaffen, ist dem Denkmal eingeschrieben. Brückner will diese Idee wieder durch erweiterte Innenarkaden und leicht vergrößerte Fenster sichtbarer und für die Bedürfnisse des Diözesanmuseums nutzbar machen. Dabei stehen der Architekt und sein Büro, das er zusammen mit seinem Bruder im oberpfälzischen Tirschenreuth führt, immer wieder vor der Frage, welche historische Substanz zu erhalten ist.

Über 100 Kaminschächte

Matthias Berger hat Teile eines barocken Vorgängerbaus in das heutige Diözesanmuseum integriert. Etliche Türstöcke stammen aus dem 18. Jahrhundert – sie sollen bleiben. Auch wenn sie nach dem Umbau nicht mehr zu sehen sind. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg zogen Lazarette in das dafür eilig umgebaute und von den staatlichen Behörden beschlagnahmte Haus ein. Über 100 Kaminschächte haben die Bauarbeiter gefunden, die zwischen 1914 und 1950 immer wieder eingezogen wurden, um das Haus zu beheizen. Danach sind sie nicht mehr gebraucht worden, im Gegensatz zu den barocken Türstöcken. Darum wird von diesen Kaminen nicht viel übrigbleiben.

„Denkmalschutz ist für uns der würdige Umgang mit authentischer Bausubstanz“, sagt Brückner, „und ein Stück weit müssen wir sie auch von Ballast befreien.“ Der ist in dem Gebäude reichlich zu finden, das ursprünglich nicht als Museum geplant war und immer wieder neue Funktionen zu erfüllen hatte. Umbauten gehören zur Biographie dieses Hauses, das 2022 wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein soll. Als ein Museum, das aktuellen Brandschutzvorschriften und Ausstellungsstandards genügt. Schon das allein bedeutet einschneidende Veränderungen im Gebäude.

So wie die Architekten will aber auch Direktor Christoph Kürzeder die bleibende Idee des Gebäudes erhalten wissen. Für ihn deutet sie auch die Aufgabe seines Diözesanmuseums in der Gegenwart. Mit einem weißen Schutzhelm steht er vor alten Mauern, von denen der Putz abgeschlagen ist. Hinter ihm türmt sich ein riesiges Stahlgerüst im Lichthof auf. Wenn das Diözesanmuseum sich nach der Sanierung innen wie außen optisch offener präsentiert, soll das auch zeigen, dass die Erzdiözese München und Freising, ihre Geschichte und Gegenwart in dieses Haus hineinströmen und in einem Wechselverhältnis zueinander stehen.

Diskurs über eigene Zukunft

Das für etwa 56 Millionen Euro erneuerte Diözesanmuseum soll zu einem Nachdenken und einem Diskurs über das eigene Herkommen und über die eigene Zukunft führen. „Wohin kann es gehen mit den religiösen Prägungen in unserer Kultur und in unserem Leben? All diese Themen werden in diesem Museum verhandelt“, erklärt Kürzeder. Das Diözesanmuseum ist dabei selbst Teil dieser Geschichte und darum hat sich der Direktor des Museums auch nicht gewünscht, das alte Haus auf dem Domberg einfach abzureißen und etwas Neues hinzustellen: „Dieses Denkmal ist ein Geschenk, das wir lebendig erhalten und weiterführen wollen.“

Darin liegt auch für Brückner der besondere Reiz dieses Auftrags. Sein mit etlichen Preisen bedachtes Büro hat schon an einigen anderen Orten denkmalgeschützte Gebäude „transformiert“, also umgewandelt, wie er das selbst am liebsten nennt. Das Bauen im Bestand, also in schon vorhandenen Gebäuden, hält er allein aus ökologischen Gründen für immer wichtiger. Die Verwendung schon vorhandener Mauern spart Material und Energie und es ist deutlich weniger Schutt zu entsorgen. Aber auch gestalterisch sieht er im Diözesanmuseum zum Teil mehr Möglichkeiten als bei einem Neubau: „Da kommt die Architektur und dann wird die Ausstellung hineingesetzt, sodass kein Ganzes entsteht.“

Die Umwandlung des Freisinger Diözesanmuseums entwickle sich dagegen organisch im Miteinander zwischen dem kirchlichen Bauherrn, den Museumsmitarbeitern in einem Gebäude, das aus der Vergangenheit kommt und nun Elemente des 21. Jahrhunderts aufnimmt. In 150 Jahren werden die Nutzer sie vielleicht für genauso denkmalschutzwürdig halten wie den Lichthof aus dem 19. Jahrhundert.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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