Thementag zum Reformationsgedenken Dietrich Bonhoeffer im Kloster Ettal versteckt

17.08.2017

Er starb 1945 im KZ Flossenbürg in der Oberpfalz. Der lutherische Theologe Dietrich Bonhoeffer setzte sich für die Ökumene ein und engagierte sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Einige Monate fand er Unterschlupf im bayerischen Kloster Ettal.

Dietrich Bonhoeffer fand Unterschlupf im Kloster Ettal.
Dietrich Bonhoeffer fand Unterschlupf im Kloster Ettal. © wikipedia/Bundesarchiv

Ettal - Der gebürtige Breslauer kam viel herum, war in Barcelona, New York und Berlin und suchte schließlich in Bayern einige Monate Schutz vor den Nationalsozialisten. So kam er ins Kloster Ettal, erklärt der evangelische Theologe Martin Bogdan aus München. In Norddeutschland hatte er schon Rede- und Schreibeverbot bekommen. Eher zufällig wurde er nach Ettal vermittelt, durch seinen Schwager Hans von Donani und den Josef Müller, der „Ochsensepp“, der später die CSU gründete.

Ettaler Mönche sehr aufgeschlossen

Ein abgelegenes Kloster war bestens als Zufluchtsort geeignet. Ein evangelischer Theologe in einem katholischen Kloster war natürlich möglich, sagt Abt Barnabas Bögle. Das war natürlich möglich, weil die Ettaler Mönche aufgeschlossen waren für die Begegnung mit evangelischen Christen: „Angesichts des gemeinsamen Feindes, nämlich der Regierung des Nationalsozialismus, wussten sie genau, dass es eine enge Bindung braucht, von all denen, die in der Nachfolge Jesus stehen.“ Die Konfession sei in diesem Zusammenhang etwas Zweitrangiges.

Mitleben und studieren im Kloster

Bonhoefer wohnte zwar im Klosterhotel Ludwig der Bayer, hatte aber einen Schlüssel für die Klausur und die Bibliothek des Klosters und nahm am Leben der Mönche teil. Er führte viele Gespräche mit dem damaligen Abt Angelus Kupfer und dem Cellerar Pater Johannes Albrecht. Nur drei Monate war Bonhoeffer in Ettal, von November 1941 an. Trotzdem eine wichtige Zeit für ihn, meint der evangelische Theologe Martin Bogdan. Es sei seine überraschende Wende im Leben von Bonhoeffer gewesen, als er der katholischen Seite und auch den Katholiken im Widerstand begegnet sei. Ihm wurde dadurch klar, die Ökumene sei ein wichtiges Thema und im Widerstand wachse man zusammen.

Bonhoeffer bleibt in Kontakt mit Katholiken

Nach drei Monaten musste der Widerständler Bonhoeffer Ettal wieder verlassen. Er blieb aber weiterhin in Kontakt mit katholischen Theologen und Mönchen. Zeitweise war er mit einigen von ihnen auch inhaftiert. Und er diskutierte weiter mit ihnen. Für den Theologen Martin Bogdan ist eins seiner Zitate zentral: „Im Vollzug begegnen wir Christus.“ Und da sei die Einigung leichter möglich, als wenn man theologische Floskeln finden müsse, um die Widerstände zu überwinden, so Bogdan. Damit habe uns Bonhoeffer eine Aufgabe hinterlassen, die noch nicht gelöst sei.

Ökumene im Sinn von Bonhoeffer

Dieses Jahr, also das Jahr des Reformationsgedenkens, mit zahlreichen ökumenischen Veranstaltungen, das hätte auch Dietrich Bonhoeffer gut gefallen. Übrigens gibt es am Kloster Ettal, gleich am Eingang links eine Gedenktafel für Dietrich Bonhoeffer und Pater Rupert Maier, die der Theologe Martin Bogdan mitinitiiert hat.

 

Das Münchner Kirchenradio sendet am Donnerstag, den 16.08. 2017 eine Themensendung zur "Ökumene" von 12:00 bis 14:00 Uhr. Einen Stadtrundgang in München auf den Spuren der Protestanten unternehmen wir in der Sendung "Einfach leben" ab 15:00 Uhr.

Dieser Artikel gehört zum Thema 500 Jahre Reformation

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