Mittwochsminuten Dimension der Nächstenliebe

01.04.2020

Weihbischof Wolfgang Bischof vergleicht in seinem Impuls die Pest und die Corona-Pandemie. Von den Menschen damals gibt es etwas zu lernen.

Weihbischof Wolfgang Bischof bei der Impuls-Aufzeichnung im Passionstheater von Oberammergau.
Weihbischof Wolfgang Bischof bei der Impuls-Aufzeichnung im Passionstheater von Oberammergau. © EOM

Vor bald einem Jahr, im Juli, habe ich hier im Passionstheater von Oberammergau gesessen und mir das Stück "Die Pest" angeschaut. Es ist ja jenes Stück, in dem beschrieben wird, wie es zu den Passionsspielen gekommen ist. Nie hätte ich gedacht, dass wir ein Jahr später in einer ähnlichen Situation sind wie die Menschen damals 1633. 

Damals haben sich die Menschen eingekastelt, sie haben sich zurückgezogen, sie durften ihre Häuser nicht verlassen. Sie waren letztendlich eingesperrt in einem kleinen Raum. Ähnliche Situationen haben wir auch heute: Wir sind zurückgezogen auf die Orte, in denen wir zuhause sind, mit den Menschen in unserer engsten Umgebung. Und damals wie heute ergeben sich plötzlich ganz neue Dimensionen - auch die Dimensionen der Nächstenliebe.

Vertrauen in Gott stärken

Die Welt wird enger und kleiner. Und trotzdem weitet sie sich, auch in den Herzen der Menschen. Es kommen Fragen auf: Wo ist die Kirche? Wo ist die Kirche in dieser Zeit? Sie ist da! Obwohl sich vielleicht auch hier unsere Sichtweise weiten muss. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind unterwegs und versuchen nahe zu sein. Ehrenamtliche engagieren sich und bringen Nächstenliebe nach Hause - mit Einkaufsgegenständen oder wie auch immer. Das ist Kirche!

Eines, glaube ich, können wir von den Menschen aus der damaligen Zeit lernen: Sie haben ihr Vertrauen in Gott gestärkt. Das Kreuz hinter mir, das Gelübdekreuz in Oberammergau, ist Zeichen dafür. Und ich darf ein kurzes Gebet sprechen:
Herr Jesus Christus, zu dir kommen wir auch mit unseren Sorgen und Nöten in bedrängter Zeit der Corona-Pandemie. Gib uns die Kraft, alle Schwere, die Einsamkeit und auch manche Hoffnungslosigkeit durchzustehen. Dazu segne uns der gütige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Der Erzbischof und die Weihbischöfe des Erzbistums München und Freising wenden sich in dem Format "Mittwochsminuten" jeweils mittwochs mit einem geistlichen Videoimpuls an die Gläubigen. Jeden Mittwoch um 12 Uhr stellt das Erzbistum auf seiner Schwerpunktseite zu Corona sowie auf seinen Social-Media-Kanälen den geistlichen Videoimpuls online.

Video

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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