Für kirchliche Jugendarbeit auf Augenhöhe Diözesanrat befasst sich mit jungen Gläubigen

12.03.2018

Das höchste Laiengremium des Erzbistums München und Freising wählte als Schwerpunkt seiner Frühjahrsvollversammlung die nachwachsende Generation und wie sie kirchliches Leben weiter entwickeln kann.

Jugendkompentenz aus erster Hand - Die BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier war Hauptreferentin auf der Vollversammlung des Diözesanrats. © SMB/Maier

Rosenheim – „Herzlich willkommen im Jahr der Jugend!“ Mit diesen Worten begrüßt Stephanie von Luttitz, Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die rund 160 Teilnehmer der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats im Rosenheimer Kultur- und Kongress-Zentrum. Im Vorfeld der Jugendsynode im Herbst in Rom befassen sich die Delegierten gemeinsam mit einigen jungen Impulsgebern mit kirchlicher Jugendarbeit. „,Dinner for one‘ – Jugend ohne Kirche?“ ist die Tagung daher in Anspielung auf den bekannten Silvester-TV-Sketch über einen 90. Geburtstag ohne Gäste und einen Roman Ödön von Horváths überschrieben.

Frühes Ehrenamt ist wichtig

Die aus Irschenberg stammende BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier erläutert in ihrem Impulsvortrag, dass sich dem Deutschen Freiwilligensurvey von 2014 zufolge fast die Hälfte (46,9 Prozent) der 14- bis 29-Jährigen freiwillig engagieren. Bei den 14- bis 19-Jährigen sind es sogar 52,3 Prozent. Annähernd 15 Prozent der jungen Menschen bringen sich im kirchlichen und religiösen Bereich ein – in allen Altersstufen trifft das nur auf 7,6 Prozent zu. Am liebsten sind Jugendliche vor Ort (91,5 Prozent) und für andere Jugendliche oder Kinder (81,6 Prozent) aktiv. Allerdings wenden 63,3 Prozent lediglich zwei Stunden oder weniger pro Woche für ihr Ehrenamt auf – 1999 waren es im Schnitt noch sechs Stunden.

Maier führt diesen Rückgang auf die „Verdichtung der schulischen Ausbildung“ in Form von Ganztagsschulen und großen Schulzentren mit weiter Anfahrt zurück. Denn wer erst um 17 oder 18 Uhr von der Schule nach Hause komme, leite dann nicht mehr unbedingt eine Jugendgruppe. Maier bedauert diese Entwicklung, Jugendliche bräuchten schließlich Gemeinschaftserlebnisse, die sie in der kirchlichen Jugendarbeit erfahren könnten, auch noch in späteren Jahren. „Wer sich in jungen Jahren nicht engagiert, tut es später vermutlich nicht mehr“, warnt die BDKJ-Bundesvorsitzende

Neue Ideen

Die versammelten Laien überlegten deshalb in Kleingruppen, wie die katholische Jugendarbeit auch unter diesen erschwerten Bedingungen gestärkt werden kann. Als Voraussetzungen ausgemacht wurde unter anderem die Schaffung von Räumen für eine religions- und konfessionsunabhängige Sinnsuche, eine persönliche Glaubensvertiefung sowie eine selbstständige Jugendarbeit mit haupt- und ehrenamtlichen Ansprechpartnern, die die jungen Menschen wertschätzen.

„Im Grunde sehe ich das ganz genauso, dass es Menschen braucht, ob haupt- oder ehrenamtlich, die Jugendlichen zur Seite stehen, Glauben vorleben, an denen man sich auch reiben kann – auf Augenhöhe“, sagt Monsignore Klaus Peter Franzl, Bischöflicher Beauftragter für den Diözesanrat. Er spricht sich dafür aus, als hauptamtliche Seelsorger nicht nur Volltheologen einzusetzen, sondern beispielsweise auch Sozialpädagogen mit einer theologischen Zusatzausbildung. „Es steht und fällt in der Jugendarbeit viel mit der Motivation und der Qualifikation der Hauptamtlichen“, pflichtet ihm die stellvertretende Diözesanratsvorsitzende Rita Spangler bei. „Ich glaube, den Blick darauf zu lenken, dass in der Ausbildung ein entsprechender Schwerpunkt liegen muss, ist wichtiger, als dass es unbedingt ein geweihtes Wesen sein muss.“

Die Autorin
Karin Hammermaier
Münchner Kirchenzeitung
k.hammermaier@st-michaelsbund.de


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