Synodaler Weg Diskussionen um kirchliche Reformen halten an

07.10.2019

Wir müssen reden - das gilt auch weiterhin mit Blick auf mögliche innerkirchlichen Reformen. Am Wochenende gab es weitere Wortmeldungen.

Auch nach der Bischofskonferenz in Fulda gehen die Diskussionen weiter.
Auch nach der Bischofskonferenz in Fulda gehen die Diskussionen weiter. © kna

Bonn – Die Diskussion über Reformdebatten beim "synodalen Weg" in der katholischen Kirche in Deutschland halten an. Am Wochenende zeigte sich der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf offen für weitergehende Reformen - etwa beim Zölibat, bei der katholischen Sexualmoral und bei der Rolle der Frauen in der Kirche.

Das Forum Deutscher Katholiken dagegen kritisierte die Reformbestrebungen und rief alle Bischöfe auf, die der Satzung des "synodalen Wegs" zugestimmt haben, ihre Entscheidung zu überdenken. Sie sollten sich darauf besinnen, "was sie bei ihrer Bischofsweihe feierlich versprochen haben, nämlich den katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen". Die Bischöfe, die der Satzung "nicht zustimmen konnten, haben ihre Verantwortung gegenüber den Gläubigen ihrer Diözese wahrgenommen", heißt es weiter.

"Einwände Roms überzeugen nicht"

Im Interview des "Kölner Stadt-Anzeigers" sagte Bischof Kohlgraf mit Blick auf die Protestbewegung Maria 2.0, die unter anderem einen Zugang von Frauen zu allen Ämtern in der Kirche fordert: "Das sind hoch engagierte Frauen - und auch Männer - aus der Mitte unserer Gemeinden." Auch wenn am Ende des "synodalen Wegs" sicher nicht die Frauenweihe stehen werde, halte er es für entscheidend, "dass wir uns auf die Denkweise derer einlassen, die in dieser Frage nach Bewegung und Veränderung rufen".

Er habe den Aktivistinnen von Maria 2.0 versprochen, ihr Unverständnis nach Rom weiterzugeben. Zudem, so Kohlgraf weiter, müsse er "schlicht konstatieren, dass die Einwände Roms gegen die Frauenordination vielfach nicht überzeugen".

Der Mainzer Bischof plädierte zudem für neue Sichtweisen in Sachen Sexualmoral. "Der Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass es - abgesehen von den Essentials im Glaubensbekenntnis - nichts gibt, was in der Kirche nicht dem Wandel der Zeit unterworfen gewesen wäre", sagte er. Zum Thema Zölibat, also zur verpflichtenden Ehelosigkeit katholischer Priester, sagte er: "Ich hielte verheiratete Priester in bestimmten Regionen weder für einen Angriff auf die Weltkirche noch auf das Priesteramt."

Verheiratete Diakone predigen anders

Auch der am Samstag zum Kardinal ernannte Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich kann sich vorstellen, mehr erfahrene verheiratete Männer, sogenannte viri probati, zu katholischen Priestern zu weihen. Das Thema spielt eine Rolle bei der am Sonntag eröffneten Amazonas-Synode im Vatikan. Der 61-Jährige hob auch den unterschiedlichen Erfahrungshorizont von Ehemännern hervor: "Ich liebe meinen Zölibat, ich stehe dazu; aber ich sehe, dass die verheirateten Diakone anders predigen können als ich, und das finde ich an sich eine wunderbare Ergänzung."

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sagte bei "Spiegel online", man solle bei der Amazonas-Synode über viri probati in Lateinamerika nachdenken: "Das Zölibat grundsätzlich aufzugeben, halte ich aber für falsch." Vorwürfe, deutsche Bischöfe wollten die Synode instrumentalisieren, um innerkirchliche Reformen durchzudrücken, nannte er "Unsinn". (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

Das könnte Sie auch interessieren

© kna

Brief an Kardinal Marx und Prof. Sternberg Generalvikare unterstützen Synodalen Weg

Zehn Generalvikare sprechen sich für eine offene und Vielfalt zulassende Kirche aus. In einem Brief an Kardinal Marx und Prof. Sternberg verdeutlichen sie ihre Unterstützung für den Synodalen Weg.

05.11.2019

Immer noch ist bei der Amazonas Synode vieles umstritten.
© Grispb - stock.adobe.com

Treffen in Rom geht zu Ende Amazonas-Synode ringt lange um strittige Punkte

Seit drei Wochen debattieren in Rom rund 200 Bischöfe und Ordensleute sowie Ureinwohner und Umwelt-Aktivisten über neue Wege der Kirche am Amazonas. Bis zuletzt ist vieles umstritten.

25.10.2019

Elfriede Schießleder, stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, über den Synodalen Weg.
© Markus Hauck

Reformdebatte Katholikenkomitee-Vizechefin: Kein Zaudern bei "Synodalem Weg"

Bei der Herbstvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg spricht sich Elfriede Schießleder für Beratung durch Fachleute beim Synodalen Weg aus.

21.10.2019

Kirche muss Türen öffnen statt warten bis jemand klopft, meint Katharina Sichla.
© sek_gt - stock.adobe.com

Reformprozess Nicht nur die Kirchenstruktur muss sich ändern

Zölibat, verheiratete Priester und die Rolle der Frau – Themen, die innerhalb der katholischen Kirche derzeit heftig diskutiert werden. Doch nicht nur das muss sich ändern, kommentiert Katharina...

21.10.2019

Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), setzt Hoffnung in den synodalen Weg.
© Julia Steinbrecht/kna

Kirchenreformdebatte ZdK-Vizechefin: Bischöfe bereit für Veränderungen

Claudia Lücking-Michel spricht den deutschen Bischöfen Bewusstsein zur Notwendigkeit von Kirchenreformen zu.

24.09.2019

© Sankt Michaelsbund

Vollversammlung der deutschen Bischöfe Synodaler Weg wird ein langer Marsch

Die deutschen Bischöfe treffen sich ab diesem Montag in Fulda. Im Mittelpunkt ihrer Beratungen steht der synodale Weg, der neue Antworten und Lösungen auf brennende Kirchenfragen bringen soll.

23.09.2019

Beraten aber nicht entscheiden - das gilt für den "synodalen Weg".
© aerogondo - stock.adobe.com

Rom ermahnt deutsche Bischöfe Macht der "synodale Weg" noch Sinn?

Vergangene Woche gab es für die deutschen Bischöfe Post aus dem Vatikan. Sie wurden ermahnt: In Deutschland könnten beim "synodalen Weg" nichts entschieden werden, was auch die Weltkirche betreffen...

16.09.2019

Die Kuppel des Petersdoms im Vatikan
© Cristian Gennari/Romano Siciliani/kna

Synodaler Weg Mahnung aus dem Vatikan zum Reformkurs

Die Verantwortlichen wollen den "synodalen Weg" weitergehen, trotz Kritik aus dem Vatikan.

14.09.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren