Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus Dokumentarfilm über Hermann Scheipers

24.01.2014

Im sogenannten Pfarrerblock des Konzentrationslagers Dachau hielten die Nationalsozialisten über 2700 Geistliche gefangen. Die meisten von ihnen waren katholische Priester. Der jetzt hundert Jahre alte Hermann Scheipers ist der letzte Überlebende aus dem Pfarrerblock. Der Filmemacher Max Kronawitter hat ihm eine Dokumentation gewidmet.

Pfarrer Scheipers und Max Kronawitter bei Filmaufnahmen in der KZ-Gedenkstätte Dachau (Bild: Ikarus-Film)

Eurasburg – Fast zehn Jahre lang hat der Filmemacher Max Kronawitter Pfarrer Hermann Scheipers begleitet und mit ihm gedreht. Der im vergangenen Jahr hundert Jahre alt gewordene Priester schildert in der Dokumentation "Zwischen Heiligen und Verbrechern" seine Zeit im Konzentrationslager Dachau und seine Flucht auf einem der sogenannten Todesmärsche. Auf ihnen versuchte die SS in den letzten Kriegswochen KZ- Gefangene in verschiedene Außenlager zu bringen. Viele der erschöpften Häftlinge starben auf dem Weg oder wurden unterwegs erschossen. Kronawitter hatte Scheipers näher kennengelernt, als er eine Begegnung des KZ-Überlebenden mit dem Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff arrangierte. Der Regisseur hatte damals den Spielfilm "Der neunte Tag" über einen Priester im Konzentrationslager Dachau gedreht. Seitdem riss die Verbindung zwischen Kronawitter und dem Pfarrer nicht mehr ab.

"Für Scheipers war das Lager eine Hölle, aber auch ein Ort für ganz besondere Erfahrungen", sagt der Filmemacher, der in Eurasburg bei Wolfratshausen lebt. Dazu zähle der Zusammenhalt der Priester und der Aufbau von Seelsorge, bis hin zur Priesterweihe von Karl Leisner, der einzigen in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager. "Für Scheipers sind das Beweise, dass Gott auch in Dachau da war", so Kronawitter. Am meisten ist der Filmemacher davon beeindruckt, wie lebensfroh der heute hundertjährige Priester sei: "Er hat an seinem Geburtstags-Gottesdienst die Menschen mit einem Lächeln im Gesicht gesegnet, dass man sich fragen muss, wie kann ein Mensch, der fünf Jahre lang solche Grausamkeiten erlebt hat, zu dieser inneren Gelassenheit und Freude zurückfinden." Der Dokumentarfilm "Zwischen Heiligen und Verbrechern" ist bei Ikarus-Film auf DVD erschienen. Im März wird er auf der Filmbörse vorgestellt und ist dann auch über die Medienzentralen der Diözesen auszuleihen. (alb)

Ikarus-Film

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus


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