Musical an der Schule "Drei Engel für Charly" für Maria Ward

16.07.2017

Die Mädchenrealschule in Sparz hat das Leben ihrer Namensstifterin in einem ideenreichen Musical inszeniert.

Maria Ward mit ihren Mitschwestern im Stück © Effner

Traunstein – An eine große Aufgabe hat sich die Maria-Ward-Mädchenrealschule in Traunstein/Sparz in diesem Jahr herangewagt: Im Rahmen des bereits zur Tradition gewordenen Abschluss-Musicals zum Schuljahresende brachten rund 100 Schülerinnen mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Lehrerkollegium das Leben der Namensstifterin auf die Bühne. Mit einem Feuerwerk an Einfällen und humorvollen Einlagen, vielen zeitgenössischen Bezügen, Tänzen und Choreografien sowie Chor- und Orchesterpartien sorgte das anspruchsvolle Stück „Maria Ward: kleine Frau – große Seele“ für Begeisterungsstürme bei den Zuschauern. Eigens für die vier Aufführungen wurde sogar ein Renaissance-Tanz einstudiert und ein Maria-Ward-Lied mit Rap-Einlagen komponiert und getextet.

Das von Michael Vogl geschriebene Theaterstück bringt den Besucher in Anlehnung an die Biographie das Leben von Mary beziehungsweise Maria Ward (1585-1645) aus ungewöhnlicher Perspektive nahe: Drei sehr individuell agierende „Engel für Charly“ (Sabine Steinbeißer, Marie-Therese Miess und Amelie Weitemeyer) sollen auf himmlische Weisung die Namensstifterin (Julena Schneider) auf ihrem Lebensweg durch die gefährlichen Zeiten begleiten. Nachdem das im Zeitalter grausamer Katholikenverfolgungen in England aufgewachsene junge Edelfräulein wiederholt einen Verehrer hat abblitzen lassen, folgt sie ihrer Bestimmung und geht ins flandrische Saint-Omer. Dort gründet sie eine geistliche Gemeinschaft mit der Aufgabe, Töchter aus gutem Hause zu unterrichten.

Engel sollen auf himmlische Weisung Maria Ward auf ihrem Lebensweg durch die gefährlichen Zeiten begleiten.
Engel sollen auf himmlische Weisung Maria Ward auf ihrem Lebensweg durch die gefährlichen Zeiten begleiten. © Effner

Traum von einer Schule

Da der von ihr nach jesuitischem Vorbild gegründete Orden aber keine offizielle Genehmigung des Papstes hat, reist die junge Frau in Begleitung ihrer Mitschwestern Anne und Wini nach Rom, um dort vorstellig zu werden. Ihr Wunsch bleibt allerdings unerhört, so dass sie zurück über die Alpen ins Kurfürstentum nach Bayern reist. Bei der Übernachtung an einem mystischen Ort im Wald träumt ihr, dass an dieser Stelle – dem Sparzer Berg – später einmal eine Schule ihres Ordens gegründet wird. Nach der Inhaftierung durch die Inquisition, vielen Reisen, kirchlichen Auseinandersetzungen und Institutsneugründungen stirbt Maria schließlich im Kreise ihrer Schwestern und der himmlischen Begleiter.

Überraschende und geistreiche Einlagen machen das Maria-Ward-Musical der Mädchenrealschule in Sparz zu einer erlebnisreichen Reise: Da zieht an einer Stelle ein mystisch im Kerzenschein beleuchteter Chor mit gregorianischen Gesängen ein oder begleitet mit dem Ohrwurm von „Mr. Sandman“ im Pyjama die träumende Maria Ward. Der „Engel Aloisius“ begrüsst die drei „Engel für Charly“ zu passender Oktoberfestmusik in Bayern. Aufwändige Choreografien mit Klatscheinlagen, Orchesterstücke vom Barock über bayerische Blasmusik bis zu modernen Klängen, Harfenstücke in den Umbaupausen oder auch ein ironischer Verweis auf den Brexit machen das Zuschauen zum Genuss.

Weltweite Verbreitung

Auch wenn sich das Stück nicht streng an die Biographie von Maria Ward hält, lässt es in eingestreuten Zitaten („Du findest den Weg nur, wenn Du dich auf den Weg machst“) deren Geist lebendig werden. Dia-Einblendungen verweisen auf die weltweite Verbreitung der Maria-Ward-Schulen und der große Abschlusschor („Zeig dich wie du bist“) lässt die Freude an der Gemeinschaft spüren.

„Das war eine anspruchsvolle Rolle, aber wir hatten viel Spaß beim gemeinsamen Erarbeiten und haben auch immer wieder am Text gefeilt“, erzählt Marie-Therese Miess, die im Engel-Trio als Kelly mit Shopping-Tüte, Spiegel und Lippenstift zeigt, dass es auch im Himmel sehr modern zugeht. „Die Kerker-Szene mit dem Inquisitor war nicht leicht“, gesteht Julena Schneider, die im Stück Maria Ward spielt. „Aber es ist unheimlich cool, unsere Namensstifterin spielen zu dürfen.“

Mammut-Programm

„Bereits kurz nach Weihnachten sind die ersten Vorbereitungen für das Musical angelaufen, seit Anfang Juli haben wir sehr intensiv geprobt“, erklärt „Drehbuchschreiber“ Michael Vogl. Zusammen mit seinen Lehrer-Kollegen Margret Zahnbrecher (Schulchor und Solisten), Rupert Schmidhuber (Schulorchester), Regine Wiedemann (Choreografien) und Peter Klein (Renaissance-Tanz) hat er ein echtes Mammut-Programm auf die Beine gestellt. Die drei weiteren Aufführungen sind bereits ausgebucht.

Die im strengen Zeitalter Elisabeth I. aufgewachsene Maria Ward hätte sicher ihre daran Freude gehabt, als himmlischer Engel von einer Wolke aus die großen Fortschritte in der Bildungsarbeit für Frauen und die Begeisterung der Sparzer Schülerinnen bei der Aufführung ihrer Biographie in Traunstein mitzuverfolgen. (Axel Effner)


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