Wallfahrt nach Rom Drei Männer und drei Lamas auf Pilgerreise

27.05.2018

Der Münchner Anwalt Thomas Mohr marschierte zusammen mit zwei Freunden 1.070 Kilometer von München nach Rom - zu Fuß und mit drei Lamas.

Thomas Mohr (links) mit seiner „Pilgergruppe“
Thomas Mohr (links) mit seiner „Pilgergruppe“ © privat

München – Wenn Thomas Mohr an dem Besprechungstisch seiner Münchner Anwaltskanzlei von seiner Rom-Reise erzählt, dann fasst er erst einmal die Daten zusammen: Am 20. Februar ist er in Südtirol aufgebrochen, um zu Fuß nach Rom zu wandern und am 11. April den Papst auf dem Petersplatz zu treffen. Die Idee dazu hatte sein Jugendfreund Walter Mair, der auf dem „Kaserhof“ in Oberbozen Lamas züchtet. Thomas Mohr ist zwar in Hamburg zur Welt gekommen, vor 52 Jahren, aber in Südtirol aufgewachsen. Aus Jugendtagen kennt er auch Thomas Burger, der sich als Geschäftsführer eines holzverarbeitenden Unternehmens ein Sabbat-Jahr nahm. „Die beiden haben über Landkarten gesessen und fragten mich, ob ich die 1.070 Kilometer mitgehe. Da habe ich gesagt: Das schaffe ich ja nie!“ Widerspruch kam von Mohrs 13-jähriger Tochter, die meinte, dass die Reise der Gesundheit und Fitness ihres Papas guttun würde. Als dann auch noch ein Vertreter für die Kanzlei gefunden war, sprach fast nichts mehr dagegen: „Ich bin kein großer Berg-Geher. Aber dann haben wir in München die Ausrüstung gekauft.“

„Laufschuhe“ für die Lamas

Wetterfeste Kleidung allein genügt freilich nicht, um ein solches Projekt in die Tat umzusetzen. Ziel der drei Freunde war es, auch die innere Einkehr durch das Gehen zu suchen. Kein Wanderurlaub, sondern ein Pilgerweg sollte es sein, gibt Mohr zu, während seine Finger einen Kugelschreiber kneten. Ungewohnt war, dass sie selten für sich waren: „Wir wollten eigentlich einen ruhigen Weg gehen. Aber die Aufmerksamkeit, die wir erregten, hat uns überrascht. Überall, wo wir ankamen, war ein Bohei!“ Aber, so erzählt er lachend: „Wenn die Etappe schwieriger wurde, dann wurden auch die Leute weniger, die mit uns mitliefen.“

Ihre Route folgte der alten „Via Romea Germanica“, einem Pilgerweg des 13. Jahrhunderts von Stade nach Rom mit Tagesetappen zwischen 19 und 37 Kilometern. Leider sind inzwischen 60 Prozent der Wegstrecke asphaltiert – deshalb mussten auf halber Strecke den Lamas für ihre Pfoten „Laufschuhe“ angepasst werden.

Wo können wir abends schlafen?

Drei Männer und drei Lamas – wo können die abends schlafen? Anfangs, so erzählt Mohr, habe man noch einen Tag im Voraus einer Unterkunft kontaktiert – aber sobald man die Lamas am Telefon erwähnte, tauchten die Schwierigkeiten auf. Deshalb hat die Gruppe am Abend einfach an eine Tür geklopft – und immer ein Quartier gefunden. Oft war das in Klöstern – Mohr zählt eine ganze Reihe von Orten und Orden auf. „La Verna, wo Franziskus lebte, hat sich mir als mystischer Ort eingeprägt!“ Den Namen der Franziskanerin dort hat er nicht mehr im Kopf, aber „die hat mit großer Überzeugung gesprochen! Da überprüft man sein Leben, ob es mit der christlichen Botschaft in Übereinstimmung zu bringen ist.“

Thomas Mohr denkt gerne an die Pilgerreise zurück.
Thomas Mohr denkt gerne an die Pilgerreise zurück. © privat

Mit Humor beschreibt er den kuriosen Einzug in der „Ewigen Stadt“, wo jeder Stadtpolizist den Verkehr für sie regelt, sie aber vor dem Sitz der Italienischen Regierung von einem „als Touristen verkleideten Beamten“ befragt werden, was sie denn so vorhätten … Via Telefon wurde dann geprüft, ob sie tatsächlich eine Einladung beim geschäftsführenden Ministerpräsidenten haben. Einfacher war es auf dem Petersplatz, wo die Gendarmen des Vatikans die Männer mit ihren Lamas in die erste Reihe der Wartenden führten. Auf Videos im Internet ist zu sehen, wie der Papst sie mit Handschlag begrüßt und ihre Geschenke annimmt – ein Scheitel-Käppchen und Socken aus Alpaka-Wolle. „Er hat sehr gelacht und sich gefreut! Und dann hat er gesagt: ,Pregate per me – betet für mich!‘“

Bitte des Papstes erfüllt

Mohr hat inzwischen den Stift aus der Hand gelegt, seine Hände sind ruhig. Ernst bestätigt er, dass er die Bitte des Papstes um ein Gebet erfüllt habe. Und dann setzt er an, seinen eigentlichen Beweggrund zu diesem Pilgerweg zu erzählen. „Ich weiß nicht, ob Sie das schreiben wollen … Aber ich hatte vor drei Jahren eine Krebs-Diagnose. Ich wollte danke sagen für mein Leben – mir ist es fantastisch gut gegangen. Und unterwegs auf dem Pilgerweg haben mir viele Leute ihre Nöte erzählt und mich gebeten, beim Papst für sie zu beten. Das habe ich mir alles notiert. Das geht einem sehr nahe, wenn wildfremde Leute einen für befähigt halten, diese Bitten mitzunehmen. Und dann habe ich auch dafür gebetet, dass wir unbeschadet nach Hause kommen.“

Es ist alles gelungen: Die drei Männer und ihre Lamas sind gesund zurückgekommen. „Aktuell habe ich keine Krebs-Diagnose. Die körperliche Bewegung und die Gebete haben offensichtlich gutgetan“, fasst er seine Reise zusammen. Und wann denkt er an seinen Pilgerweg zurück? „Wenn ich am Schreibtisch sitze und mir wieder die üblichen Verdächtigen die Laune verderben.“ (Annette Krauß)

Buchtipps

Pilgerten die Menschen in früheren Zeiten fast ausschließlich aus religiösen Motiven, so wird heute auch gepilgert, ohne einer bestimmten Religion anzugehören: einfach, um den Alltagsstress zu vergessen und den Kopf freizubekommen. Und trotzdem: Egal, ob man sich nur eine Auszeit gönnen möchte oder einen Schicksalsschlag verarbeiten will – der Pilgerweg bleibt immer auch ein spiritueller Weg. Bücher zu dem Thema finden Sie hier im Onlineshop des Sankt Michaelsbundes.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Pilgern: Der Weg ist das Ziel

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