Gegen Zerstörung im Krieg Dreifaltigkeitskirche dank Münchens erster Bürgerinitiative

21.05.2021

Um München im Spanischen Erbfolgekrieg vor Plünderung zu schützen, gelobten die Münchner den Bau einer Kirche zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit - initiiert von einer Vision der Mystikerin Anna Lindmayr.

Außenansicht Dreifaltigkeitskirche München
Adel, Geistlichkeit und Bürger halfen zusammen, um die Votivkirche zu erbauen. © IMAGO / imagebroker

München – Es war eine Karmeliten-Terziarin, die die erste Bürgerinitiative in der Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt organisierte: Maria Anna Lindmayr (1657 – 1726), eine Münchner Bürgerstochter, geboren im Tal. Als bekannteste Barockmystikerin Altbayerns hatte sie in einer Vision erfahren, dass die bayerische Residenzstadt während des spanischen Erbfolgekriegs nicht von marodierenden Truppen geplündert und gebrandschatzt werde, vorausgesetzt, dass die drei Stände – Adel, Geistlichkeit und Bürger – gelobten, eine Kirche zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zu errichten.

Entscheidende Schlacht

Das fromme Gelöbnis erfolgte im Juli 1704 in der Liebfrauenkirche vor dem ausgesetzten Allerheiligsten. Denn es war bekannt, dass Armeen aus Österreich und England, dessen König William III. im Spanischen Erbfolgekrieg (1701 – 1714) mit Kaiser Leopold I. verbündet war, sich auf dem Weg nach München befanden. Am 13. August 1704 trat der bayerische Kurfürst Max II. Emanuel mit einer rasch zusammengestellten Streitmacht den Engländern entgegen. Zwischen Höchstädt und Blindheim – heute Teil von Donauwörth – traf man aufeinander. Die Bayern wurden vernichtend geschlagen.

Die Engländer hatten ihre Bündnispflicht erfüllt und kehrten als Sieger in ihre Heimat zurück. Der Kurfürst rettete sich nach Brüssel. Über ihn wurde die Reichsacht verhängt, weil er sich mit dem Feind des Kaisers, König Ludwig XIV. von Frankreich, verbündet hatte. Zehn Jahre später, nach dem Frieden von Rastatt (1714), wurde der Kurfürst aus der Reichsacht wieder entlassen. Er konnte in seine Residenzstadt zurückkehren. Der österreichische Statthalter legte sein Amt nieder. Der Kaiser verzichtete auf die Einverleibung Bayerns in die Donau-Monarchie.

Zu Ehre der Allerheiligsten Dreifaltigkeit

Nicht nur, dass München verschont blieb, auch Bayern, seit seinen Stammesherzögen des 7. Jahrhunderts selbstständig, blieb unabhängig dank der Bürgerinitiative und des Gelöbnisses der Münchner. Sprichwörtlich wurde der Satz: „Die Stadt läg in dem Grund, wan diese Kirch nit stund …“ In all den Jahren war so mancher Widerstand zu überwinden. Schlussendlich wurde aber mit dem Kirchbau begonnen. Maria Anna stiftete ihr Elternhaus. Nun konnte der Bau beginnen. Ganz einfach war das nicht, es gelang am Ende aber doch.

Die im italienischen Barock gehaltene Kirche wurde von dem berühmten italienischen Barock-Baumeister Giovanni Antonio Viscardi errichtetet, die Malereien im Inneren des Gotteshauses stammen unter anderem von Cosmas Damian Asam, der hier sein frühestes großes Werk in München schuf. Als Zeichen seiner Dankbarkeit für die Treue der Münchner in schwerer Zeit stiftete Kurfürst Max II. Emanuel den Hochaltar. Die Künstler Andreas Wolff und Johann Degler malten nach Angaben „der Lindmayrin“ das Altarbild. Es veranschaulicht die Dreifaltigkeit, verständlich für Menschen aller Kulturen. Am 29. Mai 1718 konnte der Fürstbischof Ecker von Kapfing die Altarweihe zu Ehre der Allerheiligsten Dreifaltigkeit vollziehen. Die Kirche liegt im Herzen von München, ein wahres Schmuckstück in der Pacellistraße Nr. 6.

Priorin und Mystikerin

Mit der Dreifaltigkeitskirche verbunden wurde ein Klosteranbau errichtet und an einen neugegründeten Konvent der Karmelitinnen übertragen. Damit ging Lindmayrs lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Sie wurde als Novizin in diesen Konvent aufgenommen. Auch ihre Schwester, Karmelitin in Prag, wurde in diesen Konvent berufen. Später diente „Maria Anna a Jesu Lindmayr“ als Priorin und als Novizenmeisterin – eine tatkräftige Frau und begnadete Mystikerin. Sie starb im Ruf der Heiligkeit am 6. Dezember 1726. Nach ihrem Tod eröffnete der Fürstbischof einen kirchlichen Prozess zur Seligsprechung der Karmeliten-Terziarin, deren großes Vorbild Teresa von Ávila war.

Der rechte Seitenaltar der Dreifaltigkeitskirche ist der Gründerin ihres Ordens geweiht. Eine Reliquie der großen Teresa ist in ihm verborgen. Über der Hauptfassade des Gotteshauses ist das Gelöbnis der drei Stände festgehalten, markiert mit herausgehobenen lateinischen Zahlbuchstaben, die das Jahr der Entstehung verkünden. Dazu befindet sich auch eine Skulptur des Erzengels Michael mit seinem goldenen Schwert über dem Portal. Er zeigt auf das trinitarische Auge und will symbolisch vermitteln, dass der Bote Gottes selbst die Stadt beschützt habe. (Hubertus Dessloch/flo)


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