Gottesdienst der Nationen "Du bist ein Ton in Gottes Melodie"

20.09.2019

Der Chor der ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinde bereitet sich auf den „Gottesdienst der Nationen“ vor.

Der Chor der ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinde
Der Chor der ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinde © Zakopets

München – Die im Münchner Stadtteil Untergiesing an der Schönstraße gelegene Kirche, ein weißer Quaderbau, fällt von außen auf den ersten Blick nicht besonders auf. Wer genauer hinschaut, kann die von einem Kreuz gekrönte Kuppel auf dem Dach entdecken. Die zwei runden Bronzereliefs der Heiligen auf der Fassade machen neugierig, was sich hinter dem schlichten Äußeren verbirgt. Sie stellen Waldimir und Olga, die Begründer des Christentums in der Ukraine, dar. Dorthin fühlt man sich versetzt, wenn man durch den Vorraum das prunkvolle Innere der Kirche betritt: An den Wänden großformatige Ikonen und ein Altarraum mit Ikonostase und goldenen Mosaiken.

Märtyrer Petro Werhun wird verehrt

Die Pfarrei Maria Schutz und St. Andreas gehört zur Ukrainisch Griechisch-Katholischen Kirche. Sie ist die Kathedrale des Apostolischen Exarchats, das Bistum in der ukrainischen Diaspora für Deutschland und Skandinavien. „Die Anfänge der Pfarrei sind verbunden mit dem Märtyrer Petro Werhun, den wir in unserer Kirche sehr verehren“, erläutert Pfarrer Wolodymyr Viitovitch. 1927 begann mit Werhun als Seelsorger in Berlin die Geschichte der griechisch-katholischen Ukrainer in Deutschland. Ab 1939 stieg die Zahl der ukrainischen Zwangsarbeiter in Deutschland auf 1,5 Millionen, sodass Papst Pius XII. ein Jahr später die Apostolische Administratur für die katholischen Ukrainer in Deutschland mit Werhun als Apostolischen Visitator und Administrator errichtete. Dadurch konnte er die Seelsorge in Deutschland besser organisieren und gründete viele Pfarreien, zu der auch die in München gehörte. Da er die Gottesmutter Maria ganz besonders verehrte, weihte er ihr 1943 am Fest „Maria Schutz“ alle Pfarreien. 1945 wurde er von den Sowjets verhaftet und in die UdSSR deportiert, wo er 1957 starb. 2001 wurde er von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Gemeindezentrum ist zentraler Treffpunkt

1959 wurde die Apostolische Exarchie Deutschland in München errichtet, die 1984 auf die Länder Skandinaviens erweitert wurde. Der aktuelle Bischof mit Sitz in Bogenhausen ist Petro Kryk. Die Kathedrale wurde 1976 nach den Plänen von Erwin Schleich, der sich beim Wiederaufbau Münchens einen Namen gemacht hatte, gebaut. In den Jahrzehnten davor hatten die Gläubigen keine eigene Kirche, sondern waren in verschiedenen Pfarreien in München zu Gast. Heute gehören zu der Pfarrei rund 3.000 Gläubige. „An einem durchschnittlichen Sonntag kommen bis 200 Menschen in den Gottesdienst. Viele davon aus dem Großraum München und Umgebung“, erklärt der Pfarrer. Deshalb seien das Gemeindezentrum als Treffpunkt und die Küche von immenser Bedeutung, um die Familien, die von Weitem kommen, zu verköstigen. Da gibt es dann beispielsweise Borschtsch und Warenyky, also ukrainische Teigtaschen. Lesya Shramko kommt nicht nur wegen der traditionellen Gerichte, sondern um sich über die Politik in der Ukraine zu unterhalten, und um zu unterstützen, wenn Neuankömmlinge „Hilfe im Alltag, bei Versicherungsfragen oder bei der Wohnungssuche“ benötigten. Seit 2001 ist sie in München – damals trat sie sofort in den Chor ein, denn Singen ist für sie „lebenswichtig“.

International gestalteter Gottesdienst

Dieses Jahr tritt der Kirchenchor, der 34 Mitglieder von 18 bis 70 Jahren zählt, zum ersten Mal beim „Gottesdienst der Nationen“ im Münchner Dom auf. Diesen gestalten traditionell Gläubige aus den muttersprachigen Gemeinden der Erzdiözese München. Heuer werden die Lesungen auf Französisch und Chaldäisch und die Fürbitten auf Deutsch, Tschechisch, Englisch, Ungarisch und Vietnamesisch zu hören sein. Der Chor der ukrainisch griechisch-katholischen Pfarrei Maria Schutz und St. Andreas wird zwischen den Lesungen, zur Gabenbereitung und während der Kommunion singen, etwa „Ich bete an die Macht der Liebe“ des ukrainischen Komponisten Dmitri Bortnjanski. „Die zweite Strophe singen wir auf Deutsch als Geste der Zusammengehörigkeit“, erläutert Chorleiter Wasyl Zakopets. Desweitern sei ihm sehr wichtig, dass die Gesangsgruppe „die ukrainische Gemeinde präsentiere. Und das an einem so besonderen Ort wie dem Dom, der so bedeutend für die ganze Diözese ist.“

Gemeinsames Gebet ist „von großer Kraft und Wirkung“

Auch die Mitglieder des Chores sind stolz auf ihren Auftritt, Daria Simkiw, die von Kindesbeinen an mit großer Leidenschaft singt, möchte den anwesenden Gläubigen „unseren Gesang bekannt machen“. Mykola Frankewycz, der wie auch seine Vorrednerin als Kind ukrainischer Eltern, die als Zwangsarbeiter nach Deutschland kamen, hier geboren ist, ergänzt, dass „Singen unsere Art zu beten“ sei. Lesya Shramko hat schon deutsche und polnische Freunde über den „Gottesdienst der Nationen“ informiert, denn sie ist überzeugt, „das Gebet, das man zusammen spricht, ist von großer Kraft und Wirkung“.

Der östlichen Tradition Ausdruck verleihen

Das gemeinsame Beten mit anderen muttersprachigen Gemeinden wird in der Pfarrei Maria Schutz und St. Andreas regelmäßig praktiziert. Zum Beispiel bei der Stadtfronleichnamsprozession oder dem Bennofest, bei dem dieses Jahr nicht nur der Chor gesungen, sondern die Pfarrei einen eigenen Stand mit Basteleien für Kinder organisiert und betreut hat. Pfarrer Viitovitch, der als Student selber in einem Chor war, freut sich mit welcher „Liebe und Hingabe“ seine Sänger bei der Sache seien. Durch die Teilnahme am Gottesdienst würden sie ihm eine eigene Note geben, „der byzantinischen, östlichen Tradition Ausdruck verleihen“ und eine Kostprobe geben, „wie die ukrainische Seele durch die Musik fließt, wie Ukrainer Gott verstehen“. Chorleiter Zakopets nickt zustimmend und verweist auf das Motto seines Chores: „Du bist ein Ton in Gottes Melodie“. (Karola Braun)

Kardinal Reinhard Marx feiert am Sonntag, 22. September, um 17.30 Uhr den Gottesdienst der Nationen im Münchner Liebfrauendom. Im Anschluss findet ein Stehempfang im Karmelitersaal statt.


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