Interview mit Bettina Nickel "Du hast die Wahl!"

12.08.2013

Bettina Nickel ist die stellvertretende Leiterin des Katholischen Büros Bayern. Im Interview mit der Münchner Kirchenzeitung erklärt sie, warum es für Christen wichtig ist zu wählen.

Bettina Nickel, stellvertretende Leiterin Katholisches Büro Bayern (Bild: privat)

Außerdem: Warum die katholische Stimme Gewicht hat und warum wir das "Bündnis für Toleranz" immer noch brauchen.

MK: Frau Nickel, auf uns warten im Monat September zwei Wahlen. Aus katholischer Sicht: Wie wichtig ist das für unsere Kirche und uns Christen?

BN: Die Wahlen sind natürlich immer sehr wichtig, weil hierdurch auch die Politik bestimmt wird. Es geht um die neue Zusammensetzung von Parlament und Regierung, die unser Leben als Christinnen und Christen wie als Bürgerinnen und Bürger entscheidend bestimmt.

MK: Mit Blick auf die beiden anstehenden Wahlen hat das Bayerische Bündnis für Toleranz, das auch die katholische Kirche als Partner unterstützt, eine Kampagne gestartet: „Du hast die Wahl!“ heißt es da, und wir werden aufgefordert, unsere Stimme abzugeben. Warum ist es denn aus der christlichen Perspektive wichtig, zu wählen?

BN: Ganz einfach: Die Wahl ist unsere Gelegenheit, in der Gesellschaft zu wirken. Wir können unsere Stimme abgeben und bestimmen damit die Politik der nächsten vier oder fünf Jahre. Damit bewirkt man neben dem privaten ehrenamtlichen Engagement viel und tatsächlich ist es so: Wir brauchen ein christliches Engagement auch fürs Wählen. Zudem ist klar: Wenn die Gruppe der Nichtwähler immer größer wird, dann ist auch die Gefahr größer, dass Minderheiten über die Mehrheit bestimmen.

MK: Gut, das ist ja auch Thema des Bündnisses für Toleranz. Immerhin ist ja einer der Slogans auch „bunt statt braun“. Brauchen wir aber das wirklich noch? Mit Blick auf die Umfragewerte könnte man meinen, extremistische Parteien haben doch eh keine Chance, zumindest bei uns in Bayern. Warum ist es trotzdem wichtig?

BN: Aus zwei Gründen: Der eine Punkt ist grundsätzlicher Art. Wir wollen das Bewusstsein für die Bedeutung von Wahlen und die Gefahr rechtsextremistischer Strömungen schärfen. Zweitens engagieren wir uns aus konkreten Anlässen heraus, mit Blick auf einzelne Wahlergebnisse wie auch die Wahlbeteiligung. Immer wieder haben es in der Vergangenheit extremistische Parteien geschafft, in Landtage zu kommen, auch auf kommunaler Ebene waren sie schon häufiger vertreten, ganz zu schweigen von der europäischen, wo mit der Drei-Prozent-Klausel nur eine recht niedrige Hürde für den Einzug radikaler Splittergruppen in das Parlament besteht.

MK: Mal konkret: Was empfehlen Sie denn einem christlich engagierten Leser, der nun vor der Wahl steht? Was tun?

BN: Natürlich gibt es bei uns nicht nur eine Partei, die man aus christlicher Perspektive wählen kann; sondern es geht darum, dass man für sich seine Werte bedenkt und anhand der Parteiprogramme, der Ausrichtung prüft: Wo fühle ich mich am besten mit meiner christlichen Weltanschauung vertreten? Jede Partei hat ja auch christliche Elemente in ihrem Wahlprogramm, zumindest jede demokratische. Und da muss ich für mich selber eben Schwerpunkte setzen. Sehe ich die für mich eher im Bewahren der Schöpfung, in der sozialen Gerechtigkeit oder im Bereich des Schutzes von Ehe und Familie oder des Lebenschutzes? Entsprechend der Schwerpunkte, die ich aus meiner christlichen Gesinnung heraus entwickle, kann ich auch meine Wahlentscheidung treffen.

MK: Hand aufs Herz: Ist die katholische Stimme überhaupt noch wichtig?

BN: Die Stimme der Kirchen in Bayern ist nach wie vor sehr wichtig. Einerseits weil unser Land nach wie vor christlich geprägt ist. Dem Ergebnis der Volkszählung zufolge beträgt der Anteil der Christinnen und Christen an der bayerischen Bevölkerung ca. 75 Prozent und davon sind über zwei Drittel katholisch. Zudem treten wir als christliche Mehrheit nicht nur für unsere Interessen, sondern für die Interessen von Menschen allgemein ein: von Flüchtlingen, gleich welcher Religion sie angehören, etwa, indem wir immer wieder genau hinschauen, wie mit Menschen auf der Flucht umgegangen wird, und indem wir immer wieder auf humanitäre Standards pochen. Das ist ein zutiefst christliches Anliegen. Diese Menschen brauchen eine Unterstützung – woher soll die kommen, wenn nicht aus unseren Reihen?

MK: Blicken wir voraus auf den Ende des Wahltags. Wann ist für Sie die Wahl eine erfolgreiche gewesen?

BN: Eine gute Wahl ist eine Wahl, an der die Mehrheit der Wahlberechtigen teilgenommen hat, wenn wir also eine hohe Wahlbeteiligung hatten und wenn keine extremistischen Parteien in die Parlamente eingezogen sind.

Interview: Anian Christoph Wimmer

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