Marienverehrung "Du Königin des Friedens"

05.12.2018

Die Kirche hat ihr Bild über die Gottesmutter immer wieder erweitert. In der Lauretanischen Litanei lässt sich die Entwicklung besonders gut nachvollziehen.

Das sog. Lukasbild kam 1440 in den Freisinger Mariendom © Diözesanmuseum Freising

Bertram Stubenrauch ist nicht nur Dogmatiker. Der katholische Theologe lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München auch Ökumenische Theologie. Wenn er über die Gottesmutter spricht, darf der Hinweis auf Martin Luther nicht fehlen. Der Reformator habe Maria verehrt und eine schöne Auslegung über das Magnifikat, den Lobgesang Marias im Lukasevangelium, geschrieben, erklärt der Theologieprofessor. In der reformatorischen Logik sei Maria Vorbild im Glauben. Es gebe in der Marienverehrung also durchaus ökumenische Brücken. Aus Sicht der Mariologie, der katholischen Lehre von Maria, greife diese Auffassung allerdings zu kurz. Katholiken erfassten die Bedeutung Marias nicht nur mit dem Verstand.

Lieblingsgebet der Pilger

Katholische Marienfrömmigkeit sei vor allem „eine Mentalitätssache, eine Gefühlssache, eine Sache des religiösen Selbstausdrucks“, meint Stubenrauch. Und diese marianische Befindlichkeit komme in der sogenannten „Lauretanischen Litanei“ besonders gut zum Vorschein. Dieses Gebet mit Anrufungen der Muttergottes ist im Wesentlichen ab der Mitte des 16. Jahrhunderts im italienischen Wallfahrtsort Loreto bezeugt, wo die Litanei zum Lieblingsgebet der Pilger wird. Sie beginnt mit den biblischen Grundaussagen über Maria, die Maria als „Mutter Gottes“, „Mutter Christi“ oder „Mutter der Kirche“ bezeichnen.

Mächtige Fürsprecherin im Himmel

Die folgenden Anrufungsformen appellierten dann vor allem an das Herz des Beters. Als Beispiel dafür greift Stubenrauch die Symbolanrufungen heraus. Diese stammten aus der Frömmigkeit Israels, aus den alttestamentlichen Anrufungen. Die Anrufung „Du starker Turm Davids“ etwa sei der Verweis auf die Burg Zion, die für gläubige Juden ein Ausrufezeichen für die Behauptung ihres Glaubens darstellt. Fast schon poetisch ist die Anrufung „Du goldenes Haus“. Der Inhalt des Hauses sei Jesus. Was Maria also anbietet, sei mehr wert als viel Gold: „Es ist der Erlöser der Menschheit.“ Nach einer eher biblischen Meditation können sich die Beter dann an Maria in ihrer wohl wichtigsten Funktion als mächtige Fürsprecherin bei Gott wenden. Dabei finden sich in der Litanei auch Anrufe mit konkretem historischem Bezug wie „Du Hilfe der Christen“. Papst Pius V. lässt die Anrufung 1571 in die Litanei anfügen in Erinnerung an die Schlacht von Lepanto, bei der die Türken besiegt wurden.

Rosenkranz-Königin

Von den Nöten unseres Lebens baut die Litanei dann einen Spannungsbogen auf und blickt auf das Ende der Zeiten. „Du Königin der Engel“ wird Maria in Anspielung an die himmlische Herrlichkeit genannt. Hier kommt Stubenrauch zufolge der Osterglaube der Kirche voll zum Ausdruck, „dass Maria mit Jesus lebt, dass sie der Mensch ist, der Jesus am nächsten steht und deswegen auch verehrt und angerufen werden darf“. Auch bei den Anrufungen als Königin wird die Litanei von Päpsten erweitert. Papst Benedikt XV. fügt vor gut hundert Jahren unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges das Attribut „Du Königin des Friedens“ ein. Oder Leo XIII., besser bekannt als Rosenkranz-Papst, ordnet an, „Du Königin vom heiligen Rosenkranz“ als Anrufung aufzunehmen.

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Wieso Maria so viele Eigenschaften besitzt

Münchner Kirchenradio

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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