Die Familie Hochhäusler in Südafrika Durchhaltemomente im Leben

08.01.2019

Im Leben läuft nicht alles so, wie man sich das wünscht. Durchhaltemomente gibt es immer wieder. Auch bei der Familie Hochhäusler, die als Missionsfamilie in Südafrika ist.

Die Kinder der Familie Hochhäusler erklimmen den Tafelberg.
Die Kinder der Familie Hochhäusler erklimmen den Tafelberg. © privat

Kapstadt - Vorgestern hatten wir eine junge südafrikanische Familie mit fünf Töchtern zu Gast. Wunderhübsche Mädchen, beide Eltern Akademiker. Am Abend wollten wir uns zur Eucharistiefeier treffen, die Mutter Lauren indes kam alleine mit den fünf Töchtern. Der Vater war in der Zwischenzeit wegen Drogenbesitzes verhaftet worden. Sie erzählte uns, dass das nicht das erste mal war, dass er dafür verhaftet wurde und dass sein Suchtproblem schon viele Jahre währt. Wie viele Durchhaltemomente diese Frau in ihrer Ehe hat und hatte kann man nur erahnen. Ihr Mann leidet unter einer manisch-depressiven Störung. Fakt ist, dass sie nicht geht, dass ihre Kinder wohlerzogen sind, eine gute Schule besuchen und einen Vater haben, der im übrigen äußerst liebenswürdig ist; er bringt den Töchtern das Gitarre spielen bei. Sie klammert sich an Christus, der ihr ermöglicht in dieses Kreuz einzutreten und nicht zu sterben, die ihr Leiden aufopfert für Christus, für den Nächsten, für Ihren Mann. Während Jonny – so heißt der Mann – verhaftet wurde, betete meine Frau Ursula– ohne davon zu wissen – den Rosenkranz, da Lauren ihr zuvor von der Drogensucht erzählt hatte. Meine Frau weiß - als ehemalige Suchtkrankenschwester - von der Schwierigkeit,von der Sucht geheilt zu werden. Vielleicht hilft ihm ja die Verhaftung, sich helfen zu lassen und eine Therapie zu machen. Alkohol- und Drogensucht ist ein riesiges Problem in Südafrika, viel davon hat ihre Wurzeln in der Apartheidszeit, wo Coloureds gezielt abhängig gemacht wurden um die Massen gefügig zu machen, ganz so wie das Stalin mit dem Vodka handhabte.

Aufstieg auf dem Tafelberg
Natürlich haben wir in der Zwischenzeit auch schon den Tafelberg bestiegen. Die Route, die wir wählten nennt sich „Indian Venster“ und ist eine mit Tritten und Ketten gesicherte Kraxelei in wunderschönem rotbraunen Granit. Den Abstieg wählten wir gemächlicher über den „Plattekloof Weg“ der im wesentlichen aus Granitstufen besteht. Auf diesem Weg hat sich nach dem ersten Drittel die Sohle von meinen Schuhen gelöst, so dass ich gezwungen war, den Rest barfüßig zu bestreiten, was im übrigen in Südafrika keine Seltenheit ist, sogar der Bergführer einer Gruppe die wir unterwegs trafen, war ohne Schuhe unterwegs. Jedenfalls gab es für mich nun auch einige Durchhaltemomente mich barfüßig auf dem kochend heißen Stein zu bewegen, bis wir gegen Ende der Route eine Quelle erreichten, welche nicht nur meine Füße kühlen, sondern auch unseren Durst löschen konnte.

Durchhaltemomente im Leben
Bei „Durchhalten“ denke ich spontan an meine Ehe, da gibt es immer mal wieder Durchhaltemomente, wo man denkt, das passt einfach nicht und man würde am liebsten alles hinwerfen. Doch dann – wenn man sich darauf einlässt – dreht einem „Abba“ - Papa, unser Vater im Himmel - wieder behutsam den Kopf zurecht und ich kann meine Frau wieder in einem anderen Licht sehen, oder sie mich. Als unsere Ehe in einer schweren Krise steckte, sagten unser Katechisten prophetisch, die Quelle wird wieder sprudeln. Und so war es. Aus Dankbarkeit für unsere 25 Jahre nunmehr gut 26 Jahre Ehe stellten wir uns für die Mission zur Verfügung welche uns jetzt nach Südafrika gebracht hat.Seit wir hier sind gibt es immer wieder Durchhaltemomente, wo es viel Geduld braucht, wenn die Dinge nicht so laufen wie man sich das vorstellt, wenn Behörden jeden Tag andere Auskünfte erteilen, wenn mal wieder nichts funktioniert. In diesen Momenten, wo man mit eigenen Kräften nichts ausrichtet, ist der beste Rat einfach auf das Gebet zu vertrauen, das Gebet, das die Kirche uns im Stundengebet schenkt, bietet dazu beispielsweise mannigfaltige Möglichkeiten.

Auch das Gebet erfordert „Durchhaltemomente“ aber dann kommen die Gebetserhörungen, die wir getrost Wunder nennen können. Vor einigen Wochen reiste ein Bruder unserer Gemeinschaft nach Loreto und fragte, ob wir ein Gebetsanliegen hätten. Es war gerade der Moment, wo hier etliche Familien festsaßen, weil die Visa einfach nicht bearbeitet wurden. So gab ich ihm dieses Anliegen mit auf den Weg und just an dem Tag, an dem er in der Basilika vom Heiligen Haus in Loreto betete, erhielten alle Familien noch am gleichen Tag ihre Visa und konnten ihre Flüge in die Heimat antreten. Es lohnt sich also in jedem Fall durchzuhalten, beharrlich zu sein, aber am Ende gilt immer, was im Psalm 127 zu lesen ist: „Wenn der Herr das Haus nicht baut, mühen sich die Bauleute vergeblich“. Das Durchhalten mit Christus ist jedoch nie eines mit zusammengebissenen Zähnen, sondern es ist der Weg der Nachfolge Christi, von welcher er sagt „Mein Joch ist leicht und meine Last ist sanft“ (Mt 11, 30). (Wolfgang Hochhäusler)


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