Kulturland Bayern Ehrenamtliche erhalten Architektur und Kunst

26.09.2018

Kirchen und Klöster prägen die Landschaft, sind Orte der Bildung und Begegnung. Dass dies auch so bleibt und diese Kulturschätze allen zugänglich sind, ist mit den vielen Ehrenamtlichen zu verdanken, die sich in den Kirchenverwaltungen engagieren.

Prächtige Anlagen wie die Benediktinerabtei Schäftlarn zeugen im Erzbistum von gelebtem Glauben, von Kultur und Bildung.
Prächtige Anlagen wie die Benediktinerabtei Schäftlarn zeugen im Erzbistum von gelebtem Glauben, von Kultur und Bildung. © imago/Peter Widmann

Bayern ist ein Kulturland, trotz zunehmender planloser Zersiedelung immer noch geprägt durch seine landschaftliche Schönheiten, durch Berge, Seen, Wälder, Wiesen. Reizvolle Dörfer, prächtige, durch reiche Geschichte ausgezeichnete Städte, einsame Weiler, behäbige Märkte bereichern die Landschaft und rhythmisieren sie. Fixpunkte dabei sind die zahllosen Kirchen. Bayern und damit natürlich unser Erzbistum ist eine der wichtigsten Kirchenlandschaften in Europa. Kirchen zentrieren Städte, sind Mittelpunkte von Dörfern, besetzen markante Landschaftspunkte, tauchen einsam in Wald und Wiese auf als Wegmarken, schmiegen sich an Seen, beleben Berge und Täler.

Die Kirchen erzählen von gelebtem Glauben, von Kultur und Bildung, von Wirtschaft und gesellschaftlichem Leben bis in die Frühzeit des Christentums. Da sind Petersberge und Michaelskirchen, die noch späte römische Zeit vermuten lassen. Da ist natürlich Freising, wo sich der Beginn unseres Bistums so eindrucksvoll erspüren und erschauen lässt. Da gibt es die mächtigen Klostergründungen wie Tegernsee und Schäftlarn, die in die frühe, benediktinisch geprägte Zeit der Kultivierung und Christianisierung unseres Landes verweisen. Mächtige Basiliken sind schon in der Gründungszeit die Zentren dieser Klöster.

Orte der Bildung und Begegnung

Die Klöster bringen nicht nur den Glauben ins Land und festigen ihn, sie sind auch Orte der Bildung und Wirtschaft, sind Ausgangspunkte für Siedlungstätigkeiten. Oftmals ist ihnen ein ganzer Kranz von Kirchen zugeordnet. Da gibt es die eindrucksvollen Zeugen einer zweiten Klostergründungswelle, geprägt durch den im Investiturstreit entstandenen Augustinerchorherrenorden wie das leider kürzlich durch einen Brand beschädigte Rottenbuch mit seiner in ihren riesigen Ausmaßen noch heute im Rokoko-Kleid ablesbaren romanischen Basilika. Oder Neustift bei Freising und die monumentale Anlage von Fürstenfeld, den Reformen der Prämonstratenser und Zisterzienser zuzuordnen. Da gibt es aber auch die großen hallenartigen Kirchen der späteren Bettelorden oder die Heilig-Geist-Spitalkirchen, ohne die Gesundheits- und Armenpflege in den Städten undenkbar ist.

Überhaupt: die prägenden Stadtkirchen, allen voran, die riesigen Hallenkirchen des Münchner Doms (bis 1817 Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau) oder St. Martin Landshut, die Zeichen eines aufstrebenden Bürgertums im späten Mittelalter sind. Oder die Kirchen, die ganze Epochen prägten, wie die im Zusammenhang mit Gegenreformation und katholischer Erneuerung stehenden Gründungsbauten der Jesuiten in München oder Landshut. Programmatisch waren diese Räume für die Reformen und liturgischen Vorgaben des Konzils von Trient, prägend für die gesamte folgende Epoche des Barock und Rokoko. Zahllose Kirchen entstanden zwischen 1670 und 1770, bedeutende, kleine, monumentale, höchste künstlerische Qualität ist zu finden, aber auch die oft merkwürdig-anrührenden Adaptionen dieser Vorbilder durch ländlich geprägte Meister. Ein Aufzählen sprengt jeden Rahmen.

Überraschendes entdecken

Aber es gibt die künstlerische Vollendung wie in den Kirchen von Neustift, Rott oder Berg am Laim. Es gibt die wahrhaft entrückte Übersteigerung wie in den Dorfkirchen des Erdinger Hinterlandes: Maria Thalheim, Eschlbach, Oppolding, Hörgersdorf. Es gibt die blühenden Wallfahrten: Birkenstein, Hohenpeißenberg, Ramersdorf und viele andere. Aber oftmals sind es die unbekannten, kleinen Kirchen, voller Überraschungen, die die Landschaft prägen und die von der Verwurzelung im Glaubensleben in unserem Land künden. Wer, außer den dort unmittelbar Ansässigen, kennt St. Alban oder eine der Kirchen, die Thal heißen, oder St. Koloman in der Lebenau, mitten im Wald, mit einem prächtigen barocken Altar in einer feinen gotischen Kapelle oder gar St. Leonhard am Buchat, einst Urpfarrei, in der sich die Kontinuität im Glauben von der Romanik bis heute wie kaum andernorts ablesen lässt.

Aber auch nach Aufklärung und Säkularisation – bis heute fortwirkend – brechen das kirchliche Leben und der Kirchenbau nicht ab. Gleich zu Beginn des 19. Jahrhunderts fördert Ludwig I. das kirchliche Leben wieder nach Kräften. Vier programmatische Bauten stehen dafür: St. Bonifaz, die Allerheiligenhofkirche, St. Ludwig und Mariahilf in der Au. Nachfolgend entwickelte sich ein reger Kirchenbau, um der explosionsartig wachsenden Bevölkerung Orte zu geben, an denen sie ihren Glauben leben konnte. Diese oftmals – gerade in München mit seinen Vorstädten – riesigen Kirchen werden heute im Unterhalt zum Problem.

Intensive Bauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Die intensivste Zeit des Kirchenbaus in der Geschichte unserer Erzdiözese war aber die jüngste Vergangenheit: Nach der verheerenden NS-Zeit und dem zerstörerischen Krieg erneuert sich das kirchliche Leben im Zweiten Vatikanum und setzt frühe Akzente eines inneren, geistig-kulturellen Wiederaufbaus. Paradigmatisch steht dafür der Eucharistische Weltkongress (1960) als erste, wieder frohe und offene Großveranstaltung auf deutschem Boden nach dem Krieg überhaupt. Nachfolgend entstanden gerade in den Städten zahllose neue Kirchen, allein in München über 70, die den neuen Geist und den Wiederaufbau markieren.

Heute ist es schwieriger geworden. Wir haben scheinbar zu viele und auch zu große Kirchen. Wir haben alle Hände voll zu tun, den unsere Kultur sichtbar definierenden Perlenkranz aus all den unterschiedlichen Kirchenbauten je zu Zeiten zu erhalten. Sie offen zu halten ist dabei der erste, wesentliche Schritt. Man kann sie dann besuchen, vielleicht auch mit der touristischen Brille im Blick auf die künstlerisch-architektonisch-historische Bedeutung. Man kann sie aber vor allem nutzen zur Begegnung mit Gott in Liturgien, aber auch im einsamen Gebet, sie in Wert setzen, sichtbar machen, dass unsere Kirchen in besonderer Weise Orte der Gegenwart Gottes sind.

Die Substanz können nur Menschen erhalten

Der Erhalt und die Pflege dieser Kirchenbauten, der alten wie der neuen, sind freilich nicht selbstverständlich. Zwar gibt es das Bayerische Denkmalschutzgesetz, es gibt Behörden, die darauf achten, dass die Substanz erhalten bleibt, etwa das Landesamt für Denkmalpflege oder auch die Fachreferate des Erzbischöflichen Ordinariates. Aber: Der eigentliche Anteil an Pflege und Erhaltung unserer Kirchen ist ehrenamtlicher Natur. Was wären unsere Kirchen ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Kirchenpflegern und Kirchenverwaltungsmitgliedern und ohne den nicht zählbaren Einsatz von Freiwilligen in unseren Pfarreien? Ohne die Existenz unserer engagierten Kirchenpfleger wäre der Erhalt unserer Sakraltopographie nicht möglich.

Vor diesem Hintergrund ist zu hoffen, dass es auch nach der kommenden Kirchenverwaltungswahl genügend Ehrenamtliche und Kirchenpfleger gibt, die bereit sind, ihren unverzichtbaren Beitrag zu leisten, dass unsere von dieser Vielzahl von Sakralbauten geprägte Kulturlandschaft erhalten bleibt – im Kern und im Wesen wenigstens. Denn um die Substanz zu erhalten, helfen Behörden und Ämter nur, wenn damit die materielle Substanz gemeint ist. Die eigentliche, wesentliche, unsere Kirchen ausmachende, geistige, immaterielle Substanz kann nur durch die Menschen erhalten werden. (Norbert Jocher/Hans Rohrmann)

Die Kirchenverwaltungen werden im Erzbistum am Sonntag, 18. November, neu gewählt. Hier finden Sie mehr Infos zur Wahl.

Video

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Wahl der Kirchenverwaltungen

Das könnte Sie auch interessieren

© Riffert

Schöpfungsfreundliches Pfarrfest in Seebruck Vorbildlich nachhaltig

In Seebruck wird beim Pfarrfest schon lange kein Plastikbesteck mehr verwendet. Und auch sonst ist in der Pfarrei vieles vorbildlich nachhaltig – dank der guten Zusammenarbeit von Kirchenverwaltung...

24.10.2018

© Bestand des Archivs des Erzbistums/Foto: Kiderle

Die Geschichte der Kirchenverwaltung Unter mindestens vier Augen

Schon seit mehr als 500 Jahren entscheiden auch Laien über kirchliche Mittel. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie die heutigen Kirchenverwaltungen entstanden sind.

19.10.2018

Generalvikar Peter Beer
© EOM

Engagement zum Wohl aller Generalvikar Beer über die Kirchenverwaltung

Meist wirken sie "hinter den Kulissen". Generalvikar Peter Beer erklärt, warum die Arbeit der Kirchenverwaltungen jedoch unerlässlich für ein aktives Pfarreileben ist, und wieviel Verantwortung...

19.10.2018

Dass die Kinder sich wohl fühlen, liegt Kita-Leiterin Irmgard Wingen und Erwin Hanger am Herzen.
© Kiderle

Kompetenter Netzwerker Ein Tag mit Kirchenpfleger Erwin Hanger

Von millionenschweren Bauprojekten bis zur Bescheinigung der Verkehrssicherheit der Rösser bei der Leonhardifahrt: Kirchenpfleger Erwin Hanger aus Bad Feilnbach meistert in seinem Ehrenamt die...

11.10.2018

Kardinal Reinhard Marx mit dem Kreuzpartikel, der wichtigsten Reliquie der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf
© Kiderle

Maria Ramersdorf Das Kirchenjuwel leuchtet wieder

Man kommt aus dem Staunen nur schwer heraus: Kardinal Marx hat den neuen Altar der restaurierten Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf in München geweiht.

17.08.2018

Fassade des Kardinal-Döpfner-Hauses am Freisinger Domberg.
© SMB

Neugestaltung Freisinger Domberg wird Deutschlands größte kirchliche Baustelle

Das Erzbistum München und Freising beginnt mit der Neugestaltung des Freisinger Dombergs. Nun wurden die Projekte und die Baulogistik vorgestellt.

12.06.2018

Die neue Kirche "Seliger Rupert Mayer" in Poing
© Kiderle

Neue Pfarrkirche in Poing Eine Kirche wie eine "Sprungschanze"

Am 10. Juni wird die neue Pfarrkirche „Seliger Rupert Mayer“ in Poing geweiht. Wir stellen Ihnen das neue Gotteshaus vor.

05.06.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren