Veranstaltungsreihe: „Kreuz vor der Wahl" Eigenheim für alle?

26.07.2018

Katholische Einrichtungen organisieren eine Gesprächs-Reihe mit Landtagskandidaten und Fachexperten. Diesmal in Puchheim im Landkreis Fürstenfeldbruck zum Thema „Wohnungsnot“.

Thema der Veranstaltung: Wohnungsnot.
Thema der Veranstaltung: Wohnungsnot. © psdesign1 - stock.adobe.com

Puchheim – Eine 60 Quadratmeter große Wohnung kann man für knapp 14 Euro pro Quadratmeter mieten, eine kleines Reihenhäuschen Kaufen kostet um die 800.000 Euro – Puchheim hat Preise wie München. Und das ist im ganzen Landkreis Fürstenfeldbruck (FFB) ähnlich. Schließlich liegt man im Speckgürtel Münchens und dafür muss man bezahlen. Genau das ist aber längst nicht mehr nur für schlechter Verdienenden unmöglich.
Laura Stieber kommt aus Puchheim und ist Geschäftsführerin einer großen Grundbesitzverwaltungsgesellschaft. Sie kennt die Situation in München und im Landkreis Fürstenfeldbruck nur zu gut. Zu einer Wohnungsbesichtigung kämen heute oft 200 Menschen, auf ihrem Schreibtisch stapelten sich die Bewerbungsmappen.Lange schon seien es nicht mehr nur die „Schlechterverdiener“ – selbst die, die viel Geld hätten, fänden keine Wohnung mehr.
Als eine von drei Experten diskutierte Stieber bei der Veranstaltungsreihe „Das Kreuz vor der Wahl“ mit.

Einfacheres Baurecht

Das Katholische Medienhaus Sankt Michaelsbund (SMB), die katholische Erwachsenenbildung mit dem Brucker Forum und die Stiftung Bildungszentrum Freising hatten diesmal zum Thema „Wohnungsnot“ eingeladen. Unter der Moderation von Susanne Hornberger, Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung, diskutierten sieben Direktkandidaten des Wahlkreises Fürstenfeldbruck-Ost. Benjamin Miskowitsch (CSU) plädierte für ein einfacheres Baurecht und sagte, man müsse neue Ideen zulassen. Nachverdichtung sei hierbei eine große Chance. Einen Punkt, den Martin Runge von den Grünen so nicht unterschreiben möchte. Er sieht die große Ausweisung als Gewerbefläche als Problem an und möchte definitiv, dass sich am ehemaligen Fliegerhorst in FFB, einem Brennpunktthema aller Parteien, weniger Gewerbe ansiedelt.

Unter der Moderation von MK-Chefredakteurin Susanne Hornberger (Zweite von rechts) diskutierten (von links) in Puchheim Hausverwalterin Laura Stieber, der CSU-Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer und der SPD-Fraktionssprecher in Puchheim, Jean Marie L
Unter der Moderation von MK-Chefredakteurin Susanne Hornberger (Zweite von rechts) diskutierten (von links) in Puchheim Hausverwalterin Laura Stieber, der CSU-Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer und der SPD-Fraktionssprecher in Puchheim, Jean Marie Leone. © Kiderle

„Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen“, meint Professor Ingo Hahn von der AFD, der das erste Mal bei einer Runde in dieser Zusammenstellung dabei ist. Eigentumserwerb wolle er fördern und das Baukindergeld von 15.000 Euro sofort wiedereinführen. Eine Aussage, über die Jonathan Westermeier, der Direktkandidat der Linken, nur Schmunzeln kann. „Welcher jungen Familie sei bei den aktuellen Preisen mit 15.000 Euro geholfen?“ fragt er. Privatisierungen rückgängig machen, ist einer seiner Ansatzpunkte. Peter Falk (SPD) denkt in ganz ähnliche Richtung: Kommunaler Wohnungsbau und Genossenschaftswohnungen seien die Zukunft.

"Die Menschen wollen Eigenheime"

Hans Friedl, der Direktkandidat der Freien Wähler, ist Landwirt und Wohnungsbauunternehmer. Auch ihm gefallen die langen Wege bis zum Baubeginn nicht. Er plädiert für eine Befreiung von der Grunderwerbssteuer für die erste eigengenutzte Immobile.Ulrich Bode von der FDP stimmt ihm in einigen Punkten zu. Denn er ist ganz klar der Meinung: Eigenheimerwerb gehört gefördert, nach Möglichkeiten der Nachverdichtung müsse man dringend suchen.Viel geschimpft wird gegen die langen Wartezeiten auf eine Baugenehmigung. Es sei weder nervlich noch finanziell auszuhalten, dass man vom Grundstückserwerb bis zum Baubeginn 18 Monate warten müsse, kritisiert Expertin Stieber.„Die Menschen wollen Eigenheime“, sagt auch der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und CSU-Landtagsabgeordnete, Joachim Unterländer. Er räumt ein, dass Mietpreisbegrenzungsinstrumente noch nicht genügend gegriffen hätten und passgenauer gemacht werden müssten.

Die nächste Veranstaltung der Reihe findet zum Thema „Herausforderungen für den Landtag“ am Donnerstag, 20. September um 18 Uhr in der Jugendkirche in München in der Preysingstraße 85 (Nähe Max-Weber-Platz) statt. Nähere Informationen finden Sie hier.


Das gesamte Podium des Abends in Puchheim
Das gesamte Podium des Abends in Puchheim © Kiderle

„Die Mietpreisbremse ist gescheitert“, hält Jean Marie Leone entgegen. Der Fraktionsvorsitzende der SPD in Puchheim ist ebenfalls als Experte dabei. Die Forderung, den Eigentumserwerb zu fördern, gehe an der Wirklichkeit vorbei. Ein Student, der nach München komme oder eine junge Grundschullehrerin, die vielleicht im kommenden Jahr schon in einen ganz anderen Regierungsbezirk versetzt werde, habe kein Interesse eine Immobilie zu erwerben – aus völlig nachvollziehbaren Gründen, sagt er. Welche Schritte man auch unternimmt, um die Wohnungsnot einzudämmen – es ist ein langer Weg mit vielen Maßnahmen, die nicht von einem Tag auf den anderen greifen werden – da waren sich alle Beteiligten der Podiumsdiskussion einig. Aber ein Weg, den man besser heute als morgen einschlägt.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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