Afrika-Mission Ein anderes Gefühl für Ästhetik

11.08.2018

Seit sieben Jahren lebt und arbeitet Pfarrer Thomas Brei in Tansania. Welche bayerischen Kirchenbräuche er in Afrika ganz besonders vermisst, berichtet der Missionar hier:

An Fronleichnam tanzen die Gläubigen vor dem Allerheiligsten.
An Fronleichnam tanzen die Gläubigen vor dem Allerheiligsten. © privat

Seit genau sieben Jahren lebe und arbeite ich nun als Missions-Priester und -Arzt in dem ost-afrikanischen Land Tansania – bis zum Ende des ersten Weltkrieges „Deutsch-Ostafrika“ oder die deutsche Kolonie Tanganjika genannt. Der große, sehr tiefe und 600 Kilo-eter lange Tanganjikasee markiert heute die Grenze zur Demokratischen Republik Kongo im Westen. Die Vereinigte Republik Tansania (ein Kunstwort zusammengesetzt aus den Bestandteilen Tanganjika für den Festlandsteil und dem Namen der vorgelagerten Inselgruppe, dem vormaligen Sultanat Sansibar) ist das Land, in dem der schneebedeckte Gipfel des Kilimandscharo liegt und der Serengeti-Nationalpark, die wohl bekanntesten Tourismus-Attraktionen Afrikas südlich der Sahara.
Im Süden des Landes führt sich die noch sehr kurze örtliche Geschichte der katholischen Kirche in diesem Teil der Welt auf die Aktivitäten der Missionsbenediktiner von St. Ottilien zurück; die wichtigsten katholischen Zentren deutscher Prägung sind dort die Abteien in Peramiho und in Ndanda. Im Wortschatz der Landessprache Kiswahili hat sich die deutsche Kolonialgeschichte bis 1918 mit „shule“ für Schule, „mashine“ für Maschine und „sekunde“ für Sekunde verewigt. Mein eigener Wohnsitz und Arbeitsplatz ist aber ganz im Nordwesten des Landes, am Victoriasee und am Rande der Serengeti.

Spaziergänge im Dunkeln sind ein No-Go

Was ich hier in Afrika am meisten vermisse im Vergleich zu meinem 40-jährigen Leben unter bayerischem Himmel zuvor? Das Erste ist die abendliche und nächtliche Bewegungsfreiheit. –Zu Hause in Wasserburg am Inn genauso wie in meinen Jahren in München, Mammendorf und Velden bin ich immer, wenn es etwas zu bedenken gab und in Zeiten großer Aufregung und Unruhe, wie zum Beispiel vor Prüfungen, weit spazieren gegangen: am Inn entlang, durch die Wälder und Auen der schönen Umgebung, durch die Straßen der Altstadt und der Wohnviertel – ob im Wald oder in der Stadt, überall erschien mir das sicher und war überhaupt nicht mit Angst besetzt. Hier in Tansania ist es ein No-Go, ob in der Stadt, in Wohnvierteln oder im Busch – wenn es dunkel wird, hat man drinnen zu bleiben! Sei es wegen der weit verbreiteten Armuts-Kriminalität, die in der Dunkelheit aus ihren Verstecken gekrochen kommt, oder wegen der Schlangen oder anderer gefährlicher Tiere, denen man plötzlich gegenüberstehen kann. Diese Einschränkung steht weit vor der Tatsache, dass hier kein ordentlicher Schweinsbraten mit Knödel serviert werden kann.

Christmette im Schein von Neonröhren

Im kirchlichen Rahmen ist es für mich vorwiegend die Romantik der geprägten Zeiten des Kirchenjahres, wie sie mir aus der Heimat vertraut ist, die ich hier nicht oder nur sehr eingeschränkt wiederfinden kann: nicht so sehr, dass es keinen gescheiten Adventskranz oder Christbaum gibt, sondern dass die Menschen um mich so unterschiedlich fühlen, was Ästhetik und Romantik anbelangt. In der Christmette herrscht dasselbe heitere Spektakel wie in der Osternacht – nur, dass sich das an Weihnachten um eine Krippe herum gruppiert, während an Ostern eine Osterkerze in der Mitte steht. Als ich 2011, in meinem ersten tansanischen Jahr, eine Christmette bei Kerzenschein wollte, hatten mich die Schwestern der Heiligen Klara von Assisi, auf deren Gelände ich damals wohnte und auch heute wieder wohne, ganz verständnislos angeschaut, weil sie doch gerade für Weihnachten eine Barspende für Diesel-Treibstoff bekommen hatten, um den großen Strom-Generator anwerfen zu können: Für die Schwestern war es selbstverständlich, dass die Christmette beim Schein der Neonröhren in einer hell erleuchteten Kirche stattfinden muss! Klar, den Charme von Engelämtern, duftenden Fichten und sanftem Kerzenlicht inmitten der langen Nächte der winterlichen Finsternis und Kälte kennen die Afrikaner am Äquator nicht – hier sind die Tage und Nächte immer gleich lang und immer mehr oder weniger heiß! (Thomas Brei)

Wer die Arbeit von Pfarrer Thomas Brei in Tansania unterstützen möchte, kann an missio München spenden, IBAN: DE 96 7509 0300 0800 0800 04, Projektnummer 154014-0405-2016-D für das St. Clare Hospital oder Projektnummer 53137-1048 für den Sozialfonds von Pfarrer Brei.


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