Beruf: Religionslehrerin Ein außergewöhnlich schöner Auftrag

15.10.2014

Katholischer Religionsunterricht bedeutet mehr als bloße Wertevermittlung. Er hält für die Schüler auch mehr bereit als die reine Aneignung von Wissen – er kann ein sichtbares Glaubenszeugnis sein und Orientierung schenken. Dass es Religionslehrer und Religionslehrerinnen gibt, die diesen Anspruch haben und im alltäglichen Schulbetrieb umsetzen, zeigen Menschen wie Stefanie Litzlfelder.

Stefanie Litzlfelder möchte Ansprechpartnerin für ihre Schüler sein, wie hier die Buben und Mädchen aus der Klasse 3a der Grundschule in Nußdorf. (Foto: Peter Schlecker)

Katholischer Religionsunterricht bedeutet mehr als bloße Wertevermittlung. Er hält für die Schüler auch mehr bereit als die reine Aneignung von Wissen – er kann ein sichtbares Glaubenszeugnis sein und Orientierung schenken. Dass es Religionslehrer und Religionslehrerinnen gibt, die diesen Anspruch haben und im alltäglichen Schulbetrieb umsetzen, zeigen Menschen wie Stefanie Litzlfelder.


An der Grundschule in Nussdorf am Inn im Landkreis Rosenheim unterrichtet Litzlfelder derzeit rund 100 Kinder, von der ersten bis zur vierten Klasse. Dabei hat sie eine konkrete Vorstellung davon, was sie ihren Schülern vermitteln will. „Ich möchte weitergeben, was ich selbst erfahren habe, nämlich dass der christliche Glaube heilsam ist und stark macht fürs Leben“, erklärt Litzlfelder. Tiefer verständlich wird dieses Ziel, wenn man erfährt, dass der Weg ins Studium der Religionspädagogik für sie die Antwort auf einen schweren Verlust war: Gerade als die gelernte Industriekauffrau ihre Lehre beendet hatte, verunglückte ihr Bruder bei einem Verkehrsunfall tödlich. Der Wunsch, dieses schreckliche Ereignis aufzuarbeiten und aus ihrem Leben „etwas zu machen“, führte sie auf die Berufsoberschule und schließlich über einen Informationstag des Erzbischöflichen Ordinariats München zum Beruf der Religionslehrerin.


Ein Beruf, den Litzlfelder sehr umfassend versteht. Zentral sei zunächst der Unterricht selbst mit seiner Chance, Kindern von Jesus Christus zu erzählen – auch jenen, die sonst nie von ihm hören. „Biblische Geschichten wirken ja zunächst von sich aus schon. Dann aber auch zu erarbeiten, was Jesus uns zu sagen hat, ist wie ein wertvoller Schatz“, beschreibt Litzlfelder. Dabei erlebt sie die Schüler als sehr offen für Glaubensthemen. Auch wenn die abnehmende kirchliche Sozialisierung bereits weit über die städtischen Pfarreien hinausreiche, verschwänden deshalb nicht die Fragen der Kinder nach den grundlegenden Dingen des Lebens. Genauso wenig ihr Bedürfnis, einen Dank, eine Bitte, einen Hilferuf abzugeben – beten zu lernen.


Unverzichtbare Basis des Unterrichts sei jedoch das Vertrauen der Kinder zu ihrem Religionslehrer, was nur mit starker Präsenz an der Schule über die Unterrichtsstunden hinaus erreicht werden könne. „Sobald ich in der Früh oder in der Pause für die Kinder ansprechbar bin oder mich nach der Schule mit der Klassenlehrerin austausche, entstehen Beziehungen“, berichtet Litzlfelder. Schließlich sollte es den Schülern auch ermöglicht werden, das, was sie im Unterricht erfahren und lernen, aktiv zu leben. Es gelte sowohl für die Religionslehrer als auch für die Verantwortlichen der Pfarreien, für die Kinder eine Verbindung zwischen Religionsunterricht und Pfarrleben zu schaffen. Litzlfelder selbst hat in der Zusammenarbeit mit der Pfarrei nur positive Erfahrungen gemacht. Durch Initiativen auf beiden Seiten wird diese Kooperation immer wieder neu gestärkt.


Lehrer, Ansprechpartner, Verbindungsglied zur Pfarrei – dass dieses ganzheitliche Verständnis des Berufes Religionslehrern einiges abverlangt, räumt Stefanie Litzlfelder ein. Doch sie versteht ihn gerade deshalb als „außergewöhnlich schönen Auftrag“.


Odette Zendek


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