Freisinger Domberg Ein Berg mit Geschichte

10.02.2017

Priesterweihe, Ehepaarsegnung und Korbiniansfest – auf dem Freisinger Domberg ist heute viel geboten. Seine Geschichte reicht zurück bis in das 8. Jahrhundert.

Luftaufnahme um 1935: Domberg von Südwesten mit dem alten Erweiterungsbau des Priesterseminars.
Luftaufnahme um 1935: Domberg von Südwesten mit dem alten Erweiterungsbau des Priesterseminars. © Archiv des Erzbistums München und Freising

Freising – Der Freisinger Domberg ist einer der Herzorte bayerischer Geschichte und Kultur. Schon in vorgeschichtlicher Zeit war die Anhöhe an der Isar, am Nordrand der Münchner Schotterebene besiedelt. Im 8. Jahrhundert stand auf ihr die Residenz eines bayerischen Teilherzogs. Herzog Grimoald lud den aus der Nähe von Paris stammenden Bischof Korbinian ein, von hier aus den christlichen Glauben zu verkünden. Korbinian wurde so zum ersten Bischof in Freising. Das Bistum Freising wurde erst 739, einige Jahre nach Korbinians Tod, durch den heiligen Bonifatius in päpstlichem Auftrag errichtet.

Die Marienkirche der herzoglichen Burg wurde die Keimzelle des Freisinger Doms – natürlich des wichtigsten Gebäudes auf dem Domberg. Der heutige, im Kern romanische Bau entstand ab 1159, nachdem sein Vorgänger einem Brand zum Opfer gefallen war. 1724 ließ Fürstbischof Johann Franz Eckher ihn zur Tausendjahrfeier der Ankunft Korbinians durch die Künstler-Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam zu einer prachtvollen Barockkirche umgestalten.

Der Freisinger Mohr

Mehr als ein Jahrtausend lang hatten die Bischöfe von Freising auf dem Domberg ihren Sitz. Der Ruf der mittelalterlichen Domschule, ihrer Handschriftenproduktion und ihrer Bibliothek brachte ihm den Ehrentitel „mons doctus“ (gelehrter Berg) ein. Seit dem späten Mittelalter wurde vom Domberg auch ein kleiner weltlicher Staat, das Hochstift Freising, regiert – bestehend aus mehreren nicht zusammenhängenden Herrschaftsgebieten zwischen Freising und der Zugspitze und bis nach Niederösterreich und Slowenien. Das Wappen mit dem „Freisinger Mohren“, das die Fürstbischöfe seither führten, ist an vielen Stellen des Dombergs zu sehen, meist kombiniert mit Bischofsstab und Schwert als Zeichen geistlicher und weltlicher Macht. Bis zur Säkularisation zierte ein wasserspeiender „Mohr“ die barocke Rossschwemme im Domhof.

Untergebracht waren der Fürstbischof und seine Behörden in der Residenz, einem im Kern mittelalterlichen Baukomplex, der in der Renaissance einen Arkadenhof erhielt und im Barock nochmals dem Zeitgeschmack angepasst wurde. Auch der Domhof erhielt damals eine einheitliche architektonische Gestaltung. Ringsum am Domberg hatten die Geistlichen des Domkapitels ihre Häuser. Zwei weitere Kollegiatstifte – St. Andreas (mit einer großen Kirche westlich der Residenz) und St. Johann Baptist (mit der noch bestehenden Kirche am Domhof) – komplettierten das geistliche Ensemble auf dem Berg.

Auf die Säkularisation des Fürstbistums 1802 folgte 1821 die Verlegung des Bischofssitzes nach München. Die Stifte waren aufgelöst, die Kirche St. Andreas abgebrochen. Der Domberg drohte zu veröden.

 Domberg von Süden - Kupferstich von Matthäus Merian, 1642 (Ausschnitt)
Domberg von Süden - Kupferstich von Matthäus Merian, 1642 (Ausschnitt) © Archiv des Erzbistums München und Freising

Priester bekamen dort ihrer Ausbildung

Doch ab 1826 erhielt er eine neue Bestimmung als Ort der Priesterbildung mit Erzbischöflichem Knabenseminar, staatlichem Domgymnasium, Priesterseminar (in der ehemaligen Residenz) und Philosophisch-Theologischer Hochschule. Generationen von Diözesanpriestern erhielten hier, oft vom Knabenalter an, ihre Ausbildung und empfingen im Dom die Priesterweihe – unter ihnen Joseph Ratzinger, später Professor an der Freisinger Hochschule, Erzbischof von München und Freising (1977-1982) und Papst Benedikt XVI. (2005-2013). Diese Epoche währte knapp 150 Jahre.

Kurz nach Fertigstellung eines Erweiterungsbaus des Priesterseminars wurden Seminare und Hochschule nach München verlegt bzw. geschlossen. Doch hat die Erzdiözese München und Freising seit 1968 auf dem Freisinger Domberg eine Reihe bedeutender Kultur- und Bildungseinrichtungen versammelt: Das Bildungszentrum Kardinal-Döpfner-Haus (als Nachfolger des Priesterseminars in der Residenz), das Diözesanmuseum für christliche Kunst (im ehemaligen Knabenseminar) und die Dombibliothek (im alten Domgymnasium). Ihre umfassende Neugestaltung steht nun bevor.

Dom der Traditionen

Alljährlich treffen sich in Freising die bayerischen Bischöfe zur Freisinger Bischofskonferenz. Seit 1993 hat „Renovabis“, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, ihren Sitz auf dem Domberg, der somit (wieder) weit nach Europa ausstrahlt.

Natürlich hat der traditionsreiche Dom (seit 1983 “Konkathedrale”) nach wie vor einen bedeutenden Platz im Leben des Erzbistums: Alljährlich werden hier die neuen Priester geweiht, Ehejubilare gesegnet, und im November kommen beim Korbiniansfest Jugendliche und Erwachsene zum Grab des heiligen Bischofs, mit dem die nun bald 1.300jährige geistliche Geschichte des Dombergs begonnen hat. (Dr. Roland Götz arbeitet im Archiv des Erzbistums München und Freising)

Der heilige Korbinian: Der aus Arpajon bei Paris stammende Korbinian wollte eigentlich ein frommes Leben in Einsamkeit führen. Dies scheiterte wiederholt an seinem Ruf als Wundertäter, der viele Menschen anzog. Schließlich wurde er vom Papst zum Bischof geweiht und mit dem Auftrag zur Glaubensverkündung ausgesandt. Der bayerische Herzog Grimoald lud Korbinian (mit sanfter Gewalt) nach Freising ein. Als Jahr seiner Ankunft errechnete man in der Barockzeit 724. Die vielleicht sechs Jahre, in denen Korbinian hier als erster Bischof wirkte, waren nicht konfliktfrei. Zeitweilig zog sich Korbinian nach Südtirol zurück. Doch verschaffte er in Freising energisch den kirchlichen Vorstellungen letztlich Geltung. Mit seiner Mönchsgemeinschaft feierte er Gottesdienst in der Marienkirche auf dem (Dom-)Berg; an der Stephanuskirche auf dem gegenüber liegenden (Weihenstephaner) Berg errichtete er ein kleines Kloster. Korbinian starb um 730 in Freising, wurde aber wunschgemäß an der Seite des hl. Valentin in Mais bei Meran bestattet. Bischof Arbeo von Freising holte seine Reliquien 768 in den Freisinger Dom zurück. Hier wird Korbinian bis heute als geistlicher Vater und Hauptpatron des Erzbistums München und Freising verehrt.

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