Wie Kinder Trauer verarbeiten können Ein Brief an die tote Omi

25.11.2016

Nichts ist so schwer, wie mit Trauer und Verlust umzugehen. Vor allem für Kinder. Wie die Kleinen den Tod des geliebten Opa oder des ans Herz gewachsenen vierbeinigen Spielgefährten verarbeiten können, weiß die Münchner Kunstpädagogin Marielle Seitz.

Es sind rührende Briefe, die Kinder an Tote schreiben und malen. © Patricia Hofmann

„Der Tod ist ein Tabuthema. Nichts, mit dem man sich gerne auseinandersetzt. Umso schwerer wird es, wenn wir Angst, Trauer und Verlust in unser Leben lassen müssen“, weiß Marielle Seitz, Leiterin des Instituts für Kreativität und Pädagogik in München. Vergangenen Donnerstagabend stellte die Autorin ihr Buch „Briefe, die zum Himmel fliegen“ in der Buchhandlung Lesetraum des Sankt Michaelsbundes vor. Eine Art Bildband, der sich mit der Trauerhilfe für Kinder beschäftigt. „Der Tod ist und bleibt die größte Herausforderung, weil wir ihn mit Abschied und Schmerz verbinden. Erst dann, wenn die Sprachlosigkeit überwunden ist, können wir dem Leben mit all seinen schönen Facetten eine Chance geben“, erzählt die Autorin aus eigener Erfahrung. Als sie selbst wegen längerer Krankheit ans Bett gefesselt war, kam ihr die Idee, Strategien zu entwickeln, mit denen der Umgang mit dem Thema Tod umgesetzt und Kindern nahe gebracht werden könne.

Ein Brief an die tote Oma oder die tote Katze

„Wenn Kinder dem Tod begegnen, fehlen ihnen nämlich häufig die Worte“, erklärt Marielle Seitz. Indem sie „Liebensbriefe“ - so der Titel ihres ökumenischen Kunstprojekts - schreiben, fänden sie einen Weg, ihre Fragen auszudrücken und sich darüber auszutauschen. Liebensbriefe sind ein Wortspiel zwischen Liebes- und Lebensbriefe. Diese schreiben und zeichnen Kinder in Erinnerung an geliebte Menschen oder Tiere. Dadurch solle eine sinnliche und sinnvolle Kommunikation zwischen Kindern und verstorbenen Menschen aufgebaut werden. Außerdem veranschauliche es das Thema „Tod“ im Leben der Kinder und ihrer Familien. „Durch die Darstellung im Bild lassen uns die Kinder an ihren Fragen und Wünschen, ihren Ängsten und Hoffnungen teilhaben“, erzählt die Autorin. Die von Kindern gemalten und geschriebenen Bilder spenden Trost und sind anregend für den Umgang mit Trauer. „Die Briefe der Kleinen erreichen aber auch die Großen“, weiß Marielle Seitz.

Trost finden durch Erinnerung

Ihr neues Buch basiert auf diesem Kunstprojekt. Die von den Kindern gestalteten transparenten „Liebensbriefe“ werden luftig aufgehängt und bringen die Besucher der Ausstellungen ins Gespräch über Tod und Verlust. Trotz des eigentlich traurigen Themas sollen sie in erster Linie Trost vermitteln. An Allerheiligen 2013 konnten bereits tausend Briefe in einer großen Ausstellung auf einem Münchner Friedhof gezeigt werden. Mittlerweile habe die Therapeutin 6.000 weitere Briefe gesammelt und jeden einzelnen aufgehoben. „Die Kinder haben darin ihre Liebe, ihren Glauben, aber auch ihre Trauer ausgedrückt. Sie haben sich mit ihrer Erinnerung beschäftigt“, erklärt sie. Erinnerung an Vergangenes dürfe und müsse zum Thema werden. Auf diese Weise würden Verlusterfahrungen in das Gefühlsleben der Kinder integriert und so könne ein heilsamer Prozess beginnen. (Patricia Hofmann)

 

Das Buch „Briefe, die zum Himmel fliegen“ von Marielle Seitz kann in der Buchhandlung Lesetraum bestellt werden unter Telefon 089/23225420.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Tod und Sterben

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