Unterländer zur Bundespräsidentenwahl "Ein christlicher Politiker ist für mich die Voraussetzung"

11.02.2017

Frank-Walter Steinmeier gilt als großer Favorit bei der Bundespräsidenten-Wahl am Sonntag. Joachim Unterländer von der CSU wählt mit und äußert sich im Interview auch zu Steinmeiers christlichen Wurzeln.

Amtssitz des Bundespräsidenten: Schloss Bellevue.
Amtssitz des Bundespräsidenten: Schloss Bellevue. © Fotolia.com/Photocreo Bednarek

München – Am Sonntag wird ein neuer Bundespräsident gewählt. Denn Joachim Gauck tritt nicht mehr zu Wiederwahl an. Stattdessen gibt es vier andere Kandidaten: Frank-Walter Steinmeier (vorgeschlagen von CDU/CSU und SPD), Christoph Butterwegge (vorgeschlagen von der Linken), Albrecht Glaser (vorgeschlagen von der AfD) und Alexander Hold (vorgeschlagen von den Freien Wählern). Einer, der am Sonntag seine Stimme für einen der Kandidaten abgibt, ist Joachim Unterländer von der CSU. Wir haben ihn vorab dazu befragt.

mk online: Herr Unterländer, Sie sind ja schon fast ihr ganzes Leben bei der CSU. Wie finden Sie es denn, als CSU-ler, dass sich Union und SPD auf Herrn Steinmeier von der SPD als Kandidaten geeinigt haben?

Unterländer: Nun, Frank-Walter Steinmeier ist ein ausgeprochen kompetenter, erfahrener Mann, der über viele Jahrzehnte das politische Leben in Deutschland mitbestimmt hat. Allerdings hätte ich mir sehr gut vorstellen können, dass meine Partei gemeinsam mit der CDU auch eine eigene Kandidatin oder einen eigenen Kandidaten hier vorgeschlagen hätte. Aber die Parteivorsitzenden – das ist nunmal die politische Realität – haben sich gemeinsam geeinigt und damit ist das politisch realisitisch, auch den Kandidaten, den die eigene Koalition vorgeschlagen hat, mitzuwählen.

mk online: Sie sind ja auch Mitglied des bayerischen Landtags, wo diese Woche Frank-Walter Steinmeier zu Gast war. Wie war denn Ihr Eindruck von Herrn Steinmeier? Ist er Ihrer Meinung nach der „Richtige“?

Unterländer: Er ist sicherlich ein absolut geeigneter Kandidat und hat sich dabei auch im bayerischen Landtag gut vorgestellt.

Joachim Unterländer (CSU), Abgeordneter im Bayerischen Landtag.
Joachim Unterländer (CSU), Abgeordneter im Bayerischen Landtag. © Privat

mk online: Sie sind ja Vorstandsmitglied im Diözesanrat und auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Frank-Walter Steinmeier ist auch ein sehr gläubiger Politiker, der sogar im vergangenen Jahr den Ökumene-Preis der Katholischen Akademie Bayern gewonnen hat. Wie wichtig ist es Ihnen denn, dass ein christlicher Politiker dieses Amt antritt?

Unterländer: Für mich persönlich ist das eine der wesentlichen Entscheidungsgrundlagen und Voraussetzungen, einen Kandidaten wählen zu können. Die Entscheidung, dass Herr Steinmeier diesen Ökumene-Preis erhalten hat, ist für mich durchaus ein ganz wichtiger Gesichtspunkt, weil er ausdrückt, dass er den Glauben lebt und dies auch seine innere Überzeugung ist.

mk online: Am Ende, wenn die Wahl dann durch ist und der Bundespräsident feststeht, muss der Kandidat noch einen Eid schwören, bevor es losgeht. Der lautet: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen - meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“ Und diesen letzten Satz „So wahr mir Gott helfe“ kann man laut Gesetz auch weglassen. Der ist also keine Pflicht. Was würden Sie jetzt sagen, wenn Frank-Walter Steinmeier gewählt wird und diesen letzten Satz weglässt?

Unterländer: Erstens kann ich mir das nicht vorstellen, dass er das tut, aufgrund seiner inneren Einstellung und seiner Biographie. Wenn so etwas passieren würde, würde ich das als Enttäuschung und als nicht folgerichtig zu dem, wie er sich bisher verhalten hat, ansehen. (Interview: Ivo Markota)

Joachim Unterländer ist gebürtiger Münchner und seit seinem 16. Lebensjahr CSU-Mitglied. Im bayerischen Landtag sitzt er seit 1994. Außerdem ist Joachim Unterländer Mitglied im Diözesanrat und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.


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