Kinotipp Ein Dorf sieht schwarz

20.04.2017

Eine afrikanische Familie strandet 1975 in der tiefsten französischen Provinz. Diese Geschichte läuft mit "Ein Dorf sieht schwarz" seit Donnerstag in den bayerischen Kinos. Ob sich der Film lohnt, erfahren Sie hier.

Familie Zantoko realisiert, dass Marly-Gomont nicht Paris ist.
Familie Zantoko realisiert, dass Marly-Gomont nicht Paris ist. © PROKINO Filmverleih

München – Egal ob „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder „Ziemlich beste Freunde“ – immer wieder gelingen unseren französischen Nachbarn wunderbare Komödien, die auch bei uns Millionen in die Kinos locken. Im Sog dieser Kassenschlager spült es auch immer wieder kleinere Filme aus Frankreich in die deutschen Lichtspielhäuser. So wie den Streifen „Ein Dorf sieht schwarz“, der nun in Bayern angelaufen ist.

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte und spielt im Frankreich von 1975: Der Afrikaner Seyolo Zantoko hat gerade an der Universität von Lille erfolgreich sein Medizinstudium abgeschlossen. Ein lukratives Angebot, als Leibarzt für den kongolesischen Diktator Mobutu zu arbeiten, lehnt er ab, weil er lieber in Frankreich bleiben will. Da kommt ihm der Bürgermeister von Marly-Gomont gerade Recht, der verzweifelt einen Arzt für sein kleines Dorf im Norden von Paris sucht. Seyolo willigt ein, und erhofft sich so, schnell die französische Staatsbürgerschaft zu erlangen.

Die Dorfbewohner in Marly-Gomont beäugen misstrauisch die neuen Nachbarn.
Die Dorfbewohner in Marly-Gomont beäugen misstrauisch die neuen Nachbarn. © PROKINO Filmverleih

Großes Entsetzen

Der Haken: Die Dorfbewohner haben noch nie einen dunkelhäutigen Menschen gesehen. Außerdem glaubt Seyolos Familie, dass er einen Job in der Traumstadt Paris gefunden hat. Als er seine Frau und die beiden Kinder schließlich in das verregnete Kuhdorf nachholt, ist das Entsetzen bei diesen groß. Und auch beruflich bekommt Seyolo keinen Fuß auf den Boden. Die Einheimischen lehnen es stur ab, sich von einem schwarzen Doktor behandeln zu lassen.

Der Film erzählt dieses Aufeinanderprallen zweier Welten auf leichtfüßige und sympathische Art, wenn auch etwas vorhersehbar. „Ein Dorf sieht schwarz“ schlägt kein sehr hohes Erzähltempo an und verzichtet weitgehend auf brachiale Schenkelklopfer. Immer wieder schafft es der Streifen aber, dem Zuschauer ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Etwa wenn die afrikanische Verwandtschaft der Familie ins Dorf einfällt und das „Stille Nacht“ der Christmette in ein spontanes Gospel-Konzert verwandelt.

Wie gelingt Integration?

Natürlich liefert der Film mit seiner Thematik auch einen Kommentar zur Debatte um die Aufnahme von Fremden oder Flüchtlingen. Er wirft die Frage auf, ob Integration nur dann gelingen kann, wenn sich die Neubürger ganz auf die Gepflogenheiten und Bräuche der Alteingesessenen einlassen. Seyolo ist anfangs so besessen von dem Wunsch „dazuzugehören“, dass er seine Familie in eine schwere Identitätskrise stürzt. Darsteller Marc Zinga schafft es dabei, dem ehrgeizigen Arzt eine sympathische und glaubwürdige Ausstrahlung zu verleihen. (Klaus Schlaug)


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