Aktion am Bahnwärter Thiel in München Ein Fahnenmeer der Hoffnung

27.04.2021

Masken, Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren: Seit über einem Jahr ist der Alltag von der Pandemie geprägt. Da fällt es manchmal schwer, optimistisch zu bleiben. Das "Netzwerk Junge Erwachsene" in München will mit einer Mitmach-Aktion den Blick auf das Positive richten.

Stoffe an einem Seil
Wie eine tibetische Gebetsfahne werden die Stoffstücke an einem Seil aufgehängt. © Kiderle

München – Bunte Seefahrt-Container, Graffitis, Lagerfeuerstellen – das ist der Bahnwärter Thiel im Münchner Stadtteil Sendling. Am Rande eines Fußweges knien Leni und Sophie vor einer umgedrehten Box, auf der ein gelbes Stück Stoff liegt. Die beiden 17-jährigen halten Stifte in den verschiedensten Farben in den Händen. Sie machen bei der Aktion #himmelsfahnen vom Netzwerk „Junge Erwachsene München“ mit.

Jugendseelsorger Stefan Hubl hat diese mitorganisiert. Auf dem Gelände vom Bahnwärter Thiel vor der container.Kirche „2teu“ haben sie einen Klapptisch aufgebaut. Mit großen Buchstaben hängt dort ein Zettel mit der Frage: „Was ist Deine Hoffnung?“ Stoffreste und verschiedene Materialien liegen bereit, und jeder ist eingeladen, eine Fahne zu gestalten. Ziel sei es, dass viele Menschen sichtbar machen, was sie in diesen schwierigen Zeiten, die von Auf und Abs geprägt sind, antreibt und was ihnen Kraft gibt, erklärt Hubl gegenüber mk online.

Blick auf das Positive richten

Leni und Sophie haben ein Gesicht mit Sommersprossen gemalt. Und haben dabei auf Details geachtet: So hat jede Sprosse eine andere Farbe. Die beiden Mädchen hoffen auf einen „wunderschönen Sommer, bei dem man viele Sommersprossen bekommt“ und dass sie gemeinsam Zeit mit ihren Freunden verbringen können.

Ein paar Meter entfernt von ihnen sitzt Verena am Klapptisch. Die 25-Jährige hat sich entschieden, mit kräftigen Acrylfarben zu arbeiten. Sie gestaltet gleich zwei Fahnen. Dafür hat sie zwei Stoffreste in blau und gelb gewählt: Sie will den Himmel und die Sonne darstellen. Denn Hoffnung gibt ihr das gute Wetter. Sie findet die Aktion „cool“. Da sie den ganzen Tag von negativen Nachrichten „zugespamt“ wird, findet sie es wichtig, an das Positive zu denken und auch zu visualisieren. So könnten es auch andere sehen.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

Ob mit Stiften oder Acrylfarben: Jeder kann die Fahne ganz nach den eigenen Vorstellungen gestalten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. So hat Anne zum Beispiel einen Stoffrest bestickt. Auf dem sind Gesichter mit Masken zu sehen, die für Freunde stehen: „Die Kontakte zu meinen Freunden lassen mich einfach durchhalten. Sei es per Telefon, Videocall oder auch mal bei einem Treffen“. Auch ihre Familie gibt ihr Hoffnung, daher ist das ihr Thema für die nächste Fahne.

Wenn die Farben auf den Stoffresten getrocknet sind, dann werden sie wie eine tibetische Gebetsfahne nebeneinander gehängt. Eine weht schon jetzt im Wind. Auf einem der Stoffe ist ein Baum und ein Vogel zu sehen, auf einem anderen ist ein Stück Seil befestigt und das Wort „Zusammenhalt“ zu lesen, und auf einem Stoffstück ist das Wort „Liebe“ gleich mehrmals geschrieben. Letztendlich soll so ein „Fahnenmeer der Hoffnung“ entstehen, sagt Stefan Hubl. Wer mitmachen will, kann direkt vor Ort malen oder sich einen Stoffrest mitnehmen, den zu Hause gestalten und dann wieder vorbeibringen. Die Aktion dauert noch bis Pfingsten.

Netzwerk junge Erwachsene

Das Netzwerk junge Erwachsene ist ein Zusammenschluss von MitarbeiterInnen aus dem Erzbischöflichen Jugendamt München und Freising sowie aus den Pfarrgemeinden der Erzdiözese. Ziel des Netzwerks ist es, jungen Erwachsenen die Möglichkeit zu bieten, sich mit Gleichgesinnten zu treffen, auszutauschen und den Glauben zu leben. Die Angebote richten sich an junge Erwachsene im Alter von 18 bis 35 Jahren. In der gesamten Diözese werden laufend neue Angebote für und mit jungen Erwachsenen entwickelt. Zahlreiche Angebote finden sich im Großraum München und Rosenheim. (eja)

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

Das könnte Sie auch interessieren

Schiffscontainer mit Grafitti
© Kiderle

Ein Container ist Kirche

Die Kirche auf dem Künstlergelände Bahnwärter Thiel in München ist nicht direkt als solche zu erkennen. Sie ist Teil der Szene und hat sich den Standort ganz bewusst ausgesucht.

22.06.2021

Jugendliche und Kind schreiben Briefe
© SMB/Kelpe

Lernen und Gaudi in den Pfingstferien

Büffeln in den Ferien – und das auch noch freiwillig! Rund 75 Kinder und Jugendliche haben an der „FerienLernGaudi“ der Erzdiözese München und Freising teilgenommen. Doch das war nur ein kleiner...

07.06.2021

Papiertüten am Odeonsplatz in München
© Kiderle

Papiertüten-Kunstaktion "FRIEDEN LEBEN"

'Frieden Leben' war das Jahresthema der katholischen Hilfswerke im letzten Jahr. Jetzt wurde es zum Thema für eine große Mitmach-Kunstaktion. In großen und kleinen Papiertüten werden Gedanken für den...

26.05.2021

Jugendlicher sinkt mit gesenktem Kopf vor jemandem
© motortion - stock.adobe.com

Salesianer: Not junger Menschen wächst

Jungen Menschen am Rand muss besser geholfen werden: Darauf weist die Ordensgemeinschaft hin. Sie ist Träger von Einrichtungen der Kinder-und Jugendhilfe.

19.05.2021

Kunstwerk "Corona Rose Nr.2"
© Seipel

Die Corona-Rose

Aus feiner Spitze verschiedener Form und Farbe erwächst in der Münchner Heilig-Geist-Kirche ein Kunstwerk, das zum Nachdenken einlädt. Die Sorgen und Hoffnung in der Coronakrise soll darin zum...

14.05.2021

Hände halten Smartphones
© golubovy - stock.adobe.com

Nachfrage für digitale Angebote wächst

Ob Konzept für Online-Gottesdienste, Ideen für Gruppenstunden oder neue Formate: Das Erzbischöfliche Jugendamt unterstützt Haupt- und Ehrenamtliche in der Jugendarbeit.

06.05.2021

Ortsschild Taize
© Alexander Brüggemann/KNA

Von Taizé aus studieren

Ein Vorschlag gegen die Einsamkeit in Coronazeiten kommt von der Brüdergemeinschaft in Taizé. Studierende, die einen Tapetenwechsel brauchen, können nach Burgund kommen und von dort studieren.

03.05.2021

Sternsingergruppe Sankt Albert aus München-Freimann
© Riffert

Sternsinger aus München helfen das ganze Jahr

Im Januar sind Sternsinger sehr präsent. Die anderen Monate wird es still um die kleinen Könige. Die Sternsinger aus München-Freimann engagieren sich aber nicht nur Anfang des Jahres.

30.04.2021

Blick auf die Münchner Innenstadt
© IMAGO/Christian Offenberg

Neue Seelsorgerin für City- und Tourismuspastoral

Auch wenn die Touristen im Moment coronabedingt auf sich warten lassen, hat Judith Seipel schon Pläne für ihre neue Arbeitsstelle. Rund um den Liebfrauendom sollen Gäste und Münchner mit dem...

29.04.2021

Clemens Blattert SJ
© SJ-Bild

Jesuit wird neuer Direktor für Berufungspastoral

Kreativer Priester und erfahrener Berufsbegleiter: Der Jesuit Clemens Blattert wird in Zukunft die Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz verantworten. Das Zentrum wird damit auch den...

28.04.2021

Jürgen und Rebecca Neubarth
© privat

Vater und Tochter sprechen über ihren Glauben

Ein Glaube, zwei Generationen: Jürgen Neubart ist 64, seine Tochter 21 Jahre alt. Im Interview sprechen sie über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrers Glaubens.

23.04.2021

Antoniuskirche Außenansicht
© Ertl

Gastfreundliches Gotteshaus

Die Coronakrise trifft bedürftige Menschen besonders hart. Die Antonius-Küche in der Münchner Isarvorstadt hilft mit einer warmen Mahlzeit. Ein humanitäres Leuchtturm-Projekt in schweren Zeiten.

23.04.2021

© imago images/Panthermedia

Brieffreundschaft zwischen den Generationen

Corona bedeutet nicht nur Abstand halten. Der Studentin Anna Albrecht hat die Krise eine ungewöhnliche Freundin beschert.

23.07.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren