"Peta" fordert E-Roller statt Esel Ein falsches Signal für den Tierschutz

09.09.2019

"Peta" fordert: Keine lebenden Tiere bei den Passionsspielen in Oberammergau. E-Roller statt Esel, heißt es. Was kommt als nächstes? Das fragt sich Tanja Bergold.

Wenn es nach PETA geht, reitet Jesus bei den Passionsspielen in Oberammergau nicht mehr auf einem Esel. © imago

Ich gebe es zu: Die E-Roller, die hier in München überall kreuz und quer auf den Gehwegen stehen, nerven mich ein wenig. Doch darum muss man die armen Teile doch nicht gleich auf die Bühne verbannen. Aber mal von vorne. Die Aktivisten von Peta (People for the Ethical Treatment of Animals) haben gefordert: Kein Esel in Oberammergau. Die Passionsspiele sollen ohne lebende Tiere durchgeführt werden, Jesus könne ja per E-Roller auf die Bühne. Es sei tierschutzwidrig, außerdem habe Papst Franziskus selbst vor einigen Jahren dazu aufgerufen, Tiere gut zu behandeln. Nachdem die Verantwortlichen nicht auf den Brief reagiert haben, hat PETA nun das zuständige Veterinäramt gebeten, das Ganze zu untersagen. Denn: Wenn Jesus heute in Jerusalem einziehen würde, dann wohl nicht per Esel sondern mit einem tier,-und umweltfreundlichen Elektromobil. So heißt es auf der Homepage. Was würde Jesus wohl zu dieser Idee sagen?

Tradition ist Tradition

Auf alle Fälle hat sie hohe Wellen geschlagen! Kaum ein Medium, das sich dazu nicht geäußert und sich über den Vorschlag lustig gemacht hat. Und es stimmt ja auch: Da stehen Menschen mit wallenden Haaren und Bärten sowie historischen Gewändern auf der Bühne - und dann saust Jesus mit einem E-Roller vorbei. Ich finde: Das geht nicht, Tradition ist Tradition. Und wenn sich die Macher entscheiden, die Passionsspiele auf diese Weise zu gestalten, dann ist das ihr gutes Recht.

Einsetzen für das Leid der Tiere

Ich liebe Esel. Und ich finde es unsagbar traurig, dass diese langohrigen, grauen Tiere in Teilen der Welt - so wie leider so viele ihrer Artgenossen - misshandelt und auf miserable Weise gehalten werden. Sie werden als Träger für übergewichtige Touristen missbraucht, die zu faul sind, ein paar Stufen hochzugehen. Sie werden massenweise geschlachtet und gehäutet, weil die Gelatine in Haut und Hufen in China als Medizin gilt. Sie werden als dumm, faul und störrisch gebrandmarkt und sind genau das Gegenteil. Es ist wichtig, dass Tierrechtsorganisationen sich für sie einsetzen und auf ihr Leid aufmerksam machen.

Tierschutz darf nicht lächerlich gemacht werden

Ich selbst kann den Esel, der in Oberammergau auf die Bühne muss, nicht fragen. Aber ich finde, wertvolle Ressourcen für den Tierschutz werden durch diese Debatte nicht nur verschwendet, sondern PETA hat aus einem berechtigten Anliegen etwas Lächerliches gemacht. Liebe Tierrechtler: Setzt euch weiter ein für Leid, aber da, wo Tiere wirklich gequält werden.

Wir Einzelnen sind natürlich auch gefordert. Warten wir nicht auf Gesetze, die nicht kommen, weil Politiker lieber auf die Freiwilligkeit von Fleischproduzenten setzen. Und liebe Passions-Macher: Besteht weiter auf Euren Traditionen. Und vielleicht fällt Euch ja auch was in Sachen Tierschutz ein. Spendet zum Beispiel einen Teil Eurer Einnahmen an PETA für eine Aktion zur Rettung von Eseln. Das wäre ein wirklich starkes Zeichen!

Die Autorin
Tanja Bergold
Leiterin Programmentwicklung im Münchner Kirchenradio
t.bergold@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Passions spiele

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