Impuls von Max Kronawitter Ein fragwürdiger Nachruf

10.11.2019

Was bleibt von uns? Diese Frage begleitet unser Leben, meint Max Kronawitter und resümiert: Wahrscheinlich ist es gar nicht schlecht, wenn die Nachwelt einmal mit einem Lächeln an einen denkt.

„Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derer, die an ihn denken.“
„Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derer, die an ihn denken.“ © LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

„Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derer, die an ihn denken.“ Über diesen Spruch in einer Todesanzeige bin ich gestolpert. Möchte ich, dass die Menschen lächeln, wenn sie einmal an mich denken? Diese Frage hat mich beschäftigt. Nein, nicht ein Lächeln soll der Gedanke an mich einmal auslösen. Eher schon Anerkennung, Respekt, Dankbarkeit …

Was bleibt von uns, wenn wir „gegangen“ sind?

Was bleibt von uns? Diese Frage begleitet unser Leben. Gut, dass ich Kinder habe, ein Haus gebaut und sogar einige Bäume gepflanzt habe. Die wird es hoffentlich noch geben, wenn ich längst „gegangen“ bin. Auch materielle Dinge sind offenbar eine gute Garantie dafür, dass etwas von einem überdauert. Die großen Baumeister haben sich so durch die Jahrhunderte gerettet: Michelangelo, Bernini, Klenze. Solange Menschen fasziniert auf ihre Bauten blicken, bleiben sie unsterblich. Andere haben Bücher hinterlassen, die noch heute fesseln und neue Horizonte erschließen. Wer ein solches Buch aufschlägt, erlebt die Gedankenwelt längst Verstorbener. Wieder andere haben große Kompositionen geschaffen, die von Generation zu Generation Menschen verzaubern. In der Begeisterung über ihr Werk leben sie weiter. Bewunderung ja, aber doch kein Lächeln.

Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher.
Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher. © privat

Warum eigentlich nicht? Ein Lächeln ist kein Lachen, und schon gar kein Auslachen, kein Sich-lustig-Machen über einen anderen (oder eine abschätzende Beurteilung, wie lächerlich etwas ist.) Ein Lächeln ist die Reaktion auf eine positive Erfahrung. Es ist die Antwort auf ein angenehmes Erleben. Wer einem Menschen begegnet und lächelt, der fühlt sich wohl. Mir ist ein Lied in den Sinn gekommen, das ich bei so manchem Jugendgottesdienst gesungen habe:
„Eines Tages kam einer, der hatte einen Zauber in seiner Stimme, eine Wärme in seinen Worten, einen Charme in seiner Botschaft.
Eines Tages kam einer, der hatte eine Freude in seinen Augen, eine Freiheit in seinem Handeln, eine Zukunft in seinen Zeichen.“

Wer diesem Jesus begegnet ist, der hat ihm wohl auch mit einem Lächeln gesagt: wie schön, dass du da bist.

Das Leben anderer mit Freude erfüllen

Ja, wahrscheinlich ist es gar nicht schlecht, wenn die Nachwelt einmal mit einem Lächeln an einen denkt. Dann nämlich ist es einem gelungen, dass man das Leben der Zurückgebliebenen nicht behindert, sondern mit Freude erfüllt hat. Um „Wärme in meinen Worten“ und „Charme in meiner Botschaft“ will ich mich künftig noch mehr bemühen.


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