Tag der Kinderhospizarbeit Ein fröhliches Haus

10.02.2017

Über das Thema Tod spricht niemand gerne, schon gar nicht über den Tod von Kindern. Wir haben das Kinderhospiz Sankt Nikolaus Bad Grönenbach im Allgäu besucht und waren positiv überrascht.

Am Tag der Kinderhospizarbeit steigen grüne Luftballons zum Himmel.
Am Tag der Kinderhospizarbeit steigen grüne Luftballons zum Himmel. © fotolia/ katarinagondova

Bad Grönenbach – Ich erwarte ein graues, tristes Klinik-Gebäude, dass auch dementsprechend riecht. Doch es ist gänzlich anders. Empfangen werde ich von Antia Grimm, die Leiterin von Sankt Nikolaus. Mit einem herzlichen Lächeln empfängt sie mich in einem hellen Empfangsbereich. Durch Glastüren sehe ich schon den bunten Gemeinschaftsbereich, der ausschaut wie ein Kindergarten. Viel Farbe, viel Spielzeug und lachende Betreuer. Anita Grimm, die Leiterin von Sankt Nikolaus weiß, für die Familien, die mit ihren Kindern ins Kinderhospiz kommen, ist die Zeit im Allgäu eine unheimliche Entlastung. „In der Interpretation der Eltern ist es oft Urlaub, weil sie sonst nirgendwo hingehen können. Es ist oft schon so, dass sie sich freuen, dass sie hier sind. Sie können einfach mal die Seele baumeln lassen, ein Buch lesen, sich mit anderen unterhalten, in Ruhe essen können. Am Ende des Aufenthalts sagen sie, sie sind besser erholt, jetzt habe ich einfach mal wieder durchatmen können.“

Kinder verbinden positive Bilder mit dem Tod

Auf der anderen Seite ist das schwierige Thema Tod doch immer präsent. Sankt Nikolaus ist für alle Konfessionen offen, doch vor allem ist es christlich geprägt. Deswegen stellt mir Anita Grimm die Seelsorgerin Elfriede Notz vor. Schon an von Anfang an war sie von der Art und Weise, wie ihr mit Trauer und Tod umgegangen wird, überzeugt. An ihrem ersten Tag starb ein Kind, aber ein anderes hatte Geburtstag. Beide Familien haben ihren Raum bekommen, zu feiern aber auch zu trauern. Das habe sie damals sehr berührt. Inzwischen ist für sie das Thema Tod von Kindern Alltag geworden, denn sie spricht beinahe jeden Tag mit den kleinen Gästen des Hauses über das Thema: „Interessanter Weise sind bei den Kindern sehr positive Hoffnungsbilder da. Zum Beispiel, dass die Krankheit kein Raum mehr hat, dass sie springen und spielen können, wie andere Kinder, dass sie ihre Freunde wiedertreffen. Ein Kind hat mal gesagt, es wird Schokolade in Hülle und Fülle geben. Solche für Kinder schönen Vorstellungen haben sie.“

Ein Haus voller Leben

Deswegen ist das Kinderhospiz auch kein so trauriger Ort, wie man sich vorstellt. Das finden auch die Kinder und Jugendlichen, die nach Sankt Nikolaus kommen. Antia Grimm und ich laufen durch die Flure von Sankt Nikolaus. Orangefarbene Wände und viele bunte Fahnen. Jedes Kind, das hier wohnt bekommt eine eigne Fahne, gebastelt wird sie mit der ganzen Familie. Wir treffen die 18-jährige Jasmin. Aufgrund einer Stoffwechselkrankheit sieht sie eher aus wie sechs Jahre, aber sie sprüht vor Energie und vor allem Lebensfreude. Mit ihrer Betreuerin Angelika bastelt sie ein Fotobuch mit Bildern von ihrem Aufenthalt. Jasmin lacht unheimlich viel und das erste was sie mir zeigen will: ihre pink lackierten Fingernägel, passend zu ihrem pink-grauen Trainingsanzug. Ein ganz normales Mädchen halt. Ich frage sie, ob es ihr in Sankt Nikolaus gut gefällt. Überschwänglich holt sie mit ihren kleinen Armen aus: „Ja, sehr sogar.“

Das Kinderhospiz Sankt Nikolaus Bad Grönenbach lädt am 20. Mai zum Tag der Offenen Tür. Das Haus feiert dieses Jahr sein 10jähriges Bestehen.

Jasmin kommt mehrmals im Jahr, entweder alleine oder mit ihren Eltern. Wie sehr sie sich immer auf die Zeit in Sankt Nikolaus freut, dass merkt Anita Grimm schon, sobald sie durch die Tür kommt. „Die juckts dann immer und sagt, ich freu mich so. Sie plant dann schon ihren Aufenthalt. Ich glaube, sie betrachtet uns Mitarbeiter als ihre Freunde. Sie schreibt uns auch immer Briefe zwischen den Aufenthalten. Das ist auch ein Highlight für uns.“Wenn man Jasmin beim basteln beobachtet oder sich mit ihr unterhält, dann versteht man das Motto vom Kinderhospiz Sankt Nikolaus: ein Haus voller Leben. Ganz besonders gefällt Jasmin, dass sie in Sankt Nikolaus so viel unternehmen kann. Auf dem Programm stehen basteln, Klavier spielen, Pferde streicheln oder einfach Trampolin springen. Und ihren nächsten Besuch im Allgäu plant sie jetzt schon. Im Mai, wenn Sankt Nikolaus auch zehnjähriges Jubiläum feiert, will sie unbedingt schaukeln.

Ich verabschiede mich von Jasmin. Sie winkt mir fröhlich zu und betrachtet schon wieder stolz die ersten Seiten ihres Fotobuches, das soll noch fertig werden, bis sie wieder nach Hause zu ihren Eltern fährt. Derweil bringt Anita Grimm mich wieder zum Eingang. Ich gestehe ihr, dass ich eher Altenheim Charakter erwartet habe und sehr überrascht bin, wie fröhlich das Haus wirkt. Mit diesem Eindruck sei ich nicht alleine. Ich glaube, ich werde Jasmin nochmal besuchen, vielleicht schaukeln wir dann im Mai zusammen oder ich bring ihr neuen Nagellack mit. (Pia Dyckmans)

In Bad Grönenbach und in allen anderen Kinderhospizen in Deutschland steigen am 10. Februar 2017 grüne Luftballons auf: Für Jasmin, für alle anderen Kindern und für diejenigen, die ihnen das Leben lebenswerter machen. Es ist der Tag der Kinderhospizarbeit.

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