Schenken in einer christlichen Familie Ein Geschenk ist viel mehr wert als Geld

18.12.2020

Familie Feichtner beschenkt sich und andere gerne – und freut sich vor allem über die einfachen Dinge. Mutter Yvonne erzählt, was sie durch Corona übers Schenken gelernt hat.

Familie Feichtner
Familie Feichtner beschenkt sich gerne – mit Bedacht. © privat

Rimsting – Ein resolutes „Schau weg“ von Hannah, der 15-jährigen Tochter, eröffnet die große Geschäftigkeit vor Weihnachten. Dann weiß ich, jetzt wird es Zeit, intensiv über Geschenke nachzudenken. Klar gehen einem die Fragen durch den Kopf: „Hat man nicht eigentlich alles? Sind die Kinderzimmer nicht sowieso schon überfüllt? Ist es nicht ein Konsumrausch, an dem man sich jedes Jahr wieder zu Weihnachten beteiligt?“ „Ja, ja, ja“, lauten meine Antworten. Aber trotzdem: Geschenke gehören bei uns dazu.

Unterschiedliche Wünsche

Dieses Jahr ist es ein angesagter Turnschuh, der auf der Wunschliste der Teenager-Tochter ganz oben steht. Sehr konkret, vielleicht ein bisschen teurer als die Schuhe, die sie sonst so bekommt – und vor allem ein Schuh, der eigentlich nicht unbedingt notwendig wäre. Der zwölfjährige Jonas ist noch vollkommen ohne Idee, sind doch seine sportlichen Lieblingsbeschäftigungen, für die man immer was brauchen kann, coronabedingt momentan ständig auf Eis gelegt. Hier sind die Eltern gefragt, sich etwas einfallen zu lassen.

Mein Mann Andi gehört zu der Kategorie „Einfach zu Beschenkender“. Musik, Bücher, Kabarett, Kochen, Radeln – Sätze wie „Das könnte ich auch mal brauchen“ lässt er beizeiten schon fallen und hat es dann bis Weihnachten bestimmt wieder vergessen. Und ich? Ich bin wirklich einfach zu beschenken – das ist zumindest meine Meinung. Da gibt es schon auch immer wieder den ein oder anderen konkreten Wunsch, aber über Überraschungen freue ich mich immer am meisten. Denn das Beste an Geschenken ist doch, dass man auch oft etwas bekommt, an das man selbst gar nicht gedacht hat. Das kann durchaus „horizonterweiternd“ sein.

Gemeinsame Zeit

Ein Geschenk ist so viel wert. Dabei ist nicht der „Geldwert“ gemeint, das ist keinem in der Familie wichtig. Das schwankt auch massiv – natürlich gibt es nicht jedes Jahr eine neue Querflöte. Natürlich heißt es auch nicht, dass, wenn Hannah die Querflöte bekommt, Jonas im gleichen Jahr etwas genauso Teures bekommen muss. Das erwarten die Kinder auch nicht.

Viel wichtiger ist, dass ein Wunsch erfüllt wurde – manchmal auch einer, den man selber vielleicht vorher gar nicht so bewusst hatte. Manchmal erkennt man den Wert eines Geschenkes erst im Laufe der Zeit und kann sich dann erst so richtig daran erfreuen. So hat Jonas vor kurzem ein Spiel bekommen – auf den ersten Blick einfach ein Brettspiel. Es dauerte einige Zeit, bis wir uns die Mühe machten, die Spielanleitung zu lesen. Das für uns Ungewöhnliche an dem Spiel war, dass man über viele Runden immer in der gleichen Besetzung spielen muss. Nun sitzen wir regelmäßig in der Familienrunde zusammen, haben viel Spaß und sind gespannt auf die nächste Runde. Ein Geschenk, das sich erst auf den zweiten Blick als das „besondere Geschenk“ herausstellte.

Denn: Je älter die Kinder werden, desto schwieriger wird es, Zeit gemeinsam zu verbringen. Deshalb sind gerade in den vergangenen Jahren Ausflüge oder gemeinsame Veranstaltungsbesuche beliebte Geschenke. So waren wir im vergangenen Jahr in einer Turngala, ganz besonders schön, weil beide Kinder selbst turnen. Aber auch für Zirkusbesuche sind alle, samt Oma, Opa und Tante, zu begeistern.

Was den anderen freuen könnte

Doch das Schönste am Schenken ist das Beschenken. Das ist auch Hannah und Jonas wichtig. Hannah frönt ihrer Bastelbegeisterung bereits auf den ersten Dezember hin. Ein Adventskalender für die Eltern ist seit einigen Jahren fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit und auch auf Weihnachten wird fleißig für die Familie und Freundinnen gebastelt, genäht und gebacken. Mit weniger Vorlaufzeit gestaltet auch Jonas für die Familie Geschenke. Dabei hat er es gerade im Origamifalten zu kleinen Meisterwerken gebracht.

Spaß macht es ebenso meinem Mann und mir, gemeinsam zu überlegen, mal wieder zu zweit einkaufen zu gehen. Es ist einfach schön, darüber nachzudenken, über was sich Kinder, Mann, Eltern, Freundinnen, Geschwister freuen könnten. Es macht Spaß, Zeit zu investieren, Geschenke einzukaufen und auch herzustellen. Das kann der Fotokalender sein, über den sich die Großeltern freuen, das kann der Honigkuchen sein, den mein Mann jedes Jahr zum Namenstag rund um den ersten Advent bekommt, oder das Fotoalbum vom vergangenen Urlaub.

Ein unbezahlbares Geschenk

Schenken und Geschenke haben für uns als Familie – und da ist nicht nur der engste Familienkreis gemeint – auch immer etwas mit „zusammen Zeit verbringen“ zu tun. Sei es, um die Geschenke zu überreichen oder dank des Geschenkes gemeinsam Zeit zu verleben – das bedeutet Schenken für uns. Wie wichtig das für uns ist und eben doch nicht selbstverständlich, erleben wir gerade jetzt. Viele Geschenke, wie Ausflüge, sind aufgrund von Corona-Regeln derzeit nicht möglich. In der Pandemie wird aber auch deutlich: Sich persönlich treffen zu dürfen ist ein unbezahlbares Geschenk. (Yvonne Feichtner, freie MK-Mitarbeiterin)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten

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