Seliger Pater Rupert Mayer Ein großer Helfer und Fürsprecher

08.09.2019

Die Bronze-Büste des Seligen Pater Rupert Mayersin der Bürgersaalkirche wird heuer 70 Jahre alt. Ein Anlass also, um mal einen genaueren Blick darauf zu werfen.

„Dass die Menschen die Hand auflegen, ist das Besondere an dieser Büste“, erklärt Präfekt Gerd Jacob
„Dass die Menschen die Hand auflegen, ist das Besondere an dieser Büste“, erklärt Präfekt Gerd Jacob © SMB/Kuklik

München – Rote Flamingopflanzen, weiße Orchideen und Rosensträuße schmücken die Unterkirche des Münchner Bürgersaals. Die Zimmerpflanzen umringen einen Sockel auf der rechten Seite der Kirche. Sie machen die tiefe Dankbarkeit der Schenker gegenüber dem „Empfänger“ sichtbar: dem seligen Pater Rupert Mayer SJ, zu dessen Bronzebüste täglich hunderte Gläubige und Touristen pilgern. Zuversichtlich scheint der Mann in den Sakralraum zu blicken, so, als würde schon alles gut gehen, wenn man auf Gott vertraut. Eine dunkle Patina hat sich im Laufe der Zeit auf der 70 Jahre alten Büste gebildet. Nur der Brustkorb des Denkmals, auf Höhe des Herzens, ist stark abgerieben und schimmert golden.
Eine junge Frau in adrettem Business-Kostüm betritt die Kirche und geht zielgerichtet und mit gesenktem Blick auf die Büste zu. Sie faltet die Hände und schließt die Augen. Nach kurzer Zeit blickt sie dem Jesuitenpater, der Büste, tief in die Augen, streicht ihm über die Wange und berührt die abgeriebene Stelle – daher also die fehlende Patina. So schnell wie die Dame in die Unterkirche hineingekommen war, ist sie auch wieder verschwunden.

„Pater Rupert Mayer hat geholfen“

„Dass die Menschen die Hand auflegen, ist das Besondere an dieser Büste“, erklärt der Präfekt der Marianischen Männerkongregation, Gerd Jacob, „viele kommen hierher und tragen dem seligen Pater ihre Sorgen und Nöte vor, weil sie sich Hilfe von ihm erhoffen – in Krankheitsfällen oder auch bei Familienstreitigkeiten. Wir lesen im ausliegenden Fürbittbuch auch immer wieder: ‚Pater Rupert Mayer hat geholfen.‘“ Der Jesuit, der 1876 in Stuttgart geboren wurde, galt schon zu Lebzeiten als „15. Nothelfer“: Während des Ersten Weltkriegs stand er den Soldaten an der Front als Seelsorger zur Seite und wurde dafür mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. „Er hat sich sehr für Arme und Notleidende eingesetzt, und zwar über das Maß dessen, was man als ‚normal‘ bezeichnen würde“, fährt Jacob fort. Während des Zweiten Weltkriegs habe er viele Menschen materiell unterstützt und „wer etwas auf dem Herzen hatte, ging zu ihm“.

Große Anziehungskraft und Faszination bis heute

Persönliche Gegenstände wie ein Stoffschaf und ein Pferdebuch, Briefe und Porträts in der Ausstellung der Bürgersaalkirche verdeutlichen die tiefe Verbundenheit der Männerkongregation mit ihrem Schutzpatron Pater Rupert Mayer, der selbst deren Präses bis zu seinem Tod an Allerheiligen 1945 war. Er starb während der Frühmesse an einem Schlaganfall. Auch die Gebeine des Jesuitenpaters sind seit ihrer Umbettung 1948 vom damaligen Kolleg in Pullach in der Bürgersaalkirche begraben, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die einzige Kirche in der Nähe seiner eigentlichen Wirkungsstätte, der Michaelskirche, war, die zügig wiederaufgebaut war.
Bemerkenswert, wie ein Mensch, der schon seit vielen Jahrzehnten tot ist, bis heute eine so große Anziehungskraft und Faszination ausübt. Doch für Jacob nicht verwunderlich: „Die Menschen haben damals erfahren, dass er ein großer Helfer und Fürsprecher war. Das hat sich nach seinem Tod fortgesetzt. Die Münchner vertrauen sehr auf ‚ihren‘ Apostel.“

Entschiedener Gegner des Nationalsozialismus

1949 wurde die Büste, ein Werk der Bildhauerin Barbara von Kalkreuth, in der Unterkirche aufgestellt und seitdem oft kopiert: Die Erzabtei St. Ottilien besitzt das gleiche Modell und ein weiteres hat es sogar bis in die Vereinigten Staaten von Amerika geschafft, wo es in einer New Yorker Universität steht. „Pater Rupert Mayer ist inzwischen international bekannt. In Afrika zum Beispiel gibt es Pater-Rupert-Mayer-Schulen. Sein Name steht für soziales Engagement“, erläutert Präfekt Jacob. Deswegen gebe es viele Einrichtungen, die seinen Namen trügen und in seinem Sinne handelten.
Früh erkannte der Jesuitenpater, den Papst Johannes Paul II. am 3. Mai 1987 im Münchner Olympiastadion seligsprach, die Gefahren des Nationalsozialismus. Er wurde mehrfach verhaftet und in Konzentrationslager gesteckt, da er das ihm auferlegte Redeverbot ignorierte. „Er ließ sich nicht den Mund verbieten“, erklärt Jacob beim Gang durch die Ausstellung. In einer Vitrine prangt ein denkwürdiges Zitat: „Ich werde Ihnen ganz klar sagen, dass ein deutscher Katholik niemals Nationalsozialist sein kann.“ Was die Büste, könnte sie sprechen, wohl zur aktuellen politischen Lage in Deutschland sagen würde?


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