Salesianer eröffnen „Casa Don Bosco“ Ein Haus für Kinder in München-Haidhausen

01.02.2017

Salesianer-Pater Alfons Friedrich hatte die Idee, ein Kinderhaus zu bauen. Elf Jahre hat es gedauert bis die „Casa Don Bosco“ fertiggestellt wurde. Doch was ist das Besondere an dieser Einrichtung?

Rund 220 Kindern bietet die "Casa Don Bosco" Platz.
Rund 220 Kindern bietet die "Casa Don Bosco" Platz. © Kiderle

Münchner Kirchenzeitung (MK): Seit einigen Tag ist hier richtig Leben in der Casa Don Bosco. Die Kinder sind eingezogen in Krippe und Kindergarten. Wie war das?
Pater Alfons Friedrich: Die Kinder waren unheimlich aufgeregt. Zuerst sind sie so ganz vorsichtig herumgetappst, aber dann war die Begeisterung schnell sehr groß.

MK: Was genau ist denn die Casa Don Bosco?
Friedrich: Ein schöner Name, nicht wahr? Die Casa Don Bosco, das Haus Don Bosco also, soll ein Ort sein, der Kindern im Krippen-, Kindergarten- und Hortalter, also idealerweise über zehn Jahre lang, eine Begleitung bietet. Unser Konzept sieht vor, sehr frühzeitig mit den Kindern in Kontakt zu kommen. In enger Verbindung mit den Eltern, der Schule, aber auch der Gemeinde wollen wir den Mädchen und Buben in jeder einzelnen Lebensphase zur Seite stehen und sie auf das Leben vorbereiten. Wir wollen ihnen zeigen, dass es Prinzipien im Leben gibt, für die es sich lohnt einzustehen. Grundlage dafür ist ein christliches Menschen- und Gottesbild, das wir vermitteln wollen.

MK: Wie vielen Kinder bietet die Casa Platz?
Friedrich: In der Endausbaustufe werden rund 220 Kinder in dieser Einrichtung sein.

MK: Wann und wie ist diese Idee entstanden?
Friedrich: Die ersten Gedanken dazu sind 2004 entstanden, als ich Pfarrer von Sankt Wolfgang wurde. Gemeinsam mit der Leiterin des Kindergartens habe ich festgestellt, dass die Bedingungen des damaligen Kindergartens nicht optimal waren. Nach zahlreichen Überlegungen ist dann schließlich die Idee aufgetaucht, zusammen mit den Salesianern auf deren Gelände etwas ganz Neues zu konzipieren. Das Konzept nahm dann in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese, die das Projekt immer unterstützt hat, immer konkretere Formen an, bis wir uns schließlich getraut haben, es umzusetzen. Alles in allem steckt darin viel Arbeit, schließlich hat es ja auch elf Jahre gedauert. Das Schöne: Die Kirchenverwaltung hat das Projekt von Anfang an maßgeblich unterstützt.

Pater Alfons Friedrich SDB ist Pfarradministrator im Pfarrverband Haidhausen und Geschäftsführer der Don Bosco Medien.

Pater Alfons Friedrich hatte die idee zu dem Kinderhaus.
Pater Alfons Friedrich hatte die idee zu dem Kinderhaus. © SMB/Hornberger

MK: Wie sind Sie als Initiator der ganzen Sache mit dem Ergebnis zufrieden?
Friedrich: Ich finde, dass es ein sehr schönes Haus geworden ist. Es lohnt sich, etwas für Menschen zu tun. Auch wenn der Weg nicht immer ganz leicht ist.

MK: Welche Anliegen sind der Katholischen Kirchenstiftung St. Wolfgang als Träger wichtig?
Friedrich: Natürlich eine qualifizierte außerhäusige Kinderbetreuung. Das erwarten die Eltern und das sollen sie auch bekommen. Einen Schwerpunkt setzen wir dabei auf die musisch-kreative Erziehung, einen anderen auf religionspädagogische Ausbildung. Wichtig ist darüber hinaus eine ganzheitliche Erziehung, die alle Bereiche einschließt. So haben wir ein so genanntes „Vier-B-Konzept“ entwickelt: Bildung, Betreuung, Begleitung und Begegnung. Dabei stehen natürlich die Kinder im Mittelpunkt, aber es ist uns ebenso wichtig, dass eine Öffnung des Hauses in den Stadtteil hinein geschieht.

Am Sonntag, 5. Februar 2017, wird es um 11 Uhr einen Festgottesdienst in St. Wolfgang mit Einweihung der neuen „Casa Don Bosco“ geben. Hauptzelebrant: Prälat Dr. Peter Beer, Generalvikar des Erzbistums München und Freising; anschl. Mittagessen im Veranstaltungssaal des Salesianums.

MK: Welche Rolle wird die Casa Don Bosco in der Pfarrei und in der Seelsorge spielen?
Friedrich: Ich glaube, dass genau solche Orte in Zukunft für die Pfarrpastoral wesentlich sein werden. Meine Erfahrung sagt mir, dass mit solchen besonderen Orten – und das ist die Casa für mich – Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit gegeben wird, in einem solchen Stadtteil Heimat auch einmal ganz anders zu erfahren. Und ich merke, dass diese Überlegung aufgeht. Die Menschen schätzen das.

MK: Lassen Sie uns noch über die Kosten sprechen ...
Friedrich: Gut, der ganze Bau ist natürlich nicht ganz billig gewesen und war nur durch sehr große Unterstützung der Erzdiözese zu realisieren. Da ist ungefähr ein Drittel der Finanzierung aufgelaufen. Außerdem hat auch die Stadt München einen wesentlichen Beitrag geleistet. Und weil in diesem neuen Haus auch noch ein Teil des Überreiter-Gymnasiums untergebracht ist, sind auch von dort Gelder gekommen. Zu guter Letzt hat dann auch noch die Ordensgemeinschaft in die Tasche gegriffen.

MK: Zum Schluss noch eine ganz persönliche Frage an den Initiator und Ideengeber: Wie geht es Ihnen, nachdem das Haus nun endlich eröffnet ist?
Friedrich: Ich freue mich, das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich bin all denen dankbar, die dazu beigetragen haben, dass dieses Haus entstehen konnte. Und wenn ich jetzt die Augen der Kinder sehe, die hier rumtoben, dann tut das wirklich gut. Das ist es, wofür man es gemacht hat
(Das Interview führte Susanne Hornberger, Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung.)

Seit 100 Jahren sind die Salesianer Don Boscos im Münchner Stadtteil Haidhausen präsent. Aufgrund seiner zahlreichen Einrichtungen prägt der Orden nicht nur die Pfarrgemeinde St. Wolfgang. So ist zum Beispiel auf dem Ordensgelände am St. Wolfgangs-Platz das Provinzialat der Salesianer Don Boscos angesiedelt. Im so genannten „Salesianum“ wird wird jungen Menschen während ihrer Schul- und Ausbildungszeit eine „Heimat auf Zeit“ geboten. Ganz im Sinne des Ordensgründers Johannes Bosco (1815 – 1888). Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit der Salesianer liegt in der Begleitung junger Flüchtlinge, die auf ihrem oft schweren Weg in ein neues, gelingendes Leben Unterstützung bekommen. Weil es den Salesianern aber auch ein besonderes Anliegen ist, den Glauben ins Leben zu transportieren, unterhalten sie in Haidhausen eine eigene Medien Gmbh. Seit 2014 befindet sich, ebenfalls am gleichen Standort, die Caritas Don Bosco Berufsfachschule für Kinderpflege sowie die Caritas Don Bosco Fachakademie für Sozialpädagogik.

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