Besuch aus Bayern für Benedikt XVI. Ein Herz für die Heimat

05.07.2016

Große Freude im Vatikan: Anlässlich des 65. Jubiläums seiner Priesterweihe bekam der emeritierte Papst Benedikt XVI. Besuch aus der Heimat. Die Bayerischen Gebirgsschützen hatten unter anderem Bier und Latschenkiefer im Gepäck.

Oberlandler Trachtler aus Fischbachau ehrten mit einem „Gamssprung-Plattler“ Papst em. Benedikt XVI. (Bild: Jais)

ROM – "Es ist immer wieder bewegend, ihn zu treffen, das geht unter die Haut“. Auch zwei Tage nach der kleinen bayerischen Feier im Vatikan anlässlich des 65. Jubiläums der Priesterweihe des emeritierten Papstes Benedikt XVI. ist Martin Haberfellner tief bewegt. Er habe Benedikt zwar „schon zehnmal“ getroffen, aber es sei doch immer wieder etwas Besonderes, ein „außergewöhnliches Ereignis“. Der stellvertretende Landeshauptmann der Bayerischen Gebirgsschützen überbringt mit über 100 Gratulanten dem emeritierten Papst Grüße und Geschenke aus der bayerischen Heimat.

Bier und Latschenkiefer im Gepäck haben 45 bayerische Gebirgsschützen, die Musikappelle der Feuerwehr Unterpfaffenhofen, der Trachtenverein Fischbachau sowie einige Politiker wie der evangelische CSU-Politiker Peter Gauweiler gratulierten dem Jubilar. Und: Grüße von Georg Ratzinger, dem älteren Bruder Benedikts, der ebenfalls am 29. Juni 1951 im Freisinger Dom zum Priester geweiht worden war.

So hallen aus diesem Grunde an diesem schönen Abend bayerische Marschklänge durch die vatikanischen Gärten, als der 89-Jährige emeritierte Papst aus seinem Altersruhesitz „Mater Ecclesiae“ kommt, um die Delegation zu begrüßen.

Auch zwei CDs haben die Bayern für „ihren Papst“ und dessen Bruder Georg dabei: Bayerische Märsche. Benedikt freut sich sehr darüber und verspricht: „Ja, des hör i mir an.“ Nach Glückwunsch-Reden und Schuhplattlertänzen, die der 89-Jährige aufmerksam und lächelnd auf einem Stuhl sitzend beobachtet, ergreift Benedikt selbst das Wort. „Mein Herz schlägt immer noch für meine Heimat“, sagt der emeritierte Papst, der in Marktl am Inn geboren wurde, sichtlich gerührt. Er wünsche sich sehr, dass Deutschland weiter vorwärtsgehen könne und ein Land bleibe, in dem es „schön ist, Mensch zu sein und zu leben“, sagt Benedikt, der seit 34 Jahren in Rom lebt. Und Papa emeritus macht keinen Hehl daraus, wie sehr er den Besuch aus seiner Heimat genießt. „Ich freu mich, dass ihr alle da seid“, lächelt Benedikt, „ich fühle mich so richtig daheim. Vom Chiemgau komme ich, ein Stück Chiemgau ist wieder da, das tut mir wohl.“ Apropos Heimat: „Es hat ein japanischer Historiker eine Biographie über mich geschrieben, in der er zum Schluss kommt: Man versteht Ratzinger erst dann, wenn man weiß, dass er ein bayerischer Patriot ist – das sei die Summe meiner Existenz.“ Und dann blitzen sie wieder auf, sein ihm eigener feiner Witz, seine ihm eigene feine Ironie. „Bei aller Liebe zur Heimat bin ich mehr als ein Patriot.“ Damit bringt er die bayerische Delegation zum Schmunzeln, denn jeder hier weiß, dass da vor ihnen einer der intellektuellsten, klügsten und feinsinnigsten Päpste der Geschichte sitzt. Und ein sehr herzlicher und interessierter Mensch, der sich beim anschließenden Händeschütteln über Bekannte von früher erkundigt. „Wo ist der Herr so und so? Gibt’s die Frau so und so noch?“ und Benedikt lässt herzliche Grüße übermitteln.

Und so ziehen die über 100 Bayern wieder durch die vatikanischen Gärten hinaus in die Stadt – bewegt, ergriffen und tief beeindruckt. „Wir kennen ihn seit er Erzbischof in München war“, erzählt Martin Haberfellner, „wir haben ihn regelmäßig getroffen, für uns ist er beinahe ein alter Vertrauter. Wir wissen dieses Privileg auch zu schätzen und haben großen Respekt vor dem Amt und dieser Persönlichkeit.“ Derartige Erlebnisse werde niemand jemals vergessen, sagt der Gebirgsschütze weiter. „Wir gehen mit aufgeladenem Akku nach Hause.“ (Susanne Hornberger)


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