Orden der Passionisten Ein Herz für die Leidenden

29.03.2021

Die katholische Gemeinschaft der Passionisten hat sich das Leiden Christi auf die Fahnen geschrieben.

Zur Pasinger Passionisten-Gemeinschaft gehören heute (von links) Pater Johannes Rothärmel, Bruder Matthias Leykamm, Pater Klaus Holzer und Pater Stefan Neugebauer.
Zur Pasinger Passionisten-Gemeinschaft gehören heute (von links) Pater Johannes Rothärmel, Bruder Matthias Leykamm, Pater Klaus Holzer und Pater Stefan Neugebauer. © Passionisten

München - Je näher wir an Ostern herankommen, um so eindringlicher hält uns die Kirche das Kreuz vor Augen. Sie lädt uns ein, es anzuschauen und tiefer zu erfassen. Wir gewöhnen uns ja leicht an Gottes Geheimnisse. Und dann erblinden wir für sie. Wie schwer es aber ist, sich ungeschützt dem Anblick des Gekreuzigten auszusetzen, hat uns der Apostel Paulus bewusst gemacht. Sein Wort vom Kreuz stieß bei Juden und Heiden auf heftigen Widerstand. Und heute? Es regt sich kleiner bis großer Widerstand gegen das Kreuz in unseren christlichen Gemeinden. Dieser richtet sich auch gegen das Leiden Christi im Allgemeinen. Viele wollen einen sympathischen, froh machenden, anspruchslosen Jesus, der großzügig über alle Sünden hinwegsieht.

Ein Gekreuzigter ist nicht schön

Der berühmte deutsche Dichter Johann Wolfgang Goethe gestand einmal, gegen drei Dinge empfinde er Abscheu und Widerwillen: gegen den Tabak, gegen Bettler und gegen das Kreuz. Er war ein griechischer Geist. Er konnte mit dem Gekreuzigten genauso wenig anfangen wie die Korinther zur Zeit des Apostels Paulus. Sie wollten als Griechen eine „schöne“ Religion. Sie erwarteten vom Christentum Ideen, einen Zugang zu höherer Erkenntnis. Sie sahen im Christentum eine Weltanschauung, in der alles schön und harmonisch aufgeht.

Ein Gekreuzigter aber ist nicht schön. Er ist abscheulich. Er ist keine Idee, sondern blutiges Fleisch. Er bringt nichts ein. Er stößt vielmehr vor den Kopf. Goethe war kein Christ. Er hat deshalb gewittert, wie hart der Gekreuzigte humanistische Ideale durchkreuzt. Was Goethe spürte, hat sich erwiesen. Je mehr der Mensch sich selbst entwarf, bis herauf in unsere Tage, umso entschlossener musste das Kreuz aus dem Blick geräumt werden. Als Lenin auftrat, wurden die Kreuze vernichtet. Als Hitler erschien, musste der Gekreuzigte aus den Schulzimmern weichen. Als sich der Wohlstand breitmachte, verschwand das Kreuz aus vielen Wohnungen. Es passt nicht zu den Möbeln, außer es ist ein schönes altes Stück. Hier sehen wir, wie wahr es ist, was Paulus geschrieben hat: „Für Heiden eine Torheit“.

300 Jahre Passionisten

Über Kreuz, Leiden und Sünde wird heute nicht gerne geredet. Es sind vergleichsweise wenige, die das innerhalb der Christenheit tun. Zu ihnen gehören Angehörige verschiedener Ordensgemeinschaften. In der Erzdiözese München und Freising gibt es seit 1922 im Münchner Westen, in Pasing, eine, die sich das Leiden Christi auf die Fahne geschrieben hat: die Passionisten. Diese Gemeinschaft feiert ein Jubiläumsjahr. Vor 300 Jahren wurde sie vom heiligen Paul vom Kreuz (1694–1775) gegründet. Nach dessen Willen tragen die Ordensangehörigen ein Herz auf der linken Seite ihres Ordensgewandes. Und mittendrin steht: „Jesu XPI Passio“. XPI sind drei griechische Buchstaben und stehen letztlich für „Christi“. Somit leitet sich daraus der Wahlspruch des Ordensgründers her: „Das Leiden Jesu Christi sei immer in euren Herzen.“

Dabei aber soll es nicht bleiben. Nicht nur bloßes Andenken und Mitfühlen an und mit dem Leiden Christi sind damit gemeint, sondern eingeschlossen ist auch die Verkündigung des tiefen Geheimnisses von Leiden und Tod Jesu Christi. Anspruchsvoll! Aber dennoch wichtig.

Leben in Fülle

Auch wenn es viele nicht unterschreiben würden, bleibt die Sendung der Passionisten zeitlos. Denn leidende Menschen wird es immer geben, solange sich die Erde um die Sonne dreht. Leider verlassen viele Menschen die Kirche und suchen in diversen spirituellen Strömungen und fremden Religionen Zuflucht. Sie finden dort oft etwas, das sie in der Kirche vermissen. Sie wollen einen Zugang zu ihrem Herzen haben. Sie wollen sich nicht tagein, tagaus ausschließlich mit politischen, kulturellen und sozialen Themen befassen. Sie wollen, kurz gesagt, leben. Leben in Fülle bietet Jesus Christus an, der sagte: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10b) Aus der Seitenwunde des gekreuzigten Herrn fließt dieses Leben in Fülle. Warum es nicht einfach einmal wagen und sich näher und tiefer mit dem Geheimnis des leidenden Heilands befassen?

Das Leiden Christi dauert im Grunde fort, bis er wiederkommt in Herrlichkeit. Die Passionisten nehmen Anteil an den Freuden und Leiden der Menschheit, die zum Vater pilgert. Sie teilen vor allem die Not jener, die arm und verlassen sind, und bemühen sich, ihnen Trost zu bringen und die Last ihrer Leiden zu lindern.

Aus der Kraft des Kreuzes Christi, die Weisheit Gottes ist, wollen sie mithelfen, die Ursachen menschlichen Leides zu überwinden. Eine große Aufgabe! Doch auch eine schöne Aufgabe! (Pater Klaus Holzer, Rektor der Niederlassung St. Gabriel in München-Pasing und der alten Pfarrkirche Mariä Geburt)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern

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